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Schwere Bergtour Die klassische Kanisfluh-Überschreitung

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 24. Juni 2012.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Besonders lohnende Überschreitung von Ost nach West über alle vier Gipfel der Kanisfluh - dem Wahrzeichen des Bregenzer Waldes ... Kaniszucker...

    Tour-Bewertung:

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    ca. 7,5 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.550 Hm / 13,5 km
    [​IMG] Schwierigkeit II / T5-6
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Johannes, Thom

    Der Hauptgipfel des mächtigen Kanisfluh-Massivs - die Holenke - ist bei Wanderern ein äußerst beliebtes Ziel, dass sich von Au aus über Feld- und Wanderwege mit Zwischenstopp am schön gelegenen Gasthaus Edelweiss leicht und ohne Schwierigkeiten erreichen lässt. Die anderen 3 Gipfel des Massivs sind für Wanderer aufgrund ihres Anspruches ein Tabu. Für den gewandten und mit Steilgras und ausgesetzten Felsklettereien bis II+ vertrauten Bergsteiger bietet die Kanisfluh mit ihren vier völlig unterschiedlichen Erhebungen allerdings eine der lohnendsten Überschreitungen des gesamten Bregenzer Waldes. Der Routenverlauf für die Überschreitung ist relativ klar. Zunächst gilt es die Ostschulter der Kanisfluh auf möglichst geschickte und kraftsparende Art zu erreichen. Danach steigt man eigentlich immer direkt an der Grathöhe hinauf zur Sonnenspitze (I-II), dann weiter zu einem bekreuzten Felsspitz, welcher sich von Osten leichte erreichen lässt (I). Der Abstieg über seine SW-Kante ist allerdings knackig (II) und heftig ausgesetzt. Nach dem Gratzacken folgt ein extremer Steilgrasanstieg (II) knapp rechts der Felskante, welcher einiges an Erfahrung in solchem Gelände erfordert, um diese ausgesetzte Passage zu meistern. Der restliche Anstieg zum Runden Kopf ist wieder einfacher (I). Besonders spannende ist der Abstieg vom Runden Kopf - direkt über seinen äußerst steilen, etwas brüchigen Westgrat. Der Weiterweg zu Holenke ist dann wieder einfach, wäre da nicht der letzte Steilaufschwung hinauf zum Gipfel! Direkt an der Gratschneide ein knackiger, oberer IIer, welcher allerdings auch auf etwas nach rechts ziehenden, ausgesetzten und grasigen Bändern umgangen werden kann (I). Den wie immer gut gefüllten Gipfel der Holenke lassen wir schnellstmöglich hinter uns und machen uns an die Besteigung des letzten Gipfels im Massiv der Kanisfluh - dem Hohen Stoß. Dieser verwehrt uns mit einem mächtigen und leicht überhängenden Felsaufschwung eine direkte Besteigung. So queren wir auf die Südseite des turmartigen Gipfels und steigen recht anspruchsvoll über die Südflanke hinauf zum oberen Westgrat des Hohen Stoßes und von dort ausgesetzt zum nur sehr selten besuchten höchsten Punkt. Nach einer herrlichen Gipfelrast steigen wir über die bekannte Route ab und queren aus der steilen Südflanke hinüber zum Wanderweg zwischen Holenke und Gasthaus Edelweiss. Nach kurzem Einkehrschwung im Berggasthof geht es über markierte Wege zurück nach Au. Der beste Ausgangspunkt für unsere Überschreitung ist die kleine Brücke kurz nach Au an der Straße hinauf nach Damüls, allerdings gibt es hier nur sehr begrenzt Platz!

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    Blick von der eben erwähnten Brücke hinauf zum breiten Massiv der Kanisfluh. Leider ist das Wetter nicht annähernd so gut, wie uns der Wetterbericht einen Tag zu vor glauben lassen wollte. Sehr schade.

