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Schwere Bergtour Über die Süd-Westroute auf die Noppenspitze (2.594m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 8. August 2012.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Mächtige Felstour auf einen abgelegenen und wenig besuchten Traumgipfel in der Hornbachkette.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 7,5 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.735 Hm / 14,5 km
    [​IMG] Schwierigkeit II (II+/III-) / T5
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (nur für Erfahrene!)

    [​IMG]Tourengänger: Surg, Thom

    Schon ein Jahr zuvor wollten wir diesem wuchtigen Felsgipfel in der Hornbachkette einen Besuch abstatten. Allerdings damals nicht über die Südwest-Route (Normalanstieg), sondern über dessen schwierigeren Nordost-Grat. Leider blieb der Gipfelerfolg damals - nach einem schönen Biwak im Luxnacher Sattel - aufgrund von Schnee und Eis in den Nordflanken des NO-Grates aus. Dieses mal wollte ich mir die Südwest-Route auf die Noppenspitze ansehen. Diese Route erfordert Erfahrung und Orientierungssinn in teils ausgesetzten Felspassagen. Der Aufstieg vollzieht sich zunächst durch das schöne Haglertal hinauf zum Luxnacher Sattel. Von dort folgen wir dem Enzensperger Höhenweg in westlicher Richtung unter den Ausläufern des mächtigen Noppenspitz-Südgrates hindurch auf die Südwest-Seite der Noppenspitze. Hier vom Weg ab, direkt auf das Hauptmassiv der Noppenspitze zu, ein markantes helles Felsband an der Noppenspitze hilft hier bei der Orientierung. Danach gilt es eine kleine Grasterrasse direkt unterhalb des hellen Felsbandes zu erreichen. Von dieser Grasterrasse queren wir die sehr steile SW-Flanke der Noppenspitze hinüber zur großen Südwest-Schlucht. Sollte man sich einmal ausnahmsweise nicht alleine am Berg befinden, so herrscht in dieser Schlucht akute Steinschlaggefahr! Nach dem Durchstieg der SW-Schlucht, welche unterhalb von überhängenden, dunklen Felsen endet, steigen wir etwas rechts des Normalanstieges sehr steil durch eine kleine kaminartige Rinne zum Südgrat aus. Ein mächtiger Gratturm direkt rechts von uns ist ein guter Orientierungspunkt, um im Abstieg wieder sauber in die SW-Schlucht zu finden. Nach erreichen des Südgrates, kann der Aufstieg zum Gipfel im Prinzip frei über verschiedene Felsrippen oder Geröllrinnen gewählt werden. Das Gipfelbuch zählt mittlerweile 8-10 Einträge pro Jahr - Tendenz steigend. Der Abstieg erfolgt über die Aufstiegsroute.

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    Ausgangspunkt für die Tour ist der Parkplatz am Ortseingang von Häselgehr, von wo aus wir den Anstieg ins Haglertal beginnen. Nach einer dreiviertel Stunden haben wir bereits die Haglertalhütte erreicht.

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    Der Anstieg durchs Haglertal ist eigentlich recht schön und abgelegen, allerdings zieht sich das ganze bis zum Luxnacher Sattel immer etwas hin. So langsam verziehen sich auch die Wolkenreste der nächtlichen Niederschläge und es wir langsam wärmer.

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    Kurz unterhalb des Luxnacher Sattel treffen wir auf den Enzensperger Höhenweg, welchem wir nun in westlicher Richtung folgen. Nach gut 2 Stunden ist der Luxnacher Sattel dann schließlich erreicht.

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    Nach einer kurzen Vesperpause am Sattel geht es weiter auf dem Enzensperger Höhenweg in Richtung Noppenkar. Vor uns baut sich schon die mächtige Kreuzkarspitze auf. Ein Teilstück des Höhenwegen ist mittlerweile abgerutscht und muss auf neuer Spur einige Meter tiefer umgangen werden.

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    Rückblick auf die Ausläufer des Noppenspitze-Südgrates und den Enzensperger Höhenweg. Wir verlassen hier den Höhenweg, der uns sonst weiter in etwas südlicher Richtung hin zur Rotwand führen würden und steigen weglos (Trittspuren bilden sich erst später aus) hinauf ins Noppenkar.

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    Anstieg hinauf ins Noppenkar. Wir ziehen von hier aus etwas weiter nach rechts, wo wir auf seichte Pfadspuren und zwei Steinmänner treffen. Rechts die mächtige Noppenspitze, an deren Gipfelaufbau man schon bei genauerem hinsehen das markante helle Felsband erkennen kann.

