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Schwere Bergtour Überschreitung Wolfebnerspitzen (2.432m & 2.437m) und Plattenspitzen (2.489m & 2.493m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 3. August 2013.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Außergewöhnliche Bergfahrt in teils wildem Felsgelände, für den felsgewandten Bergsteiger ein kaum zu übertreffender Hochgenuss.

    Tour-Bewertung:


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    ca. 8 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.650 Hm / 13,5 km
    [​IMG] Schwierigkeit III (sehr ausgesetzt) / T5
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (nur für sehr erfahrene Bergsteiger!)

    [​IMG]Tourengänger: Johannes, Surg, Tobias, Thom

    Der Hausberg der Hermann-von Barth-Hütte ist ein wahres Kletter-Eldorado für all diejenigen, welche den etwas längeren Hüttenanstieg nicht scheuen. Bequemere Zeitgenossen können sich für einen kleinen Obolus Ausrüstung und Gepäck per Lastenlift hinauf zur Hütte chauffieren lassen. Momentan existieren 43 Kletterrouten an den Wolfebnerspitzen - welche sich zwischen dem 3. und unteren 8. Schwierigkeitsgrad bewegen - die einem breiten Publikum meist feste Felskletterei mit netten Tief- und herrlichen Ausblicken bieten können. Aber auch versierten Bergsteigern gewähren die Wolfebnerspitzen einen Gipfelbesuch über einen markierten "Normalweg". Dieser will allerdings beherrscht werden, es locken dabei teilweise ausgesetzte Klettereien bis III-. Zudem ist Trittsicherheit auf den exponierten und oftmals mit einer Bröselauflage bedeckten Felsbändern unabdingbar. Der Übergang vom bekreuzten Süd- zum unbekreuzten und wenig besuchten Nordgipfel ist in der Gesamtkonstitution nochmal eine ganze Ecke anspruchsvoller als der "Normalweg" auf den Südgipfel. Der Übergang zum Nordgipfel ist nur noch spärlich mit Steinmännern markiert, welche einen meist über ausgesetzte Bänder durch die teils brüchige Ostflanke leiten. Dabei sind immer wieder auch längere Kletterpassagen im II. Grad zu absolvieren. Der nur mit einem kleinen Steinmann verziert Nordgipfel ist nach einer guten Dreiviertelstunde erreicht. Die eigentlichen Schlüsselstellen dieser eindrucksvollen Überschreitung liegen jedoch im schwierigen Abstieg vom Nordgipfel über den Nordgrat hinab in die Wolfebnerscharte (bis III). Die nicht selten vorhandene, atemberaubende Ausgesetztheit sowie abdrängende Felsklettereien verzeihen wirklich nicht den kleinsten Fehler. Wer sich auf dem "Normalweg" hinauf zum Südgipfel und dem späteren Übergang zum Nordgipfel bereits unsicher oder unwohl gefühlt haben sollte, verzichtet bitte auf die Begehung des Nordgrates. Von der Wolfebnerscharte geht es dann wieder deutlich einfacher - teils stahlseilversichert - auf den östlichen Gipfel der Plattenspitzen und ebenfalls kaum anspruchsvoller (kurze Stelle II, umgehbar) auf den sehr stillen Westgipfel. Von diesem hat man einen herrlichen Nahblick auf die ebenfalls nur selten besuchten und eigenartig anmutenden Ilfenspitzen. Der Rückweg zur Wolfebnerscharte verläuft auf bekannter Route, der weitere Abstieg von der Scharte hinab zur Hermann-von-Barth-Hütte führt zunächst über gleitenden Schutt teils steil hinab auf die Böden des oberen Wolfebnerkares und erfordert etwas Trittsicherheit. Die schön gelegene und nur selten überlaufene Hermann-von-Barth-Hütte bietet anschließend eine ausgezeichnete Rastmöglichkeit. Freundliche Bedienung, kühle Getränke, bodenständige Küche und grandiose Aussicht sprechen für sich! Danach geht es im Eiltempo zurück nach Elbigenalp.

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    Knapp oberhalb des Kasermandl, im Hintergrund Ruitelspitzen sowie weiter rechts Sonnenkögel und Holzgauer Wetterspitze.

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    "Bachbisi" ist natürlich nur erlaubt, wenn weiter unten im Gelände der Wanderweg nicht nochmal das Bachbett kreuzt! Im Hintergrund das Balschtekar und Balschteturm, links etwas verdeckt der wenig bekannte Schöneckerkopf.

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    Schon beim Betreten des unteren Wolfebnerkares stechen unsere heutigen Tagesziele direkt ins Auge - die formschönen Wolfebnerspitzen und links dahinter die Plattenspitzen.

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    In mitten des Wolfebnerkares befindet sich die schön gelegene Hermann-von-Barth-Hütte, umrahmt von dem langgezogenen Massiv der Ilfenspitzen und Plattenspitzen (rechts).

