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Schwere Bergtour Über den Ostgrat auf die Klimmspitze (2.465m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 24. November 2012.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Anspruchsvoll, spannend, ausgesetzt und von alpinem Charakter - die Klimmspitze mal anders.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 7,5 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.520 Hm / 14 km
    [​IMG] Schwierigkeit III / T4
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Basti, Johannes, Thom

    Die Klimmspitze, östlichster Pfeiler der mächtigen Hornbachkette, kann getrost mit zu den formschönsten Allgäuer Gipfel gezählt werden. Besonders bei der Autofahrt hinauf ins Lechtal zieht diese teils pyramidenförmige Felsgestalt unsere Blicke jedesmal wieder magisch in ihren Bann. Sie ist besonders zur späteren Jahreszeit ein gern gewähltes Zeil bei Einheimischen und Bergkennern - dennoch wird dieser schöne Aussichtsgipfel nicht so oft besucht, wie wir zunächst befürchteten. Der Normalanstieg ist etwas mühsam, beherbergt aber keinerlei Kletterschwierigkeiten. Die Orientierung fällt hierbei niemals schwer, Markierungen sind ausreichend vorhanden. Wir wollten uns allerdings einen lohnenderen Anstieg auf die Klimmspitze gönnen - zur Wahl standen der kurze, kaum ausgeprägte Westgrat oder der mächtige und anspruchsvolle Ostgrat. Für den Aufstieg wählten wir hierbei den Ostgrat, welcher Kletterschwierigkeiten im II. und III. Grat bieten kann. Das ganze Bergsteiger-Menü wird abgerundet mit teils herrlicher Ausgesetztheit. Der Fels des Ostgrates darf für Hornbachketten-Verhältnisse als gut eingestuft werden. Jedoch sind die letzten Meter hinauf zum Gipfel von heikler und nicht ungefährlicher Brüchigkeit - hier kann aber zur warmen Jahreszeit wohl sicherer in die Nordostflanke ausgewichen werden. Durch Schnee und Eis waren wir zu einem direkten Anstieg gezwungen. Vom aussichtsreichen Gipfel inspizierten wir beim Abstieg den "Westgrat", welcher sich zumindest bei unseren Verhältnissen als absolut unlohnend herausstellte. So ging es über den einfachen Normalanstieg hinab ins Großkar und von dort zurück nach Klimm.

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    Der Anstieg zur Klimmspitze verläuft zunächst von Klimm durch einen lichten Wald und über Latschengassen hinauf in Richtung Großkar. Hierbei halten wir uns auf dem stets gut markierten und sichtbaren Weg zunächst in östlicher Richtung, später macht dieser Weg kehrt und führt uns in westlicher Richtung hinauf ins Großkar. Hier der morgendliche Blick auf das Massiv von Rotwand und Pfeilspitze auf der anderen Seite des Lechtals.

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    Der Wanderweg hinauf ins Großkar wird von einem markanten kleinen Bergrutsch unterbrochen. Von hier aus folgen wir nicht mehr dem Wanderweg, sondern steigen in dem an den Erdrutsch nach oben hin anschließenden Bachbett weiter aufwärts.

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    Der einsame Aufstieg über das wilde Bachbett sollte nur bei trockenen Verhältnissen unternommen werden. Trittsicherheit auf teils rutschigen Felsplatten und Kletterfertigkeiten bis in den unteren III. Grat sind hierbei Grundvoraussetzung. Wir sparen uns dadurch zwar nur eine gute halbe Stunde im Gegensatz zum Anstieg ins Großkar, allerdings ist das wilde Gelände geradezu perfekt zum "Warmklettern"!

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    Ein erster Steilaufschwung muss überwunden werden (II-III). Mehrere Aufstiegsvarianten sind möglich - ganz nach dem Gusten und Können des einzelnen Bergsteigers.

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    Das Gelände ist abwechslungsreich und immer wieder anspruchsvoller - genial! Der 2. Steilaufschwung wird am besten links knapp der Mitte in einer seichten Rinne überwunden (II+).

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    Ein letzter Steilaufschwung könnte auch über steile Grasschrofen umgangen werden - aber wer möchte das schon? Sind doch die fast senkrecht aufgestellten, knallharten Kalkrippen (II+) ein echter Genuss. Hinten links sieht man unser kleines wildes Bachbett, welches sich durch den Latschenteppich schlängelt.

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    Ankunft im Kleinkar, zu welchem uns das Bachbett in direkter Linie geführt hat. Von hier aus lässt sich nun der weitere Tourenverlauf perfekt einsehen. Wir legen unsere Route nun links unterhalb der Latschen an, und ziehen dann nach rechts hinauf über die Graszungen in Richtung Grat. Der rechts hervorspringende Felskopf oberhalb der Latschen wird dabei rechts liegen gelassen. Knapp links daneben erkennt man gut die helle Platte, welche unseren Ausstieg zum Grat markiert. Auch kann man von hier aus schon den Ostgrat ein wenig inspizieren.

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    Anstieg über die Graszungen, welchen einen besseren Aufstieg vermitteln, als die weichen Geröllfelder. Man kann von ihnen unschwierig hinauf zu Punkt 2.173 ansteigen, oder wie in unserem Falle nach etwa zweidrittel des Weges nach links in eine schluchtartige Rinne wechseln. Diese wird allerdings von einem kleinen Querriegel unterbrochen, der nicht ganz einfach zu überwinden ist (II-III). Rechts oberhalb des Querriegels lässt sich ein Teil der riesigen, hellen Platte schon erkennen.