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    Diese Aufnahme zeigt den weiteren Verlauf unseres Anstieges. Ganz links unten ist die Pfadspur zu erkennen. Diese führt uns hinter die vor dem eigentlichen Gipfelaufbau gelegene Rippe, der Normalanstieg verläuft über steilen Schutt hinter dieser Rippe. Wir entscheiden uns für eine spannendere Variante und steigen direkt auf der Rippe an (bis II+). Danach geht's über Grasschrofen hinüber auf die kleine Terrasse unterhalb des markanten hellen Felsbandes. Von dort setzt der anspruchsvolle Quergang hinüber zur SW-Schlucht, welche man ganz am rechten Rand erkennen kann, an.

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    Blick vom Einstieg an der Geländerippe hinüber zur formschönen Kreuzkarspitze.

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    Blick vom unteren Teil der Geländerippe hinab ins Noppenkar. Man kann von hier oben die Pfadspur im Schotter erkennen, welche sich weiter unten im grasigeren Kar verlieren. Die zunächst noch grasige und gut gangbare Rippe wird bald schroffer und felsiger!

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    Steil geht es in den Felsen nach oben (bis II+), Griffe und Tritte sind sorgfältig zu prüfen.

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    Ausstieg von der im oberen Bereich sehr steilen Geländerippe auf ein erstes grasiges Plateau. Im Hintergrund thront die Kreuzkarspitze, die anderen Erhebungen im Grat sind erstaunlicherweise allesamt ohne Namen.

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    Querung hinüber zur kleinen Grasterasse unterhalb des vorhin erwähnten hellen Felsbandes. Wir steigen stets in Felsnähe, dadurch wird das Klettern etwas schwieriger (bis II statt I), allerdings ist das Gestein am Felsrand deutlich zuverlässiger als weiter unten in der Flanke.

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    Auf der kleinen Grasterasse unterhalb des hellen Felsbandes angekommen. Es müssen nun einige Meter auf brösligem Untergrund abgestiegen werden, um so das quer verlaufenden Band hinüber zur Südwest-Schlucht erreichen zu können. Das ansteigende Band verläuft etwa halb rechts im Foto.

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    Kletterei in der ausgesetzten Querung hin zur SW-Schlucht. Aufgrund der zahlreichen Griffmöglichkeiten im relativ festem Fels lassen sich die Gehpassagen klettertechnisch etwas entschärfen (bis II).

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    Rückblick vom Ende der Querung hin zur kleinen Grasabdachung unterhalb des hellen Felsbandes.

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    Nach absolviertem Quergang steigen wir nun auf der linken Begrenzungsrippe der SW-Schlucht in schöner Kletterei (I-II) rasch höher, und halten dabei stets Ausschau...

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    ... nach diesem markanten Durchlass (I+), welcher uns den Einstieg in die SW-Schlucht weist.

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    Nach Überwindung des Durchlassen queren wir nun direkt in die SW-Schlucht hinein, um dann in ihr weiter aufwärts zu steigen. Hier macht sich grad Simon am Einstieg in die Rinne zu schaffen - die Stelle wirkt recht spektakulär, befindet sich aber kaum über dem I. Schwierigkeitsgrad.

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    Danach geht es im Mix aus Gehgelände und leichten Kraxeleinlagen in der Schlucht hinauf bis direkt unter eine dunkle Felswand.

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    Im obersten Bereich der Schlucht angekommen. Normalerweise verläuft der weitere Anstieg über ein Rinnensystem (I) von Simons Position aus nach halb rechts oben. Dies ist aber für unser dafür halten nur wenig lohnend. Wir entscheiden uns deshalb direkt zum Südgrat aufzusteigen. Dazu klettern wir hier am rechten Rand direkt unter den Felsen empor (II+)...

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    ... wer es möchte, kann sich dabei auch durch das kleinen Felsenfenster quetschen oder aber links davon auf einer kleingriffigen aber festen Felskante ansteigen. Danach geht es kurz rechts ums Eck...

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    ... und über eine knapp 20 Meter hohe, sehr steile und teils kleingriffige Rinne hinauf zum Südgrat der Noppenspitze. Wem solche Kletterpassagen weniger liegen, sollte sich an die Steinmannl und den "Normalweg" halten.

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    Nach dem Ausstieg auf den Südgrat hat man nun im Prinzip freie Wahl für den weiteren Anstieg hinauf zum Gipfel. Zahlreiche Rippen und Furchen können hierbei gewählt werden. Wir halten uns bei unserem Aufstieg immer möglichst weit rechts. Hier ist es zwar ausgesetzter, aber die meisten Rippen sind von festem Charakter.

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    Rückblick zur Einschartung, über welche wir nach unserer Rinnenkletterei ausgestiegen sind. Dahinter ragt der mächtige und bizarr wirkende Gratturm auf, welcher einem beim Abstieg als Orientierungspunkt dient.

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    Unser Gipfelanstieg vollzieht sich überwiegend direkt auf den kleinen Rippen, was uns noch so einiges an Klettereien (I-II) beschert. Aufgrund der Steilheit und dem nicht immer zuverlässigen Fels sollten auch diese Passagen nicht unterschätzt werden.