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    Gigantischer Anblick - die zerfurchte Südwestwand und die plattige Südostwand der Wolfebnerspitzen sind gespickt mit gebohrten Kletterrouten. Beim genauen Hinsehen erkennt man bereits das Kreuz auf dem Südgipfel.

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    Südostwand inklusive Seilschaft in Nahaufnahme.

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    Der Anstieg zur Südlichen Wolfebnerscharte verläuft durchwegs auf einem markierten und gut sichtbaren Steig (I), auch er erfordert bereits Trittsicherheit.

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    Unterhalb des hier ansetzenden Hans-Wursten-Grates (SO-Grat) des Südgipfels queren wir von der Südlichen Wolfebnerscharte in die teils steile Ostflanke hinein.

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    Einstiegsrinne (II), welche uns auf das erste Querband in der Ostflanke leitet. Es sind weiterhin ausreichend Markierungen vorhanden, die Orientierung hinauf zum Südgipfel fällt deshalb niemals schwer.

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    Auf dem ersten etwas abdrängenden und abwärts gerichteten, schmalen Felsband (I) in der Ostflanke.

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    Ende des ersten Felsbandes, hierbei wird unter einem kleinen Felsüberhang ein hervorspringendes Eck (II+) an kleinen Griffen etwas abdrängend umschifft.

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    Ausblick Richtung Nordosten auf Hochvogel, Schreierkopf, Balschtespitze, Kreuzkarspitze und Noppenspitze.

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    Danach geht es wieder einfacher in einer Art Kehre hinauf zur wieder anspruchsvolleren Gipfelrinne.

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    Die Gipfelrinne. Sieht nicht besonders steil oder anspruchsvoll aus, jedoch sind Tritte und Griffe meist abwärtsgerichtet und eher klein. In der Gesamtkonzeption muss diese Rinne daher für mein Dafürhalten mit III- bewertet werden, auch wenn der Fels hier einen ausgezeichneten Zustand aufweist.

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    Die Gipfelrinne von oben gesehen, auch von hier wirkt diese kaum steil.

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    Auf dem Gipfel der Südlichen Wolfebnerspitze. Das Gipfelbuch zählt gar nicht mal so viele Einträge pro Jahr, wie man zunächst auf Grund der Nähe zur Hermann-von-Barth-Hütte vermuten könnte.

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    Blick vom Südgipfel der Wolfebnerspitze hinüber zum Nordgipfel, ein direkter Übergang ist sehr anspruchsvoll, wir entscheiden uns für die Route durch die Ostflanke, welche die unzähligen Grattürme knapp unterhalb umgeht.

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    Blick hinüber zu den recht selten besuchten Ilfenspitzen.

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    Zunächst klettern wir wieder über die bekannte Gipfelrinne vorsichtig hinab und steigen einige Meter zurück ...

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    ... bis zur vorhin erwähnten Kehre, an welcher wir dann über Schrofen (I) hinauf zu einem weiteren, mit zahlreichen Steinmannl markierten Band in der Ostflanke hinauf kraxeln. Die "Überschreitung" kann beginnen.

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    Das Band (bis II) leitet einen um zahlreiche Ecken, erfordert stets sicheren Tritt und Konzentration, besitzt manchmal eine komfortable Breite, manchmal ist es schmal und abdrängend. So geht es im ständigen Auf und Ab mit der gebotenen Vorsicht weiter in Richtung Nordgipfel.

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    Rückblick aus der Überschreitung hinüber zum Nordgipfel auf den bekreuzten Südgipfel der Wolfebnerspitzen. Es finden sich am laufenden Band immer wieder kurze Klettereien - Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf - im Gegenteil: die Überschreitung macht Lust auf mehr.

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    Eine von zahlreichen abdrängenden Stellen auf dem Band durch die Ostflanke - hier heißt es gute Griffe suchen und mit dem Bauchnabel auf Tuchfühlung mit der Materie Fels. Hinten rechts thront der Hochvogel.

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    Kurz vor Ende der Querung in der Ostflanke passieren wir diese auffallend helle Rippe, welche ebenfalls hinauf zum zerzausten Gipfelgrat der Wolfebnerspitzen führt. Der Fels sieht bombenfest aus, die Kletterei steil, ausgesetzt und äußerst lohnend. Wir verzichten allerdings auf den verlockenden Aufstieg über diese Rippe, da wir nicht genau wissen, ob von dieser auch ein Weiterweg hinüber zum nah gelegenen Nordgipfel möglich ist. Im Nachhinein lässt sich sagen - ja, es wäre absolut möglich gewesen - Schade!

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    So steigen wir knapp rechts der hellen Rippe über ebenfalls spannendes Gelände (bis II) hinauf zum letzten Gipfelgratkopf zwischen Süd- und Nordgipfel an.

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    Der Fels ist hierbei nicht immer zuverlässig, Tritte und Griffe sollten stets geprüft werden. Die herrliche Ausgesetztheit verleiht der Szenerie echten alpinen Flair.

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    Der Abstieg vom letzten Gipfelgratkopf vollzieht sich ein einer Art Rinne knapp neben der heftig abbrechenden Gratkante (I-II).

