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Schwere Bergtour Besteigung und Umrundung der Dremelspitze (2.733m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 9. September 2009.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Anspruchsvolle (bis III-) und konditionell fordernde Tour auf einen herrlichen und einmaligen Felsgipfel in den Lechtaler Alpen. Überrangende Ausblicke auf die umliegenden Gipfel.

    Tour-Bewertung:

    [​IMG] Gehzeit: ca. 9 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 10 km / ca. 1.750 Hm
    [​IMG] Schwierigkeit T5/II (Schlüsselstelle III-)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG] Tourengänger: Thom, Tobi

    Die Dremelspitze gilt wohl zu Recht als einer der schönsten Felsgipfel in den nördlichen Kalkalpen. Wo sonst kann man sich auf mehreren hundert Höhenmetern in ordentlich festem Fels mit aussreichenden Markierungen zwischen dem I. und oberen II. Schwierigkeitsgrad in den Felsen austoben. Allerdings sei dieser Gipfel dem Standardwanderer dringend widerraten, da man wirklich den zweiten Schwierigkeits-grad absolut beherrschen und auch über einen guten Orientierungssinn verfügen sollte, um sich im Aufstieg schon den ein oder anderen nützlichen Griff für den etwas schwerer fallenden Abstieg merken zu können. Neben den genussreichen Klettereien kann die hier beschriebene Tour mit einer unfassbar spektakulären Aussicht auf das Parzinn, die Nahe Parseierspitze, den unnahbaren Bergwerkskopf und das wirklich gewaltige Bergmassiv der Großen und Kleinen Schlenkerspitze aufwarten. Ebenso ist der Aufstieg durchaus abwechslungsreich und interessant. Während der Hauptsaison ist die Dremelspitze, vielleicht auch weil sie der einzig mit einem markierten Steig erschlossene Gipfel in diesem Gebiet ist, für Lechtaler Verhältnisse gut besucht. Unter der Woche findet man sich dennoch meist allein am Berg. Allenfalls an den beiden Hütten oder dem beliebten Steinsee trifft man kurz auf ein paar Wanderer. Ich möchte noch anmerken, dass die Tour nicht nur einige Kletterschwierigkeiten besitzt, sondern auch durch ihre Länge und den extra Höhenmetern, die durch die Umrundung zustande kommen, einiges an sportlicher Fitness erfordert. Bei geringerer Fitness kann diese Tour auch gut und gerne 10-11 Stunden in Anspruch nehmen.

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    Deshalb starten wir, wie bei allen großen Lechtaler Touren üblich, schon sehr früh am Morgen, was auch die schlechte Qualität der ersten Fotos erklärt, da es eigentlich noch recht dunkel war und nur ohne Blitz und mit langer Belichtungszeit fotografiert werden konnte. Unsere Tour startet auf dem Wanderparkplatz (kostenlos) in dem kleinen Örtchen Boden, das auf halbem Weg zwischen Bschlabs und Hahntennjoch gelegen ist. Von hier aus folgen wir kontinuierlich den Wegweisern zur Hanauer Hütte, die bei diesen Lichtverhätnissen teilweise schwer zu finden sind. Eine Stirnlampe wäre vermutlich ratsam gewesen :wink:. Schon nach wenigen Minuten können wir einen ersten Blick auf die Felspyramide der Dremelspitze werfen. Daneben liegt die von hieraus eher unspektakulär anmutende Schneekarlespitze (2.641m), die allerdings auch Klettereien im II. Grad bieten kann.

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    Der Wanderweg verläuft zunächst auf einem flachen Feldweg, bis wir schließlich den Versorgungslift der Hanauer Hütte erreichen. Von nun an schnürt sich der Weg etwas ein und läuft in weichen Kurven direkt in den Talschluss.

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    Nach Überquerung dieser Holzbrücke zieht dann der Weg in deutlich steileren Kehren hinauf zur Hütte, die wir nach knapp eineinhalb Stunden erreichen. Die Temperaturen sind immer noch nur wenige Grad über Null, und so halten wir uns auch nicht lange mit unnötigen Pause auf.

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    Blick von kurz unterhalb der Hütte auf die noch in die Morgendämmerung gehüllte Reichspitze (2.590m)

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    Ebenso genießt man von der Hütte einen ersten Blick hinauf zum gewaltigen Massiv der Schlenkerspitzen.

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    Von der Hanauer Hütte hat man zum ersten Mal einen freien Blick auf den weiteren Aufstieg hinauf bis zur Vorderen (westlichen) Dremelscharte. Der Weg verläuft zunächst über Feuchtwiesen und zieht dann direkt durch die Geröllrinne in die Scharte.

