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Schwere Bergtour Die Überschreitung des Rappenköpfles (2.276m) von Ost nach West

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 30. Juni 2012.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Herrliche Spritztour mit grandioser Aussicht und sattem Finale auf einen nur selten begangenen und anspruchsvollen Gipfel.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 5,5 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.320 Hm / 12,7 km
    [​IMG] Schwierigkeit II / T5 (kurzzeitig T6!)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Thom

    Das kann schon was - herrliche Vegetation, ein bis dahin mir unbekannter, zudem grandiose Aussicht bietender Zugang sowie nur vage Wegbeschreibungen in den verschiedenen Werken des Alpenvereins. Obendrauf gab es zu diesen leckeren Zutaten noch Traumwetter und einen Tag Urlaub - und fertig ist das 3 Sterne Bergtouren-Menü.
    Das Rappenköpfle dürfte der wohl seltenst begangene Gipfel im Bereich des Allgäuer Hauptkammes sein. Dies ist wohl zum Einen der Tatsache geschuldet, dass es in den bekannten Führerwerken nur kurze und wenig aufschlussreiche Beschreibungen gibt, zum Anderen schrecken wohl der Anblick vom Rappensee auf die abweisende Ostflanke und den steilen Südgrat die meisten Interessierten schon im Vorhinein ab. Ein dritter wohl ebenfalls nicht ganz unerheblicher Grund sind auch die unzähligen Nachbargipfel, die deutlich höher und imposanter in den Himmel aufragen und mit ihren bekannten Namen Wanderer und Bergsteiger magisch anziehen - welch ein Glück für das Rappenköpfle. So konnte zum Beispiel hier in aller Seelenruhe ein beachtlicher Edelweiss-Bestand an der Süd- und Ostseite des Gipfelaufbaus erwachsen. Der Anstieg über die äußerst steile Ostflanke ist zwar kurz aber sehr anspruchsvoll und erlaubt keinen Wackler. Die Westflanke eignet sich für einen schnellen Abstieg und wäre im Aufstieg wohl ziemlich mühsam. Perfekte Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Erfahrung in teils steilsten Grasschrofen sind obligat für die Überschreitung. Ausgangspunkt für diese Tour ist das kleine Bergdörfchen Lechleiten, genauer gesagt der kleine, kostenlose Parkplatz am Holzgauer Haus.

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    Vom Parkplatz des Holzgauer Hauses geht es im Prinzip direkt unter dem alten Lastenlift der Lechleitner Alpe auf einem verfallenen Fahrweg nach oben. Hier der Blick zurück zum Startpunkt, dahinter das Warther Horn, Karhorn und Auenfelder Horn.

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    Da der alte Fahrweg durch den kürzlichen Almauftrieb extrem matschig geworden ist und ich meine nigelnagelneuen Bergschuhe nicht vollsauen wollte, kürze ich weglos links von dieser kleinen Bachrunse über üppigste Weideflächen ab.

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    Blick von der Vorderen Lechleitner Alpe (verfallen) hinüber zum Rappenköpfle, Hochrappenkopf und Biberkopf ganz rechts.

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    Wenig später ist auch die Hintere Lechleitner Alpe erreicht.

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    Danach geht es auf traumhaften Wanderwegen in seichtem Auf und Ab in Richtung Biberalpe.

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    Auf dem Weg zur Biberalpe hat man stets geniale Ausblicke auf die Bergkette zwischen Walser Gaishorn und den Gundköpfen. Hier der Blick auf den Mindelheimer Klettersteig (Schafalpenköpfe).

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    Die letzten Dunstschwaden der nächtlichen Gewitterorgie verziehen sich allmählich und tauchen die ganze Szenerie in ein weiches Licht. Die Biberalpe ist bei genauem Hinsehen schon erkennbar, ebenso erhält man von hier einen ersten aufschlussreichen Blick in die Westflanke des Rappenköpfles, über welche später der Abstieg verlaufen wird.

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    Und immer wieder dieser herrliche Blick zu den Schafalpenköpfen und den dahinter liegenden Gundköpfen.

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    Blick von der Biberalpe auf Rappenköpfle und Hochrappenkopf.

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    Das Rappenköpfle in voller Pracht kurz vor dem Einstieg ins tief eingeschnittene Mutzentobel.

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    Das Mutzentobel ist immer noch schneeverfüllt. Der teilweise mit einem Stahlseil versicherte Steig verläuft durch die Begrenzungsflanken des Tobels und erfordert auf nassen lehmigen Tritten etwas Trittsicherheit. Die Querung des Schneefeldes ist absolut unproblematisch.

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    Blick von Westen hinauf zum Rappenköpfle. Von hier aus ist gut das schattige, steile Teilstück zu erkennen, über das später abgestiegen werden muss.

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    Nach dem Mutzentobel verläuft der Weg wieder gemächlich unter der Westflanke des Rappenköpfles hindurch hinüber in Richtung Rappenseehütte. Hinten rechts sind schon der Linkerskopf - nebenbei der höchste Grasberg der Allgäuer Alpen - und rechts daneben die Rotgundspitze zu sehen.