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    Der letzte Aufschwung hinauf zum Nordgipfel bietet viele Varianten - ganz nach belieben kann man sich hier eine Route in meist gutem Fels aussuchen (I-II).

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    Blick vom Nordgipfel hinüber zum nur wenig entfernten, bekreuzten Südgipfel. Dahinter die unzähligen Gipfel der Lechtaler Alpen. Nach kurzer Rast machen wir uns an den sehr anspruchsvollen Abstieg über den Nordgrat hinab zur Wolfebnerscharte.

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    Die klare Schlüsselstelle der gesamten Überschreitung: bauchig, knackig, hart ausgesetzt (III). Nur wenige Meter nach verlassen des Nordgipfels geht es rechter Hand an zumeist verlässlichen und gut brauchbaren Griffen und Tritten über eine leicht überhängendes Wändchen auf ein stark abfallendes Felsband, auf welchem man wieder hinüber zur Gratkante klettert. Hier muss jeder Kletterzug und Tritt sitzen!

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    Die Crux nochmal von etwas weiter weg. Laut altem AVF Allgäuer Alpen kann der erste überhängende Abbruch (III) am Nordgrat auch leichter umgangen werden, dann (II) - FT sagt: klassische Fehlbewertung!

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    Danach geht es deutlich einfacher (I-II) weiter hinab über den Nordgrat. Hinten erkennt man gut den plattigen, überhängenden Abbruch, welchen wir von hier aus gesehen links umklettert haben.

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    Tja, und dann kommt der zweite unüberwindbare Abbruch im Nordgrat. Direkt laut altem AVF wieder mal (III) - eine (VI+/V-) wäre hier aber wohl eher angebracht! Ohne Seil bleibt einem nur die ca. 25 Meter tiefe Umgehung (bis III-) in der anspruchsvollen und äußerst steilen Westflanke. Hier befinden wir uns gerade am tiefsten Punkt der Umgehung. Nur wenige Meter hinter uns bricht die Flanke teils überhängen gut 200 Meter in die Tiefe.

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    Anschließend äußerst luftig um ein Felseck und weiter anspruchsvoll und ausgesetzt (II+) in nicht ganz zuverlässigem Gestein in eine Felsrinne ...

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    ... und durch diese etwas einfacher (II-) hinauf zurück zur Grathöhe.

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    Wieder am Grat, die schwierigsten Stellen haben wir nun hinter uns. Im Hintergrund der überhängende, wuchtige Gratkopf, welcher wohl kaum frei abzuklettern ist.

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    Letzte Kraxeleien am Nordgrat der Wolfebnerspitzen, dann haben wir die Wolfebnerscharte erreicht und wir können uns auf den kurzen aber nicht unlohnenden Anstieg hinauf zu den Plattenspitzen konzentrieren.

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    Der Anstieg hinauf zur Östlichen Plattenspitze im Überblick. Man folgt einfach dem sichtbaren und gut markierten Weg, aber auch hier ist ein gewisses Maß an Trittsicherheit sicher nicht fehl am Platz.

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    Wirkliche Schwierigkeiten bietet der Anstieg zu Östlichen Plattenspitze allerdings nicht mehr.

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    Wilde Felsszenerie - Der Nordgrat der Wolfebnerspitze in voller Pracht.

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    Die letzten stahlseilversicherten Meter hinauf zum kleinen Gipfelkreuz der Östlichen Plattenspitze.

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    Dann ist es geschafft. Kurze Pause und Ruhe genießen. Im Hintergrund das mächtige Massiv der Ilfenspitzen.

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    Der Übergang von der Östlichen zur Westlichen Plattenspitze ist wieder spannender, erfordert sicheren Tritt und etwas Kletterfertigkeiten (I-II).

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    Blick beim Übergang hinüber zum alles überragenden Hochvogel.

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    Bleibt man auf der Grathöhe, darf diese kleine Felsnadel auf ihrer Nordseite umklettert werden (II), man kann das Ganze auch etwas leichter (I) auf einem Band in der Nordflanke umgehen.

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    Gipfelrast auf der selten besuchten Westlichen Plattenspitze. Der Abstieg hinab zur Wolfebnerscharte vollzieht sich auf bekanntem Weg.

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    Blick von der Westlichen Plattenspitze auf ihre Östliche Nachbarin und die wilden Wolfebnerspitzen. Rechts unten die Hermann-von-Barth-Hütte, zu welcher wir jetzt absteigen werden.

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    Seilversicherter Abstieg von der Östlichen Plattenspitze.

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    Der Abstieg von der Wolfebnerscharte erfordert wiederum Trittsicherheit, bei Betrieb am Berg muss auf Steinschlag geachtet werden. Rasch gelangen wir über gleitenden Schutt hinab ins obere Wolfebnerkar.

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    Nach einer herrlichen Einkehr in der Hermann-von-Barth-Hütte geht es in Windeseile zurück nach Elbigenalp - von gegenüber grüßt die Allgäuer Rotwand.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. November 2013
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