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    Blick auf den NO-Grat der Noppenspitze und die anschließende plattige Sattelkarspitze. Etwas links dahinter die hell erleuchtete Wolekleskarspitze und hinter ihr die Gliegerkarspitze.

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    Noch ein kleiner Steilaufschwung (I+) und dann ist es geschafft. Bei unseren letzten Metern hinauf zum Gipfel treffen wir wieder auf die Steinmannl der Normalroute.

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    Am herrlichen Gipfel der Noppenspitze. Der mächtige Steinhaufen beherbergt ein Gipfelbuch, das von Max Schuler von www.alpic.net gesponsert wurde - herzlichen Dank hierfür. Leider hatten wir keinen neue Plastiktüte mit an Bord, um die alten schon recht in Mitleidenschaft gezogenen Exemplare zur ersetzen.

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    Traumhafter Blick vom Gipfel der Noppenspitze hinüber zum mächtigen Hochvogel.

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    Im Abstieg halten wir uns im oberen Bereich an die Steinmannl, weichen nur ab und zu den zahlreichen Geröllrinnen aus und klettern wie hier zu sehen über kompakte Felspassagen ab (I-II).

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    Blick beim Abstieg auf die mächtigen Türme des Noppenspitz-Südgrates und den links dahinter liegenden Häselgehrberg.

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    Viel gleitender Schutt im Abstieg hinab zur SW-Schlucht verlangt einen sensiblen Fuß. Hier los getretene Steine laden fast unweigerlich in der großen Schlucht und können für weitere Bergsteiger hochgradig gefährlich werden - also Obacht!

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    Fast wieder an der Scharte unter dem skurrilen Gratturm angekommen. Wir steigen diesmal jedoch nicht über unsere Steilrinne ab, sondern biegen ein paar Meter zuvor nach rechts unten ab.

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    Dort erwartetet uns eine helle, feste und mit ausreichend Tritten und Griffen ausgestattete Felspassage, die nochmals richtig Laune macht (II). Danach über eine letzte Felsrinne (I+) hinab in die Südwest-Schlucht.

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    Ausstieg aus der Südwest-Schlucht. Auch hierbei dient der beim Aufstieg erwähnte Durchlass als guter Orientierungspunkt.

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    Abklettern über die in Abstiegsrichtung rechts der Schlucht gelegene, herrliche Felsrippe. Das Foto lässt die Ausgesetztheit in diesem Gelände etwas erahnen.

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    Auch auf dem Rückweg fordert der Quergang hinüber zur Grasabdachung unterhalb des helle Felsbandes nochmals volle Konzentration. Ein prüfender Blick kann vor dem Einstieg also nie schaden.

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    Blick zur Rotwand und die dahinter gelegenen Lechtaler Alpen.

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    Dann machen wir uns an die Querung hinüber zur Grasabdachung.

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    Der Übergang zwischen den beiden Grasterrassen ist die letzte etwas anspruchsvoller Passage beim Abstieg. Gut ist hier auch das schon so oft angesprochene helle Felsband zu erkennen. Danach steigen wir über Geröll und ein paar Felsschrofen (I) hinab ins hintere Noppenkar. Wir umgehen so die beim Aufstieg überkletterte Geländerippe.

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    Nachdem wir alle Schwierigkeiten hinter uns gelassen haben, machen wir es uns auf einem kleinen Blumenfleck in mitten der große Geröllwüste des oberen Noppenkars gemütlich und genießen die Ruhe und Aussicht. Hinten die Kreuzkarspitze.

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    Blick vom Enzensperger Höhenweg auf den Luxnacher Sattel und den ebenfalls nur selten besuchten Häselgehrberg.

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    Blick vom Luxnacher Sattel hinauf zur Noppenspitze und der ebenso gewaltigen Sattelkarspitze.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Februar 2014
  2. Alpenindianer

    Alpenindianer Registrierter Benutzer

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    Sonthofen
    Habe die Tour heute von Griesau aus gemacht. Aufstieg teils weglos durch das Schneidbachtal. Rechts und links des Schneidbaches sind Teilstücke eines Weges. Jedoch ist auch der Aufstieg entlang des Bachverlaufs möglich. Ca. 1100 hm
    steiler Aufstieg bis ins Noppenkar. Dann über ein steiles Geröllfeld den Steinmännchen folgend in die Rinne und immer weiter
    bis zum Gipfel. Steinschlaggefahr und Orientierungsinn sowie Erfahrung im Schrofengelände sind unabdingbar.
    Beste Fernsicht zum Ortler und auf der anderen Seite bis zum Bodensee. Sehr warme Temperaturen für November.
    Gehzeit mit Pausen 7 h.
     
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