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Schwere Bergtour Brunnenkopf (1.718m), Kleine Klammspitze (1.882m), Große Klammspitze (1.924m) und Sefelwand (1.724m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 17. Juni 2012.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Herrliche und teils anspruchsvolle Rundtour im Herzen der nördlichen Ammergauer Alpen. Der Westgrat des Brunnenkopfes und die Sefelwand werden von Menschen nur selten im Jahr betreten.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 8,5 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.600 Hm / 17,6 km
    [​IMG] Schwierigkeit II / T5-6
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Tobias, Johannes, Sebastian, Thom

    Während die Große Klammspitze zu einem der beliebtesten und meistbesuchtesten Gipfeln der Ammergauer Alpen zählt, sind seine direkten Nachbargipfel teils nur selten besucht und weißen, wenn überhaupt, nur wenige Begehungsspuren auf. So finden sich bei der Überschreitung des anspruchsvollen Westgrates des Brunnenkopfes nur wenige Pfadspuren, gleiches gilt für die Kleine Klammspitze. Die Sefelwand besaß vor unserem Besuch nicht mal einen vernünftigen Steinmann auf ihrem höchsten Punkt. Die hier beschriebene Tour sollte nur von Bergsteigern durchgeführt werden, die über die nötige Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas Orientierungs- vermögen in teils steilem Grasschrofengelände verfügen.
    Der geschickteste Ausgangspunkt für diese schöne Rundtour ist zweifelsohne der große Wanderparkplatz beim Zugang zum Sägertal zwischen dem Ammersattel und Schloss Linderhof. Von hier aus folgen wir dem flachen Forstweg hinüber zum Linderhof und steigen auf markierten Wanderwegen hinauf zu den Brunnenkopfhäusern.

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    Schon beim Anstieg zu den Brunnenkopfhäusern hat man teils wunderbare Ausblicke auf die Kreuzspitze (Bildmitte) oder die Geierköpfe (ganz rechts).

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    Nach etwa 2 Stunden Aufstieg erreichen wir die Brunnenkopfhäuser, wo schon einige Gäste, die DAV-Hütte bietet bis zu 36 Übernachtungsplätze im Matrazenlager, auf der sonnigen Terrasse frühstücken.

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    Trollblumen, Kreuzspitze und Geierköpfe.

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    Der ebenfalls hochfrequentierte Wanderweg zum Brunnenkopf leitet uns in einer knappen Viertelstunde hinauf zum Gipfel. Aufgrund der frühen Uhrzeit ist es noch völlig ruhig hier.

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    Am bekreuzten Gipfel des Brunnenkopfes. Von hier aus hat man einen perfekten Blick auf die beiden Klammspitzen und man kann sich speziell den Anstieg zur Kleinen Klammspitze genauer ansehen.

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    Die Klammspitzen in voller Pracht. Die weitere Route führt uns über den im Vordergrund gelegenen Westgrat des Brunnenkopfes (I+), dessen steile Felstürme teilweise in sehr steilem Gras umgangen werden müssen.

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    Vom Gipfel des Brunnenkopfes steigen wir nicht zum Normalweg, sondern über steiles Gras direkt zum Westgrat hinab.

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    Der erste Gratturm wir zunächst über Gras direkt erklommen, nur der kleine Felspitz wird südseitig (links) umgangen. Danach steigen wir ...

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    nordseitig auf seichten Trittspuren hinab und queren direkt unter den Felsen auf teils erdigen und rutschigen Tritten vorsichtig unter den nächsten zwei Grattürmen hindurch, um dann ...

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    ... wieder zur Grathöhe bzw. der Scharte zwischen 3. und 4. Gratturm anzusteigen, um erneut auf die Südseite zu wechseln, da hier das Gras deutlich besser gangbar ist.

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    Dieses Bild zeigt Tobias und Basti, die gerade zur Scharte zwischen 3. und 4. Turm ansteigen, um nun nach rechts hinter dem 4. Turm ein paar Meter nach Süden abzusteigen ...

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    ... und letztendlich über eine herrliche, recht gut gestufte Steilgrasflanke erneut anzusteigen. Es wäre allerdings auch möglich gewesen, den 4. Turm ebenfalls nordseitig auf kurzem Gras und deutlich mehr Schottereinlagerungen zu umgehen.

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    Als nächstes steht ein kurze, aber ebenfalls steile Querung der nach Westen ausgerichteten Flanke des 4. Gratturmes an, um so wieder der Kammhöhe folgen zu können.

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    Die eben erwähnte kurze Querung nochmals im Rückblick.

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    Nachdem wir die auffälligen 4 Grattürme des Brunnenkopf-Westgrates hinter uns gelassen haben, folgt nur noch ein nennenswerter Aufschwung hinüber zur Kleinen Klammspitze.

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    Der letzten Aufschwung von oben gesehen. Der Aufstieg über die sandige Grasflanke erfordert nochmal vorsichtiges Antreten, ist aber nicht wirklich schwer.

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    Danach geht es ohne Schwierigkeiten an den Fuß der Kleinen Klammspitze. Man kann nun in direkter Linie durch sehr steiles Gras (der nach rechts ziehende Grasbogen ist gut zu erkennen) und ein paar Schrofen (bis II) hinauf zum Ostgrat kraxeln oder etwas einfacher zunächst in die hier gut zu erkennende tiefe Einschartung (ganz rechts) ansteigen.

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    Kurz vor erreichen der Scharte, an welcher der Ostgrat der Kleinen Klammspitze ansetzt. Von der Scharte aus hat man zwei Möglichkeiten für den weiteren Aufstieg: entweder einfach ein Stück in Richtung Norden unter Latschenfeldern hindurch und über Gras problemlos zur Grathöhe hinauf oder deutlich anspruchsvoller in einer steilen Grasschrofenwanne knapp links des Ostgrates (I-II).