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    Die geniale Vegetation begleitet einen auf der ganzen Tour. Der aufmerksame Beobachter kann die vierflammige Höfats zwischen den Blüten der Trollblumen entdecken.

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    Rappenköpfle und Hochrappenkopf von Norden aus gesehen. Der weitere Anstieg zur Rappenseehütte ist einfach, allerdings bei diesen schwülen Wetterverhältnissen nochmals etwas schweißtreibend.

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    Von der Rappenseehütte steige ich zunächst zum bekreuzten Grasbuckel (kein Gipfel) des Seebichls an, um von dort schnurstracks hinab zum Rappensee zu wandern. Im Hintergrund die Rotgundspitze mit ihrem Trabanten - dem Linkerskopf.

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    Blick vom Rappensee auf Hochrappenkopf und Rappenköpfle, das auch Kleiner Rappenkopf genannt wird. Mein nächstes Ziel ist der Sattel zwischen den beiden Gipfeln, den ich am einfachsten über Schneefelder die längste vom Sattel herunter ziehende Graszunge erreiche.

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    Rückblick in Richtung Oberstdorf, von wo aus man ebenfalls problemlos hierher ansteigen könnte.

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    Einstieg zur langen Graszunge. Im unteren Bereich ist diese nur mäßig steil, außerdem ist das Gras gut gestuft und stellt somit kein Problem dar.

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    Blick aus dem schon steileren Mittelteil der Graszunge auf den ebenfalls nur wenig begangene Hochgundspitze. Der obere Teil der Grasrippe steilt nochmal ein wenig auf, das Gras ist aber griffig und lässt sich perfekt eindrehen.

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    Die Grasrippe von oben gesehen - hierbei wirkt sie etwas milder, als es dann letztendlich ist. Jedoch wird ein erfahrenen Bergsteiger keine Probleme mit dem eher komfortablen Anstieg haben.

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    Blick vom Sattel auf den sehr steilen Gipfelaufbau des Rappenköpfles. Halb links der extrem brüchige Südgrat, welcher meiner Meinung nach nicht gefahrlos überklettert werden kann, da schon der erste Block im Grat schon fast von alleine sich der Schwerkraft ergeben will. Die von hieraus kaum einsehbare Bruchrinne links vom Grat sah ebenfalls wenig einladend aus und so machte ich mich an den Aufstieg über die sehr steile grasdurchsetzte Ostflanke.

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    Hierzu steige ich zunächst über steile Grasschrofen direkt an den Südgrat heran. Hier ein Blick aus dem Anstiegshang hinauf zum Südgrat in Richtung Höfatsmassiv.

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    Blick von unten auf den Südgrat.

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    Am Südgrat angekommen. Rechts zieht der im unteren Bereich äußerst steile und brüchige Südgrat in den Himmel empor, links davon die unangenehme aber wohl auch gangbare Bruchrinne. Ich steige noch ein wenig weiter direkt unter den Steilaufschwung des Grates und quere unter diesem in etwas geduckter Haltung nach rechts unter den überhängenden Felsen auf noch ganz ordentlich gestuften Grasschrofen in die sehr steile Ostflanke hinaus.

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    Dann gilt es - die Schlüsselstelle ist eine kaum ausgeprägte etwa 10 Meter hohe Rinne aus unzuverlässigem Fels und wenigen Grasbüscheln. Der mitgeführte Pickel ist hier goldwert, einige Züge erfordern Kraft und Geschick (II) - ein Rückzug aus dieser Passage dürfte als recht heikel eingestuft werden.

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    Der Blick von oben sieht gar nicht mehr so wild aus. Dies soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese kurze Passage viel Erfahrung in solchem Gelände verlangt, da kleinste Patzer zu einem tragischen Ende führen würden.

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    Südseitig und ostseitig ist das Rappenköpfle mittlerweile von Edelweiß übersät. Die letzten Meter hinauf zum Gipfeltrapez erfolgen wieder einfacher über üppiges Gras auf einer Rippe.

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    Am herrlichen Gipfel des Rappenköpfles. Unter dem kleinen Steinmannl wohnt jetzt einen Gurkenglas inkl. Gipfelbüchlein - ich würde mich freuen wenn ich es in ein paar Jahren dort oben immer noch antreffen würde.

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    Herrlicher Gipfelblick hinab zum Rappensee und seine Bergumrandung. Nach einer kurzen Pause mache ich mich an den Abstieg über die grasige Westflanke (kaum I, teils steiles Gras).

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    Blick hinab auf den ersten Teil des Abstieges, das Gras ist noch feucht und wenig gestuft, allerdings ist der Untergrund eher moosig und weich, so das man einen guten Tritt in der Flanke hat. Vorsicht ist dennoch geboten, die Flanke endet unten in steilen Abbrüche, denen man nach links ausweichen muss.

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    Rückblick auf das bereits überwundene obere drittel der Westflanke. Kurz vor erreichen der Abbrüche ...