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    Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht, diese Platte muss nicht überschritten werden, man kann auch dran vorbei "wandern"! Allerdings lassen die feinen Risse im bombenfesten Fels einige Möglichkeiten zu, sich etwas auszutoben. Ein sehr feiner Riss leitet uns in weitem Bogen nach links oben bis kurz unter den Grat (III-IV).

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    Und da ist er, der Ostgrat der Klimmspitze. Sofort nach unserer Austrittsstelle am Grat geht es zur Sache. Bleibt man stets am Grat liegt hier eine ausgesetzte und kleingriffige III+ vor. Diese Stelle kann aber auch westseitig (etwas weniger anspruchsvoll) umgangen werden.

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    Wir entscheiden uns für die Umgehung. Diese ist teils brüchig und man muss sehr vorsichtig zunächst eine ganz markanten und steile Felsrinne nach links unten steigen (II).

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    Danach geht es unterhalb des Gratturmes über steile Platten ausgesetzt nach rechts oben (II+) ...

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    ... und letztendlich auf einem schmalen Band (I-II) wieder direkt hinauf zur Grathöhe.

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    Direkt nach der erneuten Austrittsstelle der Grat im Rückblick. Das Gelände bleibt stets ausgesetzt und klettertechnisch fordernd, nur selten gibt es kleine Verschnaufpausen.

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    Ein weiterer kleingriffiger und ausgesetzter Grataufschwung (II+) sowie Eis und Schnee verleihen dieser Unternehmung ein fast hochalpines Flair.

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    An der Plattentafel. Die Stelle (bis III) erfordert nicht nur wegen der Ausgesetztheit und ihrer Schwierigkeit etwas Mut. Die Platten liegen auf glattem, sehr abschüssig Felsuntergrund, weiter unten haben sich schon große Fragmente der Schwerkraft ergeben. Also Obacht! Im Sommer kann man vielleicht etwas rechts der Kante sicherer nach oben steigen.

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    Auch nach der Plattentafel bleibt es wild und anspruchsvoll. Über eine griffarme Platte und einen direkt darauf folgenden Steilaufschwung geht es weiter nach oben (II+/III-).

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    Luftige Gratkletterei (II+/III-), bevor wir auf ein kurzes Gehstück am Grat treffen, auf welchem wir uns eine ganz kurze Trinkpause gönnen werden.

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    Der Gipfelaufbau liegt nun fast schon direkt vor uns. Es geht nun etwas einfacher über zunehmend brüchigen Fels bis zu einem auffälligen Felsriegel am Grat.

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    Dieser kann wohl auch rechts über Bänder überwunden werden. Wir halten unsere Schuhe lieber so lange es geht trocken und durchklettern ihn direkt (III-).

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    Die Kletterei ist etwas abdrängend und senkrecht, Tritte und Griffe sollten sorgsam gewählt werden. Von oben war diese Stelle leider nur schwer mit dem Foto einzufangen, im Hintergrund sieht man einen kleinen Teil des Hornbachtals.

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    Fast geschafft: ein letzter dunkler Aufschwung bäumt sich vor uns auf. Zunächst müssen wir an seinen Fuß gelangen. Wir steigen hierzu über die Platten direkt zum Grat, um dann die drei kleinen Zacken direkt anzugehen. Aufgrund der enormen Brüchigkeit des Geländes raten wir aber davor ab! Besser ist es in weit ausholendem Bogen über die hier schneebedeckten Bänder direkt unter den dunklen Aufschwung zu ziehen.

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    Unterhalb des Aufschwunges angelangt, suchen wir uns nun den "sichersten" Anstieg hinauf zum Gipfelausstieg. Der letzte Aufschwung ist "nur" mit einer II+ zu bewerten, allerdings machen Eis und Schnee sowie die außergewöhnliche Brüchigkeit diese Passage sehr heikel und so zu einer Schlüsselstelle der gesamten Tour. Im Sommer lässt sich wohl eine Umgehung des Aufschwungs in der Nordostflanke finden.

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    Und dann ist es geschafft, der aussichtsreiche Gipfel der Klimmspitze ist erreicht.

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    Blick hinüber zum alles überragenden Hochvogel.

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    Die Lechtaler Kreuzspitzen mit Pfeilspitze und Elmer Rotwand.

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    Tiefblick nach Osten über das breite Lechtal bis hin zum Reuttener Becken.

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    Nachdem sich der "Westgrat" der Klimmspitze sich für uns als unlohnend entpuppt hat, steigen wir auf dem markierten Normalweg über den Südrücken hinab.

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    Ein letzter Rückblick zum Gipfel der Klimmspitze beim Abstieg über den Südrücken hinab ins Großkar.

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    Vom Großkar hat man stets einen wundervollen Blick hinauf zur mächtigen Wasserfallkarspitze und der rechts daneben emporstrebenden Schwellenspitze.

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    Und zum Schluss noch ein Traumfoto von Rotwand, Pfeilspitze, Mittlere Kreuzspitze und Elmer Kreuzspitze. Einen Tourenbericht hierzu finden Sie hier.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. März 2014
  2. Maheibu

    Maheibu Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    28. Dezember 2012
    Beiträge:
    3
    AW: Über den Ostgrat auf die Klimmspitze (2.465m)

    Gratulation zur Tour,

    sieht interessant und stellenweise abschreckend aus :eek:. Erst Recht die Plattenquerung und diese nebenbei
    auch noch frei zu klettern. Respekt, das kann nicht jeder!

    Grüße
    Maheibu
     
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