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    Die Graswanne links vom Ostgrat von oben gesehen. Sie ist nur wenig gestuft und enthält viel Geröll- bzw. Bröseleinlagerungen. Am Besten quert man nach zwei Dritteln des Hanges nach links hinaus zum Punkt, an dem dieses Foto gemacht wurde. Danach geht es etwas ausgesetzt über eine Felsschneide (I-II) hinauf. Der Weiterweg über die nach oben hin deutlich steilere und felsigere (extrem brüchig) Wanne (bis II+) ist im Nachhinein als heikel einzustufen.

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    Blick von oben auf die kurze Felsschneide, die direkt zum Ostgrat hinauf führt. Von rechts unten wäre man gekommen, wenn man die einige Bilder zuvor beschriebene direkte Linie gewählt hätte.

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    Am wieder zahmen Ostgrat der Kleinen Klammspitze. Wir schummeln uns an den Latschen vorbei und steigen unschwierig an den felsigen Gipfelaufbau heran.

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    Der weitere Aufstieg vollzieht sich durch die dunkle Rinne (II) in der Bildmitte. Der Fels ist hier überraschend fest, nur im obersten Bereich, genauer gesagt beim Ausstieg zur Kammhöhe, trifft man wieder auf den typischen Bruchfels. Im Abstieg sind wir über die Grasschrofen links der Rinne abgestiegen (I-II). Diese Variante ist im Abstieg durch den brüchigen Fels etwas heikler als die dunkle Rinne.

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    Der Rinnenausstieg von oben gesehen. Danach geht es wieder einige Meter über einfaches Gelände an den nächsten sehr steilen Aufschwung heran.

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    Der letzten Felsaufschwung hinauf zum Gipfel. Wir steigen über Gras und Felsen zum gut sichtbaren großen Grasfleck links der Gratkante an, um dann auf die Nordseite (nach rechts) zu wechseln und steigen über eine sehr bröslige Rinne, die besonders im Abstieg ein vorsichtiges Gehen verlangt, zum Gipfel an.

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    Im unteren Bereich des letzten Felsaufschwunges.

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    Die sehr bröselige Schlussrinne hinauf zum Gipfel, sie erfordert perfekte Trittsicherheit und gehört gehtechnisch zu den Schlüsselstellen der Tour. Danach folgt ein letzter kleiner Felsaufschwung ...

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    ... und wir sind am Gipfel der Kleinen Klammspitze angekommen. Das Gipfelbuch zählt nicht mehr wie 20-40 Einträge pro Jahr. Nach einer kurzen Vesperpause machen wir uns wieder an den anspruchsvollen Abstieg.

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    Blick vom Gipfel der Kleinen Klammspitze zur Großen Klammspitze. Bei geschickter Routenwahl ist ein direkter Übergang angeblich nicht schwerer als III - wir verzichten jedoch gerne.

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    Abstieg über den unteren Teil des Gipfelaufbaus.

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    Wieder am Fuße des Ostgrates angekommen hat man einen herrlichen Blick hinüber zum Brunnenkopf und dessen Westgrat sowie den etwas weiter links gelegenen Hennenkopf.

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    Nach einem weglosen aber einfachen Abstieg hinab ins Winterkar, steigen wir ohne Schwirigkeiten über den Wanderweg hinauf zur Großen Klammspitze.

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    Kurz unterhalb des Gipfels müssen noch ein paar Schrofen (kaum I) überwunden werden. Dann stehen wir auf dem Gipfel der Großen Klammspitze. Um dem Trubel schnell zu entfliehen, verzichten wir hier auf eine längere Pause und steigen auf selbem Weg wieder hinab in Richtung Sefelwand. Unser nächstes Ziel ist der recht felsige und teils ordentlich ausgesetzte Südgrat der Großen Klammspitze.

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    Wir überschreiten diesen Südgrat direkt, was uns zahlreiche Abklettermanöver im I. und II. Schwierigkeitsgrad beschert. Der Fels ist hierbei nicht immer ganz zuverlässig.

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    Zum Schluss muss nochmal ein 6 Meter hoher etwas brüchiger Turm abgeklettert werden (II), dann ...

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    ... geht es relativ leichtgängig über Gras an den Fuß der Sefelwand hinunter. Diese stellt sich uns mit drei kurzen und ausgesetzten Aufschwüngen in den Weg, die allerdings den I. Schwierigkeitsgrad nicht überschreiten. Das ausgesetzte Gelände duldet jedoch keine Unachtsamkeiten!

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    Der erste Aufschwung im Rückblick.

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    Danach geht es über ein paar Grasschrofen (I) nach unten, um sofort wieder den nächsten Aufschwung ganz rechts an der Gratkante (I) anzugehen.

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    Auf der schmalen Sefelwand.

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    Wieder im Abstieg.

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    Der erste Steilaufschwung (I+) im Abstieg vermittelt einen guten Eindruck vom Anspruch des Geländes. Der Gipfelaspirant sollte über das nötige Know-how verfügen, um solch ein Gelände sicher zu meistern.

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    Unser Abstieg auf einem alten Jägersteig führt uns durch urwüchsige Naturlandschaften und einsamste Wälder. Daher verzichten wir auch auf eine genaue Beschreibung ... dem ortskundigen Naturfreund sei dieser nicht ganz anspruchslose Weg wärmstens empfohlen, allen anderen empfehlen wir ausdrücklich den Heimweg über die Brunnenkopfhäuser!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 24. Februar 2014
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