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Schwere Bergtour Über die Sonnenkögel (2.204m & 2.324m) auf die Tajaspitze (2.538m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 11. Juli 2010.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Konditionell sehr fordernde Tour auf einen der unzugänglichsten Gipfel der Lechtaler Alpen. Wer Einsamkeit und Steilgras sucht, ist hier mit Sicherheit richtig.

    Tour-Bewertung:

    [​IMG] ca. 7,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Strecke: 11,5 km / ca. 1.750 Hm
    [​IMG] Schwierigkeit T5/II- (im Gras)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG] Tourengänger: Thom, Johannes

    Die Tajaspitze (2.538m) im Lechtal wird oft im selben Atemzug mit den bekannteren und berühmteren Steilgrasbergen wie Höfats, Pfeilspitze oder Feuerstein genannt. Sie steht diesen auch in nichts nach, jedoch hat auch sie wiederum einen ganz eigenen Charakter. Die Neigung der Nordflanke entspricht mit 45-55° in etwa der Südflanke des Häselgehrberges, das Gras ist aber keineswegs so luxuriös gestuft wie dort. Vergleicht man sie aber mit z.B. dem Torkopf, so ist sie von der Steigung her deutlich milder und deutlich angenehmer zu gehen. Steilgras ist eben nicht immer Steilgras.
    Unsere Tour startet in dem kleinen Örtchen Bach an dem kleinen Parkplatz am Alperschonbach, direkt unter der Nordostflanke des Vorderen Sonnenkogels. Von hier geht es konstant steil und kräftezehrend hinauf auf selbigen, den wir nach 2,5 schweißtreibenden Stunden erreichen. Von hier geht es weglos weiter auf den Hinteren Sonnenkogel, der trittsicheres Gehen in steilem Grashang verlangt (deutlich anspruchsvoller als der Vordere Sonnenkogel). Vom Gipfel des Hinteren Sonnenkogels steigen wir über dessen Südgrat zum 2 Kilometer langen Verbindungsgrat zur Tajaspitze hinab und auf diesem direkt an die Tajaspitze heran. Nun in der steilen, vom Verbidungsgrat noch undurchsteigbar wirkenden Flanke hinauf zum kurzen und anfangs waagerechten Westgrat. Hierbei kann ein Pickel hilfreich sein, ist allerdings kein Muss. Dann über den Westgrat unschwierig auf den bekreuzten Gipfel. Man kann nun noch zum wenig höher gelegenen Hauptgipfel in etwas brüchiger Kletterei (II-) hinüberkraxeln. Der Abstieg entspricht exakt der Aufstiegsroute, allerdings ist dieser etwas anspruchsvoller, ein typisches Merkmal für wegloses Steilgrasgelände.

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    Blick vom Parkplatz in Bach auf die zu durchsteigende Nordostflanke des Vorderen Sonnenkogels. Der Pfad dort hinauf ist ein ausgebauter ehemaliger Heuersteig, der sich zuerst durch Wald, dann durch Latschen und zum Schluss durch saftigste Bergwiesen schlängelt. Die anhaltende Steilheit sorgt für ordentlichen Flüssigkeitsverlust sowie Wadenverschleiß.

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    Vom anfänglichen Fahrweg leitet uns dieser hölzerne Wegweiser steil den Wald hinauf. Nach wenigen Metern teilt sich dieser Pfad. Beide Wegäste sind anfangs markiert, wir entscheiden uns für den linken, was sich später als weniger günstig herausstellte.

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    Unser Aufstiegsweg ist heftig verwachsen, die Orientierung ist nicht ganz leicht. Geht man weiter unten an der Weggabelung nach rechts, kann man sich das "Gewühle" durchs Unterholz ersparen.

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    Nach etwa 15 Minuten treffen wir wieder auf den anderen Wanderweg, auf dem wir nun deutlich einfacher schnell an Höhe gewinnen. Schon nach ein paar hundert Höhenmetern genießt man beeindruckende Fernblicke, hier aufs Allgäuer Dreigestirn.