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    ... quere ich in geringem Abstand zur Bruchkante nach links, bis sich der Grashang - zwar deutlich steiler aber immer noch gut beherrschbar - absteigen lässt. Bei genauem Hinsehen kann man sogar das Ende der Abbrüche am eingelagerten Felsblock erkennen.

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    Schmetterling im Steilgelände.

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    Der steilste Abschnitt im Westgrat lässt sich von oben nicht völlig einsehen, allerdings konnte ich mich bei meinem Hinweg zum Rappensee von seiner Gangbarkeit bereits überzeugen.

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    Einstieg in das Steilstück. Ja ich weiß, der Horizont liegt nicht ganz sauber im Wasser - war keine Absicht!

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    Das bis zu 55° steile und felsdurchsetzte Mittelstück nochmals von unten. Danach geht es die immer noch steile Grasrippe hinunter in Richtung Normalweg.

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    Blick hinüber zum Großen Widderstein, Walser Gaishorn, Liechelkopf und Elferkopf.

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    Der Abstieg über die Grasrippe erfordert zwar Konzentration, ist aber nicht mehr all zu schwierig. Kurz vor erreichen des Normalweges muss man sich ein Stück durch Erlengebüsch und der gleichen kämpfen - ist aber halb so wild.

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    Ein letzter Blick auf die soeben bewältigte Westflanke des Rappenköpfles, bevor ich mich ins Gestrüpp verabschiede. Knappe 10 Minuten später stehe ich wieder auf dem Normalweg, über welchen ich meinen bekannten Rückweg nach Lechleiten antrete.

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    Schafalpe und Schafalpenköpfe.

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    Der Mutzentobel mit herrlichem Wasserfall.

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    Alpenrosen mit Rappenköpfle und Hochrappenkopf.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Dezember 2014
    Jens gefällt das.
  2. Jens

    Jens Registrierter Benutzer

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    AW: Die Überschreitung des Rappenköpfles (2.276m) von Ost nach West

    Sehr anspruchsvolle Solo-Tour.
    Respekt, Thom. :thumb2:
    Die unteren vier Bilder hab ich vorgestern vom Linkerskopf aus gemacht.
    Das letzte müsste die Schlüsselpassage zeigen.
    Grüße, Jens.

    Rappenkoepfle_1b.JPG
    Rappenkoepfle_2b.JPG
    Rappenkoepfle_3b.JPG
    Rappenkoepfle_4b.jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Juli 2012
  3. Thom

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    Servus Jens,

    Glückwunsch zur Linkerskopf-Tour! Die steht bei uns auch schon sehr lang auf dem Programm!
    Top Bilder hast du da gemacht, zeigen gut meine Anstiegsroute... TOP!

    Herzlichen Gruß ausm Allgäu

    Thom
     
  4. Jens

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    Danke Thom.
    Rotgundspitze-Linkerskopf macht wirklich Laune und ist sicher ein Kandidat für eure To-Do-Liste.

    Ich mach dazu mal einen kleinen 'Impressionen'-Bericht mit Fotos.
    Der Boris hat ja schon einen ausführlichen Top-Bericht auf der Gipfelsüchtig-Seite hierzu gemacht, außerdem der eindrucksvolle 'After-work'-Beitrag vom Kristian auf alpic.
    Da kann ich mir dann den Text weitgehend sparen.

    Zumindest im Schlußanstieg ist das Rappenköpfle sicher noch eine gute Schippe anspruchsvoller:
    das ist der halt der Unterschied zwischen T5 und T6.

    Grüße, Jens
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Juli 2012
  5. Thom

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    Servus Jens,

    klar reicht da ein Bilderberichtvom Linkerskopf! Freu mich schon drauf! :wink:
    Die eigentliche Schlüsselstelle am Rappenköpfle ist schön spannend, wenn auch recht kurz. (knapp 10 Höhenmeter)
    Meine Abstiegsvariante über den Westgrat ist im Aufstieg sicher recht mühsam, aber nicht wirklich schwer.

    Grüße
    Thom
     
  6. Kauk

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    Gipfelbuch ist nicht mehr oben, zumindest hab ich es am höchsten Punkt nicht finden können. Ich nehme an, dass das Gurkenglas kaputt ging, da ich wenige Rest von gesplittertem Glas gesehen habe. Schade, war nämlich schon ziemlich gespannt was da wohl so drin steht...
     
  7. Thom

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    Das ist sehr ärgerlich! Hatte ein Loch gegraben und darüber ein Steinhaufen gebaut. Keine Ahnung wie das Glas kaputt gehen konnte ... :frown: Über welche Route bist du aufgestiegen?
     
  8. Kauk

    Kauk Registrierter Benutzer

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    Steine zu schwer, vllt. hat auch ne Spitze blöd das Glas gebrochen...Temperaturwechsel...

    Glücklicherweise Westflanke, ich hatte schon so eine Ahnung, dass die Überschreitung nicht meine Kragenweite sein könnte...der Blick zur Scharte hinab hat mich dann bestätigt :wink:.
     
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