Empfohlen Klettern Südgrat Säuling (2.047m)

Dieses Thema im Forum "Klettern & Bouldern" wurde erstellt von Thom, 11. März 2025.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Längst vergessene Kletterroute mit urigem Zustieg, einer ersten genialen Seillänge und später ziemlich viel Bruch und Schrofen. Dennoch lohnend für kletternde Bergsteiger und Einsamkeitsliebhaber.

    [​IMG] Tourenzeit ca. 5,5 Std. / Kletterei ca. 1,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.170 Hm / ca. 110 Hm Kletterei
    [​IMG] Schwierigkeit V / T5
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (nur für Liebhaber)

    [​IMG]Tourengänger: Tobi, Thom

    Beim Säuling Südgrat handelt es sich um eine längst vergessene Route, auf welche wir vor einiger Zeit von einem www-Bergesteigerkollegen aufmerksam gemacht wurden. Dieser hatte den Südgrat im Alleingang free solo begangen und hatte die Bewertung von damals mit (IV+/V-) als etwas zu scharf angesehen. Womit er auch sicher recht hatte. Wir würden die Schwierigkeit an der kurzen Schlüsselstelle mit glatt (V) bewerten. Der Rest der Route ist deutlich leichter, allerdings nimmt die Felsqualität nach oben hin leider sehr stark ab, teilweise muss an wacklingen Klunkern angeklettert werden. Daher ist diese Tour nur Einsamkeitsliebhabern empfohlen, welche sich im teils ungesichteren Gelände und Bruchschrofen gut auskennen und nicht unwohl fühlen. Als Auftakt zur recht alpinen Kletterei gibt es mit der Überschreitung des Brunstgrates schon mal ein echt rustikales Warm-Up (II-III/T5), welches sehr gute Trittsicherheit und entsprechende Kraxelfähigkeiten voraussetzt. Ausgangspunkt ist der Parkplatz des Säulinghauses oberhalb von Pflach. Von dort folgen wir der Beschilderung in Richtung Pflacher Älpele.

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    Auf dem Weg hinauf zum Pflacher Älpele unterschreiten wir die Steilabbrüche des Brunstgrates, von hier aus noch einige Meter weiter dem Pfad folgen, bis wir schließlich nach links über Geröll und Steilrasen auf günstigester Linie hinauf zum Brunstgrat gelangen. (I/T5)

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    Mit zunehmender Höhe verbessert sich die Gesteinsqualität am Brunstgrat deutlich. Schon früh hat man einen tollen Ausblick auf Pilgerschrofen und den 12-Apostel-Grat.

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    Herrliche Ausblicke auf die nördlichen Tannheimer Berge.

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    Hält man sich immer direkt am Brunstgrat, dürfen zahlreichen schöne Kletterstellen (II-III) absolviert werden, oft versperren aber auch Latschen, Bäume und Totholz den Weg.

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    Wilder Aufschwung im oberen Drittel des Brunstgrates. Entweder man sucht sich hier eine Linie hinauf oder man umgeht recht unschwierig das Ganze auf der rechten Seite über Pfadspuren.

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    Blick zurück. Die Überkletterung der zwei Zacken stellst die Schlüsselstelle am Brunstgrat dar.

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    Es wird schrofiger am Grat. Dennoch sind die Gesteinsanteile zumeist von recht brauchbarer Qualität.

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    Dann ist schon das Gipfelkreuz des kleinen Säuling erreicht. Wir steigen noch bis knapp unter den hier sichtbaren Felsgrat und schnallen uns an geeigneter Stelle schon mal die Klettergurte an.

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    Vom höchsten Punkt des Kleinen Säuling hat man einen herrlichen Blick auf den Säuling Südgrat. Leider ist das Gestein nicht überall ganz so fest, wie das von hieraus zunächst der Eindruck macht.

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    Über den schmalen aber gut zu gehenden Verbindungsgrat (I) steigen wir zum Südgrat hinüber.

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    Rückblick vom Verbindungsgrat auf den kecken Gipfel des Kleinen Säuling.

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    Einen ersten Gratzacken umgehen wir über gut gangbares Gelände links hinauf zu einem schmalen Felsriss, über welchen wir anklettern (II-III).

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    Anschließend über eine schrofige Rinne zurück an den Grat mit seiner bombenfesten Einstiegsseillänge.

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    Der Fels ist hier atemberaubend gut! Die alten Schlaghaken machen bis auf ein Exemplar einen sehr vernünftigen Eindruck. Die Seillänge startet an guten Griffen moderat (IV+/V-), wird aber im Bereich um den vierten Schlaghaken deutlich anspruchsvoller (V), hier wird schon etwas Armkraft abgerufen. Alles in allem mit Seil ein vorzügliche, wenn auch mit 15 Meter recht kurze Seillänge.

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    Blick von oberhalb der Schlüsselstelle hinaub in die schmale Scharte. Felsqualität geht nicht besser.

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    Vom ersten Stand mit zwei wild aussehenden aber soliden Schlaghaken geht es gnaz kurz nach rechts ausweichend (IV+) weiter hinauf an der Kante, die Schwierigkeiten werden schnell geringer. Die Seillänge ist wiederum mit 20 Metern recht kurz, Stand auf einem Absatz an silbernen Schlaghaken vor einem brüchigen Gratkopf. Es gibt keine Zwischenhaken, sicheres Klettern ist hier Grundvoraussetzung.

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    Dieser wird am besten recht heikel in brüchigen schrofen von rechts her erklettert (IV-), danach folgt leichtere Gratkraxelei (II-III) an teilweise gutem Fels. Stand nach 30 Metern an einem krummen Schlaghaken mit Ring, welcher sich mit einer Zackenschlinge gut verbessern lässt.

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    Die vierte und letzte Seillänge (40m) verläuft zunächst nochmal durch halbwegs guten Fels (III), bevor sie dann direkt am immer schrofiger werdenden Grat (II) kurz unterhalb des Gipfelkreuzes ausläuft.

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    Schnell das Kletterzeug verräumt und die letzten Meter hinauf zum Aussichtsreichen Gipfel.

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    Der Blick hinab über den Südgrat des Säuling. Was von unten oft nach richtig gutem Fels aussah, entpuppt sich von oben betrachtet als recht brüchige Schrofenkraxelei - sensibles Klettern ist hier Pflicht!

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    Kreuzgipfel Säuling.

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    Der Abstieg über den noch vereisten/verschneiten Normalweg erfordert Konzentration und perfekte Trittsicherheit. Pickel und Grödel können hier defintiv nicht schaden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. März 2025
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