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Empfohlen Schwere Bergtour Geißköpfe (2.303 & 2.183m), Formarin Schafberg (2.413m) und Pitschiköpfe (2.280m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 19. Juni 2025.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Äußerst einsame Angelegenheit, welche am Schafberg-Westgrat sehr ernst wird. Beim Schafbergabstieg über Südwestflanke deutlich leichter. Beim Gipfelanstieg Pitschiköpfe nochmal perfekte Trittsicherheit gefragt. Aussicht über die ganze Grattour hinweg einmalig schön.

    Tour-Bewertung:


    [​IMG] ca. 6,5-7 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.630 Hm / 34,85 km (davon 450Hm / 21,00km mit dem Bike)
    [​IMG]Schwierigkeit bis III+ / T6 (Abstieg direkter Westgrat Schafberg, sonst leichter)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Franzi, Thom

    In diesem Teil des Lechquellengebirges werden wohl hauptsächlich Individualisten und Gipfelsammler auf ihre Kosten kommen. Die Gipfel selbst sind oft eigen, es gibt nur wenig Informationen zu den Aufstiegsrouten, hier darf also noch klassisch mit analogem Kartenmaterial und AV-Führern bei der Tourenvorbereitung gearbeitet werden. Wen das nicht abschreckt, der bekommt auf solchen Touren vor allem eines - absolute Ruhe und Stille am Berg. Dies gepaart mit den hübschen Ausblicken, einem Hauch von Ungewissheit und die alpintechnischen Herausforderungen machen die hier vorgestellte Tour aus unserer Sicht recht lohnend, auch wenn die Berggestalten aus der Ferne zugegebener Maßen einen eher behäbigen und unspektakulären Eindruck vermitteln. Hält man sich stets an die am einfachsten zu begehende Route, so kommt man mit einer mittelschweren Bergtour (I+/T5+) gut hin. Durch unseren direkten Abstieg über den Westgrat des Schafberges wurde die Tour allerdings um ein vielfaches anspruchsvoller (III+/T6). Zur Nachahmung empfehlen wir diese Direktvariante nicht, da diese als äußerst heikel bezeichnet werden darf. Der Abstieg über die gutgangbare Südwestflanke des Schafberges ist definitiv die sicherere Variante. Als Zustieg zum Formarinsee wählen wir wie so oft die Bike-Variante von Lech-Zug aus, natürlich wäre auch ein ruhiger Zustieg aus dem Klostertal denkbar. Unser Fahrraddepot machen wir am Abzweig des Wanderweges hinauf in die Lange Furka direkt am Westufer des Formarinsees.

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    Bei der Fahrt hinauf zum Formarinsee fällt einem jedes mal das exakt gleich hohe Gipfelpärchen von Pfaffeneck und Pöngertlekopf mehr wie nur ins Auge.

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    Wie schon vorhin erwähnt, machen wir unser Bike Depot am Abzweig hinauf in die lange Furka und folgen dem Wanderweg wenige Minuten in Richtung Westen. Im Hintergrund Formarin Rothorn und die Rote Wand.

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    An geeigneter Stelle verlassen wir dann den Wanderweg und steigen weglos nach links über Latschengassen und Karrenfelder ohne größere Schwierigkeiten hinauf zur Kammhöhe unterhalb der Geißköpfe.

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    Rückblick auf den schön gelegenen Formarinsee von kurz unterhalb der Kammhöhe. Bei geschickter Routenwahl kommt man hierher ohne jeglichen Latschenkontakt durch, was wir als recht angenehm empfanden.

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    Auf der noch breiten Kammhöhe geht es dann den Geißköpfen entgegen. Das Gelände ist stets gutmütig, das viele weglose Auf und Ab benötigt allerdings etwas Zeit.

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    Am östlichen Geißkopf angelangt, Steinhaufen und Minikreuz sind vorhanden. In Bildmitte im Hintergrund erblickt man einen ebenfalls sehr eigeneartigen Berggesellen - den Madratsch.

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    Auch ein recht lohnender Gipfel: der weit ins Klostertal hervorspringende Roggelskopf bietet eine geniale Rundumsicht und der Anstieg ist trotz Stahlseilversicherungen nicht immer ganz trivial.

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    Immer weiter Richtung Westen geht es langsam aber sicher dem höchsten Geißkopf entgegen.

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    Mit zunehmender Höhe schnürt sich der anfangs breite Kamm immer mehr zu einem schönen Grat zusammen. Direkt voraus wartet schon die begrünte Gipfelkuppe des Westlichen Geißkopfes.

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    Immer wieder scheifen unsere Blicke über die Lange Furka hinweg zu Madratsch, Rothorn und Rote Wand.

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    Und endlich gibt es auch ein wenig für die Finger zu tun. Über eine viel zu kurze Bilderbuchkante (II) aus hellem Kalkstein klettern wir anregend hinauf in Richtung Westlicher Geißkopf. Weiter oben wirds dann leider brüchiger aber auch wieder leichter. Dann ist unser nächstes Gipfelziel erreicht.

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    Ab dem Westlichen Geißkopf wird das Gelände deutlich alpiner und auch getechnisch anspruchsvoller. Wir steigen zunächst in eine Scharte etwas bröselig hinab ...

