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Schwere Bergtour Überschreitung Sevisschrofen (1.659m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 24. Mai 2010.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Grandios einsame und schwere Steilgrastour in unmittelbarer Nähe des Hohen Ifens. Die Tour ist ausschließlich erfahrenen Steilgraspiloten vorbehalten, für das restliche Bergpublikum absolut ungeeignet!

    Tour-Bewertung:


    [​IMG] Gehzeit: ca. 4,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 750 Hm
    [​IMG] Schwierigkeit T6/II im Gras-Schrofengelände
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung nur für Individualisten !!!

    [​IMG] Tourengänger: Thom, Tobi

    Nachdem wir uns im letzten Jahr (2009) schon einmal mit der Besteigung des wirklich schweren Mohrenkopfes eine Traum erfüllt hatten, wollten wir dieses Jahr unbedingt wieder nach Schönenbach-Vorsäß zurückkehren, um die zwei anderen schwerst unzugänglichen Gipfel in diesem Gebiet zu besteigen: den Sevisschrofen und den Südgipfel der Grünen Köpfe. Problem hierbei ist allerdings, dass die Grünen Köpfe in einem Jagdschutzgebiet liegen, das vom 01.05.-31.12 absolut nicht betreten werden darf, um so die Wildbestände in diesem Raum nicht zu stören oder gar Abstürze vom Rotwild zu provozieren. Eine Mißachtung dieses Verbotes wird mit drakonischen Geldstrafen geahndet. Wir haben uns hierzu sicherheitshalber nochmal bei einem Forstwirt vor Ort erkundigt. Da wir diese Grenzen natürlich anerkennen und respektieren, sind die Grünen Köpfe für dieses Jahr Tabu, und es muss uns irgendwann gelingen, diesen äußerst steilen und schweren Gipfel gegen Ende April zu bezwingen. Hierfür bräuchten wir allerdings ein Traumfrühjahr. Nun aber genug von den "Grünen", kommen wir zu einem nicht weniger spannendem Berg, der allerdings über die hier beschriebene Route wirklich nur Steilgrasspezialisten empfohlen sei, dem Sevisschrofen. Aufstieg über die NO-Flanke, die einige II-er Stellen im Gras und unzuverlässigen Felsen beinhaltet, Abstieg über die etwas weniger steile, jedoch immer noch anspruchsvolle SW-Flanke hinab zur Iferholzalpe.

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    Wie schon vorher erwähnt, startet unsere Tour im Sommerdörfchen Schönenbach-Vorsäß, dass man von Bizau über eine kleine Mautstraße (3€/PKW) erreicht. Vom Wanderparkplatz vor Schönenbach machen wir uns zuerst auf einer Teerstraße in nördlicher Richtung auf.
    Man sollte bei dieser Tour allerdings zwei Dinge bedenken. Auch der Sevisschrofen ist nicht das ganze Jahr zu besteigen - er ist vom 01.06.-31.12. für Bergsteiger gesperrt. Dies sollte auch, wie vorher angesprochen, unbedingt respektiert werden. Zum Zweiten ist zu sagen, dass der Anstieg über die NO-Flanke ohne Pickel schlichtweg sehr heikel ist. Auf Steigeisen haben wir verzichtet, sie können in diesem Gelände aber natürlich durchaus angenehm sein.
    Nach Verlassen der kleine Ortschaft Schönenbach halten wir uns immer an die Wegweißer zur Schneckenlochhöhle, die in diesem Gebiet wohl das beliebteste Zeil darstellt.

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    Nach wenigen Minuten erhält man einen ersten Eindruck vom heutigen Tagesziel. Über die rechte Grasflanke würde der Normalanstieg verlaufen. Unsere Spezialroute verläuft genau auf der anderen Seite des Berges.

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    Auf dem Weg ins Tal der Subersach. Wir folgen hier dem Feldweg nach links. Im Hintergrund sind die spektakulären Westabbrüche der sonst so zahmen Fellefluh zu sehen. Das Wetter lässt keine Bergsteigerwünsche offen.

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    Nachdem wir die Subersach auf einer Brücke überquert haben erreichen wir kurz darauf die Iferwies-Alpe (1.041m), an der wir direkt vorbei wandern und auf wenigen Trittspuren weiter nach NO folgen. Man kann natürlich auch den breiten Feldweg Richtung Schneckenlochhöhle folgen. Unser Weglein trifft wenig später genau wieder auf diesen.

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    Nach ein paar weiteren Minuten auf dem komfortablen Feldweg verlassen wir nun diesen und folgen dem etwas holperiger werdenden Weg hinauf Richtung Schneckenlochhöhle und Hohen Ifen.

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    Dieser Weg verläuft nun durch deutlich steileres Gelände, stellt allerdings immer noch keine wirklichen Ansprüche an Kondition oder Trittsicherheit. Kurz vor der Schneckenlochhöhle teilt sich dieser Weg noch einmal, wir halten uns auch hier wieder rechts und folgen in der Nähe eines Wasserfalles dem Steig in einigen Kurven hinauf in Richtung Boden, der im Osten des Sevisschrofen liegt.