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    Die Hanauer Hütte (1.922m) am frühen Morgen. Alles ist noch in eine bedächtige Ruhe gehüllt.

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    In Fels gehauener Traum für Heavy-Metal-Fans: der 2.550m hoch gelegenen Spiehlerturm, der Kletterein zwischen dem IV. und VII. Schwierigkeitsgrad bieten kann. Rechts daneben der nordösltiche Parzinnturm.

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    Blick beim Aufstieg direkt in die hintere Dremelscharte. Unterhalb des überdimensionalen Steinmannls queren wir dann zum Felseinstieg.

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    In der Querung mit Blick auf den Einstieg zur Genusskletterei an der Dremelspitze. Durch eine teilweise glatte Felsrinne geht es in das hier sichtbare Schärtlein.

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    In der brüchigen Querung unterhalb des Felseinstieges ist Trittsicherheit vonnöten. Wer hier schon Probleme hat, sollte keinen falschen Stolz besitzen und umkehren. Das folgende Gelände wird nur noch selten einfacher - und die Kletterei geht erst jetzt los.

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    Der Einstieg. Die Felsrinne ist auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär, allerdings kleingriffiger als erwartet und somit schon richtig lecker. Sie kann direkt durchstiegen werden oder etwas rechts am hier sichtbaren Wändchen (II) überlistet werden.

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    Nach der kurzen Kletterei bietet sich uns ein herrlicher Ausblick auf den höchsten Berg der nördlichen Kalkalpen - die 3.036 Meter hohe Parseier Spitze. Danach geht es ein paar Meter auf einem schmalen Pfad an Fels entlang. Bevor es dann...

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    ... direkt in den herrlichen Fels geht. Der Einstieg ist hier wieder ein gutgriffiger IIer. Auch im Felsgelände sind die Markierungen in genügender Anzahl vorhanden. Die Orientierung fällt nicht besonders schwer.

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    Nach der ersten Steilrampe geht es nun mit etwas geringerer Steigung in der hier gut sichtbaren Rinne (I+) weiter hinauf. Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen sind mittlerweile zum Greifen nahe.

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    Nachdem wir aus der kleinen Rinnen an deren oberen Ende links ausgestiegen und um ein kleines Eck jetzt auch teilweise gehend aufgestiegen sind, kommen wir zum nächsten Steilaufschwung. Hier geht es wieder gutgriffig im II. Schwierigkeitsbereich knapp 5-6 Meter sehr steil aufwärts.

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    Danach werden hintereinander zwei spannende Rinnen (I+/II) wieder abgeklettert. Wirklich ein herrlicher Klettergenuss.

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    Nun steigen wir links oberhalb eines tiefen Einschnitts in den Felsen auf. Hier der Blick nach oben auf den weiteren Weg. Die für mich spannenste Stelle im kompletten Aufstieg. Ein links über der Rinne (hier im rechten Bildbereich) thronender Felsbalkon muss direkt überklettert werden (II/II+). Teilweise abdrängendes Gelände und gar nicht so wenig ausgesetzt, wie man auf dem Foto vermuten könnte. Fantastisch. Der im oberen Bereich der Rinne sichtbare Felsklotz markiert die letzte Hürde dieser Plaisir-Passage.

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    Mitten in der Kletterpassage - im Hintergrund der blaugrün leuchtende Steinsee.

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    Hier die ausgesetzteste Stelle - leider kommt der Tiefblick auf diesem Foto nicht besonders gut raus.

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    Ausstieg aus der Rinne. Noch einmal gilt es einen Steilaufschwung (II) zu bewältigen, bevor wir dann in den "gemütlichsten" Teil der Aufstiegsroute kommen.

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    Durch eine weite Rinne steigen wir hinauf zum Gipfel - teilweise Gehgelände, teilweise leichte Klettereien (I). Vorsicht ist trotzdem geboten: in diesem Abschnitt ist der Fels nicht besonders zuverlässig und bei erhöhten Besucherzahlen besteht akute Steinschlaggefahr. Ein Helm ist daher ratsam.

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    Die Schlüsselstelle: ein kurzer, ca. 3 Meter leicht überhängender Aufschwung muss direkt überwunden werden (III-). Viele Griffmöglickeiten gibt es nicht, die vorhandenen sind daher schon etwas speckig. Dennoch war die Stelle etwas milder als erwartet. Im Abstieg jedoch noch etwas prickelnder, da man sich mit vollem Gewicht an einen verkeilten Klemmbock hängen muss, der allerdings einen noch recht festen und sicheren Eindruck bei mir hinterlassen hat.