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    ... um gleich wieder hinauf zum nächsten markanten Gratkopf anzusteigen. Diesen überwindet man am schnellsten und einfachsten über die helle Kalkplatte (I) etwas links der Bildmitte. Hinterm Gratkopf nochmal in eine Scharte mit rot markiertem Fels und über seichte Steigspuren hinauf zum noch fernen Gipfel des Schafberges.

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    Ankunft am Gipfel des Formarin Schafberges. Hier gibt es eine kleine Stärkung. Leider macht uns das schwüle Hochsommerwetter zumindest aussichtstechnisch gerade hier einen Strich durch die Rechnung.

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    Blick vom Gipfelplateau des Schafberges Richtung Westen. Die Pitschiköpfe, unser letztes Gipfelziel für diesen Tag, liegen noch ein ganzes Stück weit weg im Schatten der immer dichter werdenden Wolken. Der obere Westgrat des Schafberges ist mild und einfach zu begehen ...

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    ... verändert aber mit jedem Abstiegsmeter zunehmend sein Gesicht. Von der letzten begrünten Kuppe geht es zumeist an der Gratkante über extrem brüchigen Fels (bis II+/T5-6) und unangenehm verbackenem Schotter hinab zur hier letzten sichtbaren Gratkuppe. Von dieser aus ist der weitere Abstieg verdammt steil, immer noch "herrlich" brüchig und äußerst ernst!

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    Wir steigen in eine gut 65 Meter hohe, kaminartige Rinne ein (II-III) und arbeiten uns in dieser mit äußerster Vorsicht langsam nach unten. Wirklich halten tut hier leider nichts.

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    Die letzten 30 Meter klettern wir über den nun oft senkrechten, manchmal auch leicht überhängenden und etwas schräg verlaufenden Kamin hinab (bis III+) auf immer noch recht anspruchsvoll zu begehende Schotter, welche uns dann rasch in die Scharte mit den markanten Grattürmen zwischen Schafberg und Pitschiköpfe leiten.

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    Geschafft. Der hohe Kamin, welcher den stumpfen Hauptpfeiler im Westgrat des Schafberges trennt, ist überwunden und wir kommen schnell wieder in zahmeres Gelände. Ein wirklich wilder Abstieg.

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    Ankunft unterhalb des Schafberg-Westgrates. Die Sonne scheint wieder, der Verbindungsgrat hinüber zu den Pitschiköpfen ist richtig schön zu begehen. Die Schartentürme werden hierbei unschwierig auf deren Südseite über Gamsspuren knapp unterhalb der Felsen umgangen.

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    Blick aus der tiefsten Scharte des Verbindungsgrates hinüber zu Novaspitze und Novaturm.

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    Der Aufstieg über den Verbindungsgrat hinauf zum Ostgipfel der Pitschiköpfe ist kurzweilig und wunderschön.

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    Rückblick zum Schafberg Westgrat mit seinem markanten, stumpfen Pfeiler. Für den Gipfelanstieg zum Östlichen Pitschikopf braucht es dann wieder perfekte Trittsicherheit und Erfahrung in brüchigen Schrofen.

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    Die kurze klettertechnische Schlüsselstelle ist markant, nicht zu verfehlen und recht schön zu klettern (I+). Die eigentlichen Schwierigkeiten folgen allerdings erst danach. Es muss über geröllbedeckte, schräg geneigte Felsplatte (I) hinauf zum Gipfelgrat gestiegen werden, welche direkt unterhalb von satten Steilabbrüchen begrenzt werden. Hier ist besonders beim Wiederabstieg Konzentration gefragt!

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    Blick vom Gipfelkamm des Östlichen Pitschikopfes hinüber zu Lusgrind, Hanflender und Schafberg.

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    Am Gipfel des Östlichen Pitschikopfes, höchster Punkt des kleinen Massivs. Auch diesen ziert nur ein Ministeinmann mit winzigem Kreuz. Nach kurzer Pause machen wir uns an den weiten und nicht ganz unheiklen Rückweg.

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    Beim Wiederanstieg hinauf zum Schafberg wählen wir die Route über die ebenfalls weglose Südwestflanke. Diese vermittelt den einfachsten Aufstieg, die Möglichkeiten für die Routenanlage sind hierbei mannigfaltig. Wir steigen bis in etwa 100 Höhenmeter unter den Gipfel an und queren dann nach rechts hinaus zum oberen Südgrat des Schafberges ...

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    ... über welchen wir recht abwechslungsreich und nur mäßig schwierig hinauf kraxeln (bis I+). Vom Gipfelplateau über die seichten Trittspuren nach Osten hinab in die Gratscharte mit dem vorhin bereits erwähnten, rot markierten Fels und über sehr steile und anfangs etwas unangenehme Schotter hinab in Richtung Lange Furka.

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    Dieser Abstieg hinab zur Langen Furka ist im weiteren Verlauf recht gut gangbar und definitiv schneller als der komplette Rückweg über den geschwungenen Grat der Geißköpfe. Er erfordert aber dennoch ein wenig Orientierungssinn, da der einstige Steig nicht mehr auffindbar ist. Verlaufen kann man sich hier dennoch nicht wirklich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Januar 2026