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    Nach den ersten 500Hm haben wir die Waldgrenze erreicht und setzen unseren Weg durch einen dämpfigen Latschenkieferhang fort. Die schon vom Parkplatz sichtbaren Felsabbrüche lassen wir linkerhand zurück, schließlich erreichen wir die herrlichen Almwiesen unterhalb des Gipfelaufbaus.

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    Nach dem direkten Grasaufstieg folgt nun das einizig flachere Stück - die Querung hinüber zu den Lawinenverbauungen. Das Weglein ist hier recht schmal, Trittsicherheit ist wichtig. Bei Nässe wohl recht unangenehm und nicht ratsam.

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    Prächtiger Ausblick auf das gewaltige Massiv der Freispitze. Der weitere Weg führt auf gut sichtbarem Pfad zuerst rechts der Lawinenverbauungen, später mitten durch diese hindurch. Hier ist die Steigung wieder knackiger.

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    Kurz unterhalb des Gipfels hat man einen beeindruckend Tiefblick hinab ins Lechtal, da die 1200 Meter hohe NO-Flanke teilweise senkrecht abbricht.

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    Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir schließlich den Gipfel des Vorderen Sonnenkogels (2.204m), auf dem wir erst einmal eine ausgiebige Brotzeit zu uns nehmen und die Ruhe sowie die faszinierende Aussicht hier oben tief in uns aufsaugen. Links vom Gipfelkreuz sind der Große und etwas rechts davor gelegen, der Kleine Krottenkopf zu sehen. Knapp rechts des Gipfelkreuzes befindet sich die mächtige Marchspitze.

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    Nach der Pause machen wir uns auf den Weg in Richtung Hinterer Sonnenkogel. Der Übergang ist überwiegend weglos und erfordert am Gipfelaufbau des Hinteren Sonnenkogels Trittsicherheit und etwas Erfahrung im Steilgrasgelände.

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    Die zu durchsteigende Ostflanke des Hinteren Sonnenkogels. Das Gras ist hier recht kurz und nicht gestuft, dadurch erfordert der Anstieg etwas mehr Geschick und Muskelkraft, als wir zuerst erwartet haben.

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    Da wir noch einen weiten Weg vor uns haben, verzichten wir auf einen erneute Rast am Hinteren Sonnenkogel und steigen gleich hinuter zum Verbindungsgrat in Richtung Tajaspitze. Von hier aus gesehen scheint die Tajaspitze kaum gangbar zu sein.

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    Der zwei Kilometer lange Verbindungsgrat ist überall gut gangbar, nur wenige Stellen kurz vor Erreichen der Tajaspitz-Nordflanke sind etwas ausgesetzt. Am Fuß der Nordflanke angekommen, wirkt diese nicht mehr ganz so steil und unüberwindbar. Der Aufstiegsweg ist durch die Hanggegebenheiten klar definiert. Wir steigen stets im saftigen Grün - Ziel ist der Westgrat.

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    Die ersten paar Meter der Grasflanke sind etwas steiler als der Rest, jedoch findet man mit Hilfe des Pickels und der wenigen vorhandenen Felsen genügend Halt für einen absolut sicheren Aufstieg.

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    Im Mittelteil der Flanke traversieren wir von unseren Grasband etwas nach links, um so nicht auf dem brüchigen Grat weiter aufsteigen zu müssen. Auch aus der Flanke genießt man stets einen majestätischen Ausblick auf das Umland.

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    Kurz vor Erreichen des Westgrates wird die Grasflanke noch einmal zapfig steil. Hier braucht es volle Konzentration, viele Steine sind lose und können den nachsteigenden Bergkameraden gefährden.

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    Nach dem Ausstieg aus der Nordflanke ist der Weg hinauf zum Gipfelkreuz einfach und beherbergt keinerlei Schwierigkeiten.

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    Blick vom bekreuzten Gipfel hinüber zum eigentlichen Hauptgipfel der Tajaspitze. Wer möchte, kann diesen in wenigen Minuten in leichter Kletterei erreichen (II-).

