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Empfohlen Klettern Über die Alte Südwand (V) auf die Plattnitzer Jochspitze (2.318m)

Dieses Thema im Forum "Klettern & Bouldern" wurde erstellt von Thom, 11. Juni 2023.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Durch die neuen Ein- und Ausstiegvariante wirklich lohnende und gut abgesicherte Kletterfahrt und oftmals sehr gutem Fels mit herrlichen Ausblicken und einem anspruchsvoll alpinen Zustieg.

    [​IMG] Tourenzeit ca. 6,5 Std. / Kletterei ca. 2,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 950 Hm / ca. 350 Hm Kletterei / ca. 28 km (davon 21 km mit Bike)
    [​IMG] Schwierigkeit V
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (für kletternde Bergsteiger)

    [​IMG]Tourengänger: Franzi, Thom

    Die Plattnitzer Jochspitze ist sowohl für Wanderer als auch kletternde der Bergsteiger ein recht lohnendes Ausflugsziel mit wunderbaren Fernblicken hoch über dem Spullersee. Der sehr beliebte Ostgrat hat beim kletternden Publikum mit Abstand die meiste Anziehungskraft, die Kletterei ist nicht schwer, der Zustieg gut machbar, die Tiefblicke auf den blaugrünen Spullersee traumhaft. Die lohnendere Kletterei befindet sich aber in der plattigen Südwand diese kleinen, eigenständigen Bergmassives. Allerdings erfordert der Zustieg einen deutlich erfahreneren und mit perfekter Trittsicherheit ausgestatteten Alpinisten. Alternativ kann auch wie im aktuellen Kletterführer ersichtlich mit einem 60m Doppelseil zu den Einstiegen abgeseilt werden. Von Lech Zug geht die ersten 450hm mit dem Bike hinauf zum Spullersee. Von dort ein kleines Stückchen am Stausee rechter Hand entlang und über den zunächst milden Ostkamm auf Steigspuren in Richtung in Richtung 5-köpfigem Ostgrat der Plattnitzer Jochspitze. Nun entweder etwas unterhalb der Felsen nach links oben zur einer Geländekuppe und Abseilmöglichkeit oder wie in unserem Falle direkt links haltend auf Wildwechsel zur grünen Geländerippe. Nach dieser folgt eine heikle, humorfreie Runse, welchen nur sehr trittsicheren Gehern anzuraten ist. Nach etwa zweihundert Metern durch üblen Schutt und verbackenen Dreck erreichen wir ein kleines rotes Markierungspfeilchen, welches uns nun gut 60 Höhenmeter über schrofiges, teils grasdurchsetztes Gelände hinauf zum sehr lohnenden Alternativeinstieg leitet. Diesem folgend wir in drei wunderschönen Seillängen (IV, V, IV) durch fast immer besten Fels hinauf zum 2. Stand des Originalweges. Anschließend müssen wir über ein leichtes Schotterband (I-II) zum 3. Stand der Originalführe Kraxeln. Danach folgen mehrere herrliche Seillängen im IV. und V. Grad. Einzig und allein die vorletzte Seillänge ist hierbei wieder schrofiger und leichter (II-III). Der Beginn der letzten Seillänge ist recht stotzig und für mein Dafürhalten mit V- unterbewertet, mit viel Wohlwollen noch im 5. Grad anzusiedeln, evtl. habe ich diesen aber auch nicht ganz perfekt getroffen. Weiter oben in der Seillänge gabelt sich dann die Route zwischen dem leichten Originalausstieg und der deutlich würzigeren Variante des Alternativausstieges. Dieser wartet mit ungewöhnlicher, nicht immer ganz fester aber sehr spaßiger Kaminkletterei auf. Der letzte Stand erfolgt am Gipfelkreuz, wodurch sich die Seilpartner akustisch kaum noch wahrnehmen können. Der Abstieg erfolgt über den Normalweg hinab zum Spullersee, in der frühen Jahreszeit ist hier nochmal etwas Trittsicherheit von Vorteil auf den teils recht steilen Altschneefeldern.