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    Im Boden östlich des Sevissschrofen angekommen. Von hieraus beginnt unser wegloser und schwieriger Anstieg hinauf zum SO-Grat. Ganz links ist gerade noch so die überhängende Felswand des Wasenkopfes (1.719m) zu sehen. Über dem Talschluss erhebt sich der Hohe Ifen, der später noch imposanter zu sehen sein wird.

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    Und hier nun die Steilgrasflanke, die es zu überwinden gilt. Nach eingängiger Blickprüfung entscheiden wir uns für die Rinne in der Bildmitte, zu der wir gleich ansteigen werden. Unser Aufstieg verläuft allerdings später rechts der Rinne in dem deutlich grüneren Streifen oder direkt auf dessen Grat. Vorsicht: die Steilheit des Geländes ist auf diesem und dem folgenden Foto absolut nicht erkennbar.

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    Hier unsere Aufstiegsflanke nochmal aus der Nähe. Was hier rechts der Rinne so grün leuchtet, stellt sich später als wilder und duftender Bärlauch heraus - guten Appetit.

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    Hier kurz unterhalb der Rinne. Wir queren hier direkt unterhalb des kleinen Felsriegels nach links und von dort in die Rinne, die sich allerdings als nicht wirklich gut gangbar entpuppt. Das Gras ist völlig platt gedrückt und das Erdreich darunter noch sehr feucht, ...

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    ... deshalb queren wir schon bald wieder aus der Rinne hinaus auf die rechte Rippe, in der das Steigen deutlich angenehmer ist. Die Steigung befindet sich hier im unteren Bereich bei 30-40°, was jetzt nicht unbedingt heftig erscheinen mag, allerdings findet man hier auch kein so herrlich gestuftes Gras wie am Giebel, der Höfats oder gar am Häselgehrberg. Und oben wird der Hang deutlicher steiler!

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    Die erste Fichte auf unserer Aufstiegsrippe wird knapp links überwunden und danach ziehen wir direkt zwischen dieser und dem abgestorbenen Exemplar wieder auf den Grat hinauf.

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    Hier befindet sich Tobi kurz oberhalb der ersten Fichte im "Bärlauch-Step". Hier beträgt die Steigung teilweise schon 45-50°, und außer mit der Haue des Pickels, die mit der felsdurchsetzten Flanke ebenfalls zu kämpfen hat, kann man sich hier kaum festhalten. Hier ist absolute Konzentration vonnöten.

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    Blick nach unten zur ersten Fichte, in diesem Bereich ist der Hang ausnahmsweise gut gangbar.

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    Blick nach oben in der Hangmitte. Die schwierigsten Stellen liegen noch unsichtbar vor uns. Unser nächstes Etappenziel ist die große dunkle Fichte im oberen linken Bildbereich. Rechts im Bild ist schon der Gipfelkörper des Sevisschrofens zu sehen.

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    Blick von der Hangmitte nach unten, auch dieses Stück ist für Sevisschrofenverhältnisse gut gangbar, verzeiht dennoch keine Fehler. Unsere langen Pickel dienen uns hier als Stütze im Aufstieg, denn auch hier ist das Gras völlig glatt und ohne jegliche Stufen.

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    Die Fichte kann wie hier auf dem Bild zu sehen ist links in äußerst schwerem und steilem Gras-Fels-Mixgelände umgangen werden (II) oder man hält sich knapp rechts des Baumes, wo ein Anstieg relativ problemlos machbar ist. Direkt hinter der Fichte ist eine winzige waagerechte Fläche, auf der man kurz rasten und vor allem die Beine ausschütteln kann.

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    Nach einem kleinen Päuschen machen wir uns weiter an den Weg hinauf zum SO-Grat, der von nun an nochmal richtig an Steigung und Schwierigkeiten zulegt.

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    Während des kompletten Aufstieges hat man einen tollen Blick auf die gewaltigen Westabbrüche des von hier fremd wirkenden Hohen Ifen.

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    Beeindruckender Tiefblick kurz vor dem Einstieg in die Schlüsselstellen der Tour. Auch schon hier ist der Pickeleinsatz ein Muss, wenn man nicht "abschmieren" will.

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    Die letzten zwei Fichten im Blickfeld steigen wir weiter über den nun immer felsiger werdenden Steilhang hinauf. Die Felsen sind teilweise schön fest im Boden verankert und erleichtern das Aufsteigen. Allerdings gibt es auch viel loses Gestein, dass man tunlichst nicht in Bewegung setzen sollte.

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    Blick aus dem oberen Drittel der Steilflanke auf den Gipfel des Sevissschrofens. Unsere spätere Anstiegsroute verläuft in der von hier nur schwer auszumachenden erdigen Rinne im linken Bereich des Gipfelaufbaus.

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    Extrem steile Gras-Fels-Querung unter den letzten zwei Fichten. Leider ist die Steilheit auf dem Foto nicht wirklich gut zu erkennen. Wir ziehen vor der ersten Fichte kurz nach links und verwenden dann die wenigen festen Felsen, um uns zwischen die beiden Bäume "hochzuschälen" (II).