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    Am Gipfel der Tajaspitze. Von hier ist die Aussicht so traumhaft, dass man erst gar nicht wieder absteigen möchte. Wir lassen uns die Brotzeit nochmal richtig schmecken, machen Panorama-Aufnahmen en masse und philosophieren ein wenig. Nach ca. 30 Minuten Gipfelaufenthalt brechen wir wieder auf und machen uns an den weiten und kraftraubenden Heimweg.

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    Die Abstiegsroute entspricht exakt der Aufstiegsroute. Beim Abstieg ermöglicht der Pickel ein schnelleres und sichereres Gehen, ist aber für den geübten Steilgraspiloten keineswegs Pflicht.

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    Der Anstieg zum Hinteren Sonnenkogel steht an. Die 150 HM tun gerade bei dieser Affenhitze nochmal richtig weh, mit etwas Teamgeist und ein paar dummen Sprüchen ist aber auch dieser bald "besiegt".

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    Und auch hinauf zum Vorderen Sonnenkogel müssen nochmals einige Höhenmeter zurückgelegt werden. Im Tal herrschen zu diesem Zeitpunkt gut 35 Grad. Hier oben sind es natürlichen einige weniger, dennoch benötigen wir fast 6,5 Liter Getränke über die ganze Tour verteilt.

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    Im Osten der Lawinenverbauungen befindet sich eine kleine Hütte, die wohl den Arbeitern als Unterschlupf und Lagerraum dient.

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    Der Weg vom Vorderen Sonnenkogel erfordert nochmal "Knieschmalz". Durch die konstant steile Hangneigung gelangen wir aber schneller als erwartet hinab ins brütend heiße Lechtal. Der Alperschonbach am Auto bietet eine erfrischende Waschmöglichkeit und macht einen wieder fit für die Heimfahrt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. April 2014
  2. Alex75

    Alex75 Registrierter Benutzer

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    Frage zur Tour auf die Sonnenkögel

    Hallo, ich bin über Google auf eure tolle Seite gekommen als ich nach einer Tour auf die Sonnenkögel im Lechtal gesucht habe. Ich habe dann eure Tourenbeschreibung gefunden und gelesen. Tolle Bilder habt ihr gemacht :smile: Ich habe eine Frage zu der Route: Könnte man auf eurer Route aufsteigen aber dann nach Besteigung der beiden Sonnenkögel einen Alternativabstieg wählen um aus der Tour eine "Rundtour" zu machen?
    Vielen Dank für eure Hilfe,
    Grüße Alex
     
  3. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Hallo Alex,

    Ja, das geht. Orientier dich einfach an einer kleinen Hütte rechts der Lawinenverbauungen (Abstiegssinn Vorderer Sonnenkogel). Oberhalb dieses Hüttchens beginnt der deutlich angenehmerer Pfad - nur in wenigen Karten eingezeichnet - hinab ins Grießlbachtal (durch dieses Tal sind wir zur Holzgauer Wetterspitze aufgestiegen) auf einen breiten Forstweg, der dann zum Ausgangspunkt Bach zurückführt. Es ist wohl auch ein wegloser und deutlich anspruchsvollerer Abstieg im Steilgras vom Verbindungsgrat Hinterer Sonnenkogel - Tajaspitze ins Sulzbachtal möglich, den sind wir allerdings nicht selbst gegangen. Unten müsste außerdem der Sulzbach überquert werden, was vermutlich nicht immer problemlos möglich ist. Und der Heimweg wird somit auch länger. Die ideale Kombi ist folglich der direkte Aufstieg über den "Wadenbeißer" und der chillige Abstieg ein Stück über dem Hüttchen. Übrigens: Die Sonnenkögel sind trotz ihrer vergleichsweise moderaten Anforderungen (nur bei trockenen Bedingungen begehen!) ein selten besuchtes Ziel, hättest also nicht nur einen großartigen Ausblick, sonder auch was Besonderes! Sicher auch im Herbst schön.

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    Zuletzt bearbeitet: 10. Oktober 2010
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