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    Mit den Bikes geht es von Lech Zug in gemütlichem Tempo hinauf zum Spullersee. Im Hintergrund thronen Pfaffeneck und Pöngertlekopf, die Überschreitung fordert einen komplett versierten Bergsteiger.

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    Ankunft am Spullersee, dahinter erhebt sich steil der fünfköpfige Ostgrat der Plattnitzer Jochspitze.

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    Blick vom Fahrraddepot über den Spullersee hinweg auf den Spuller Schafberg, dem Hausberg der Ravensburger Hütte. Auch er hätte wohl noch ein paar würzige Kletterrouten zu bieten.

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    Aufstieg über den milden Ostkamm der Plattnitzer Jochspitze.

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    Wir beginnen unsere waagerechte Querung etwa 60 Höhenmeter unter dem Einstieg zum Ostgrat.

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    Das Gelände wird nach der Geländerippe schnell ernst (bis T6), daher hab ich aus der Bruchrunse keine Fotos.

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    Nach erfolgreicher Querung der anspruchsvollen Runse wird das Wetter schlechter, das Gelände aber wieder deutlich besser zu begehen. Unser Alternativeinstieg befindet sich direkt über dem unteren Schneefeld halb links im Bild. Bohrhaken und Markierung ist gut sichtbar.

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    Plattiger Start in der ersten Seillänge des Alternativeinstieges (IV).

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    Die Absicherung ist gut, aber nirgends übertrieben. Hier Ausstieg 1. Seillänge.

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    Die 2. Seillänge beginnt mit einem herrlichen Quergang (IV+), an guten Griffen muss gequert, später sogar etwas abgeklettert werden. Ums Eck folgt dann eine kurze, kleingriffige Wasserrillenplatte (V). Anschließend nochmal ca. 25 Meter in der 3. Seillänge über hübsch geneigte Platten (IV) hinauf zum 2. Stand der Originalführe.

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    2. Seillänge der Originalführe (I-II)

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    Schöne, feste Kletterei in der 3. Seillänge der Originalführe (IV+). Immer wieder einsetzendes Getröpfel und Donner in der Nähe machen die Unternehmung kurzzeitig alpiner wie gewünscht.

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    Einstieg zur herrlichen Schlüsselseillänge (laut Führer) der Tour. Über zwei balkonartige Aufschwünge (V-) geht es hinauf auf die große Wasserrillenplatte, die schwierigste Stelle befindet sich hier im Bereich des letzten Hakens an einer etwa 5-6 Meter hohen, grifflosen Platte. Hier muss gut angestanden werden.

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    Wasserrillenplatte von oben: für die Hände gibt es nichts, man kann Sie aber gut zum Anlehen verwenden.

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    Anschließend geht es nochmal in anregender Kletterei hinauf zu einem kurzen, luftigen Quergang (IV+) mit einem Ausstieg über eine seichte Verschneidung zu Stand.

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    Stand unterhalb der letzten Seillänge. Hierher gelangt man in leichterer Kletterei (II-III), in der allerdings auf Steinschlag geachtet werden sollte, damit der Nachsteiger nicht unnötig gefährdet wird.

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    Die ersten drei Bohrhaken der letzten Seillänge waren für mich persönlich die Schlüsselstelle der Tour, evtl. habe ich hier die benötigen Klettergriffe aber auch nicht gefunden (V+ mit Tendenz zum 6. Schwierigkeitsgrad). Danach merklich leichter, bis sich Originalausstieg und Alternativausstieg trennen. Nun über die beeindruckende, fast kaminartige Verschneidung des Alternativausstieges in nicht immer bestem Fels sehr steil nach oben zum Kreuz. Tolles Finale.

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    Am Gipfelkreuz der Plattnitzer Jochspitze. Rechts unten der Spullersee. Für eine Pause bleibt aufgrund der widrigen Wetterbedingungen leider keine Zeit. Rasch steigen wir auf etwa der Route des Normalweges zurück zu unseren Fahrrädern.

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    Küchenschelle in Miniaturausgabe am Wegesrand.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Oktober 2023
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