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    Und dann kommt der spannenste aber auch schwierigste Teil des Aufstiegs: eine in zwei Steilabschnitte aufgeteile Rampe, deren Steigung über 60° liegt. Hier pulsiert das Adrenalin in den Adern!

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    Nochmals ein kurzer Blick auf das Hohe Ifen Massiv...

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    Dann geht es gute zehn Meter in steilstem Gras und Schrofen nach oben (II), den Felsriegel überwinden wir knapp rechts an der kleinen Latschenkiefer vorbei (II). Das Gras bietet hier den Schuhen nur noch geringen Halt, der Pickel wird hier zum Überlebens-Tool.

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    Tobi in den letzten Metern der Steilrampe. Für Steilgrasspezialisten eine echte Wonne, für alle anderen jenseits von Gut und Böse.

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    Am NO-Grat des Sevisschrofens. Wir halten den zackigen und schrofigen Grat nach hinten zum Ifen als so gut wie ungangbar, lassen uns aber natürlich gerne eines Besseren belehren. Schön ist die Steilheit der Flanke nach links unten zu erkennen, jedoch ist die Steigung hier - verglichen mit den eben überwundenen Schlüsselstellen - deutlich milder und leichter zu gehen.

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    Wir folgen nun dem NO-Grat in Richtung Sevisschrofengipfel. Hierbei müssen immer wieder Hindernisse umgangen werden. Hier wird ein kleiner Gratkopf linksseitig über Wildspuren in der steilen Südflanke überwunden. Die Stelle ist ein wenig ausgesetzt, die Kletterei hält sich aber in Grenzen (I).

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    Auf den letzten Metern hinauf zum Gipfel. Neben ein wenig Totholz muss später noch der kurze aber extremst brüchige Gipfelaufbau überwunden werden.

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    Die erdige Rinne hinauf zum Gipfel des Sevisschrofens. Am besten hält man sich hier rechts der Rinne auf brüchigstem Fels - Steinschlag garantiert !!! Die Kletterei ist eigentlich nicht schwer (I), allerdings als äußerst heikel einzustufen.

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    Vom Gipfel des Sevisschrofens hat man einen schönen Rundblick auf die umliegenden Gipfel. Anstatt eines Kreuzes ziert den Gipfel nur ein kleiner Steinmann mit einer eingebauten roten Holzlatte.

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    Blick auf die beeindruckenden und faszinierenden Grünen Köpfe - links der Südliche und rechts der Nördliche.

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    Nach einer kurzen Pause am Gipfel machen wir uns an den Abstieg über die SW-Flanke hinab zur Iferholzalpe. Hier die steile und brüchige Gipfelrinne nochmal von oben.

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    Nach dem wir das Totholz überquert haben erreichen wir wieder den NO-Grat und steigen über das hier fotografierte Grasband in die SW-Flanke ein. Die Steigung ist zunächst moderat und der Gras ist deutlich trittfreundlicher wie bei unserem Aufstieg vorhin.

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    Querung in der SW-Flanke, die teilweise von Schuttrinnen und Felsen unterbrochen wird.

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    Blick auf den bisher absolvierten Abstieg. Der kleine Baum zwischen den großen Fichten etwas links im Bild markiert den Einstiegspunkt vom Grat hinab in die SW-Flanke.

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    Nach der Querung in die Flanke leitet von hier nach rechts ein Grasband den Hang hinunter. Dies ist die angenehmste Route für den Abstieg. Wir haben uns links der Rippe durch eine äußerst steile und brüchige Schuttrinnen nach unten gearbeitet. Dieser Abstieg ist allerdings nicht gerade ungefährlich und wir raten absolut davon ab.

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    Unsere heikle Abstiegsrinne - rutschig, brüchig, steinschlaggefährdet und eigentlich kein Platz für einen Bergsteiger. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich.

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    Blick von unten hinauf in die Rinne - Standort ist in etwa der Mitte der SW-Flanke. Hier queren wir auch hinaus auf das linke steile Grasband, ...

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    ... welches wir nun vorsichtig absteigen, bis der Hang langsam steigungstechnisch milder wird.

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    Blick von unten auf die SW-Flanke des Sevisschrofens. Unsere Abstiegsrinne verläuft etwas links der Bildmitte. Links der Rinne befindet sich das Grasband, über das abgestiegen werden sollte.

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    Blick auf die gewaltigen Westabbrüche der Fellefluh, in der Bildmitte ist das Berlingersköpfle erkennbar.

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    Blick von der Iferholzalpe hinüber zu den Grünen Köpfe. Von hier leitet uns ein breiter Fahrweg an der Iferschinder Hütte vorbei hinab zur Iferwies Alpe, wo wir auf den Aufstiegsweg von heute Morgen treffen.

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    Im Abstieg zwischen Iferschinder Hütte und Iferwies Alpe treffen wir auf die Grasrampe, über die der "Normalanstieg" verlaufen würde.

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    Ein letzter Blick zurück auf einen Gipfel mit ganz eigenem Charakter für den eindeutig gilt - es kommt nicht immer nur auf die Größe an! Von hier gehts in ca. 15 Minuten zurück nach Schönenbach.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Mai 2014
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