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    Nach der Schlüsselstelle geht es steil weiter im Riss direkt zum Gipfel (II). Hier kann man sich auch nochmal richtig austoben.

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    Und dann ist er erreicht - der Gipfel der beeindruckenden Dremelspitze (2.733m). Von hier aus genießt man einen herrlichen Rundumblick auf die anderen Massive. Nun folgt erstmal eine ausgedehnte Brotzeit und das obligatorische Studieren des Gipfelbuches.

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    Blick von der Dremelspitze hinüber zum Schlenkermassiv: Große Schlenkerspitze (hinten), Schlenkerturm (gleich links daneben), Schlenkerwand (ganz links) und Kleine Schlenkerspitze (im Vordergrund).

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    Der Gipfelbereich der Dremelspitze ist gar nicht so klein.

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    Direkt gegenüber der Dremelspitze liegt der dunkel und bedrohlich wirkende Bergwerkskopf (2.728m). Der Anstieg auf selbigen erfolgt über den rechte Grat und ist mit zwei (III-) Stellen nochmal eine ganze Spur schwieriger zu erklimmen wie unser heutiger Gipfel.

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    Blick hinunter über die Schlüsselstelle. An dem Klemmbock im unteren Bildbereich lässt man sich in den kleinen Überhang hinab. Wenn man sich die Griffe und Tritte schon ein wenig beim Aufstieg einprägt, kommt einem dies beim Abstieg wieder zugute.

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    Die letzten Meter im Abstieg über den Felsbalkon oberhalb der großen Schlucht. Hier ist Konzentration gefragt. Nach rechts geht es doch recht ordentlich in die Tiefe.

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    Im Abstieg bietet die gegenüberliegende Schneekarlespitze (2.641m) ein völlig anderes Erscheinungsbild wie noch heute morgen von der Hanauer Hütte aus. Ganz rechts hinten die Parzinnspitze.

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    Nochmals der Blick hinab auf den schön gelegenen Steinsee, bevor wir von der Vorderen Dremelscharte zu genau diesem absteigen.

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    Das Gestein im Abstieg zum Steinsee ist äußerst brüchig. Allerdings sind Großteile davon mit Stahlseilen versichert. Im Aufstieg ist dieser Weg aufgrund seiner Eintönigkeit eher nicht zu empfehlen. Durch die Sicherungen können wir allerdings ordentlich aufs Tempo drücken.

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    Blick zurück in die soeben abgestiegene Geröllrinne. Es sieht etwas heftiger aus, als es in Wirklichkeit eigentlich ist.

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    Hier am Steinsee treffen wir zum ersten Mal an diesem Tag auf weitere Wanderer und Bergsteiger. Die meisten begnügen sich aber mit einem Ausflug an den See oder eine Umrundung der Dremelspitze. Aber auch diese Unternehmungen können dank der tollen Ausblicke sehr lohnend sein.

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    Blick über den Steinsee hinauf zum gewaltigen Bergwerkskopf. Wir verzichten auf eine Rast am für unsere Verhältnisse zu üppig besuchten See und machen uns an den anstrengenden Aufstieg hinauf zur Hinteren Dremelscharte. Die gut 250 Hm werden meist über steile Kurven auf brösligem Gestein absolviert. In der Scharte angekommen, genehmigen wir uns nochmals eine schöne Vesperpause und genießen, was auch sonst, ...

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    ... den Blick auf den majestätischen Bergwerkskopf, von dem ich völlig fasziniert bin.

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    Nach der ausgedehnten Pause und einer wirklich netten Unterhaltung mit einem Wanderer aus Nesselwang und seiner Frau machen wir uns an den Abstieg in Richtung Hanauer Hütte. Dabei immer den Blick auf die Kleine Schlenkerspitze gerichtet. Der Weg ist auch hier teilweise seilversichert und stellt kein Problem dar.

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    Blick zurück auf den gut sichtbaren Pfad, der sich anmutig durch die rauhe und beeindruckende Felslandschaft schlängelt.

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    Ein kleines Paar Silberdisteln am Wegesrand.

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    Bei einem kurzen Radler-Stopp an der Hanauer Hütte genießen wir den Anblick der Plattigspitze. Über den hier sichtbaren Ostgrat (rechts) kann in anspruchsvollerer Kletterei (III) aufgestiegen werden, allerdings führt auch eine leichtere Route auf dessen Gipfel.

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    Ein letzter Blick zurück. Die Dremelspitze aus dem Angerletal. Rechts auf dem Absatz kann man noch geradeso die Umrisse der Hanauer Hütte erkennen.

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    Kurz vor dem Ende unserer Tour treffen wir noch auf ein paar gewaltige schottische Hochlandrinder.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. November 2015
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