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    Von der Brücke machen wir uns zunächst auf Teer, später auf Feldwegen hinauf in die kleine Bergsiedlung Ahornenvorsäß, wo wir bis hinauf zu den letzten Häusern unterm Waldrand ansteigen. Unser nächstes Ziel: die linke Waldrandkante in der Südflanke unterhalb der Ostkuppe.

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    Der Aufstieg im Wald ist zwar ein wenig mühsam, allerdings ist das Gelände recht gutmütig und so kommen wir hier schnell höher - außerdem umgehen wir so die untere, brüchige und steile Schrofenflanke und das darüber gelegene dichte Buschwerk. Im Wald lassen sich sogar 2-3 Steinmänner auffinden.

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    Nachdem wir ca. 100 Meter im Wald aufgestiegen sind, queren wir nach links auf die nun gut gangbare grasige Südflanke hinaus. Das Gelände ist steil und nicht wirklich komfortabel gestuft, weshalb im nassen Gras in den steileren Passagen jeder Tritt sitzen muss.

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    Rückblick über den unteren Teil der Kansifluh-Südflanke hinab nach Ahornenvorsäß. Wir steigen vorbei an den letzten Bäumen unterhalb der Ostkante...

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    ... wo nun schon das kleine, genial gelegene Jägerhüttchen sichtbar wird.

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    Nach erreichen der kleinen Jägerhütte steigen wir exakt an der Ostkante weiter der Ostschulter entgegen. Die Tiefblicke über die schroffen, teils überhängenden Felswände hinab nach Au sind atemberaubend!

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    Der Anstieg über die Ostkante mit dem Jägerhüttchen im Hintergrund nochmals im Rückblick.

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    Da die Ostkante im oberen Drittel einen Rechtsschwenk vollzieht, steigen wir wieder direkt durch die grasige Südflanke hinauf zur Ostschulter der Kanisfluh.

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    Dabei gilt es 50 Höhenmeter unterhalb der Ostschulter einen kleinen Felsgürtel zu erklimmen (I+), welcher allerdings auch wenige Meter weiter rechts über steiles Gras umgangen werden kann. Für uns ist die kleine Stufe aber eine willkommene Abwechslung.

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    Direkt oberhalb der Steilstufe entdecken wir die ersten Edelweiss-Pflanzen, welche allerdings zu dieser Jahreszeit noch nicht voll erblüht sind. Die Bestände der Kanisfluh lockten früher zahlreiche Edelweißdiebe hinauf in die steilen Flanken - einige davon auch in den Tod.

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    Wer es wie wir gern ausgesetzt mag, steigt die letzten Meter hinauf zur Ostschulter wieder direkt am Grat - mit knapp 1.000 Meter Luft unter sich - genial!

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    Der Grat zwischen Ostschulter und Sonnenspitz ist zunächst gut gangbar und absolut einfach in seiner Begehung. Leider wird die Sicht nochmals um einiges schlechter - Probleme mit der Orientierung gibt es trotzdem keine - man hält sich einfach immer an der Gratkante.

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    Nach dem gemütlichen Start am Grat folgt nun endlich der erste wirklich zu erkletternde Steilaufschwung. Direkt an der Kante oder etwas links davon geht es in teils nicht ganz zuverlässigem Fels nach oben (I-II).

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    Johannes entscheidet sich für die recht brüchige Rinne etwas links vom Grat (in Aufstiegsrichtung). Der Aufstieg direkt am Grat ist zwar steiler und ausgesetzter, allerdings ist der Fels zuverlässiger.

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    Danach erreichen wir den Gipfel des Sonnenspitz, der heute leider seinem Namen überhaupt keine Ehre macht. Ein paar Steine und ein alter Rasendorn müssen hier als Gipfelmarkierung ausreichen.

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    Über steiles, aber gut gestuftes Gras geht es weiter in Richtung zum nächsten Gipfel - dem Runden Kopf.

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    Teilweise schnürt sich der Grat hinüber zum Runden Kopf eng zusammen, einige Graterhebungen gilt es zu übersteigen. Hierbei ist ein sicherer Tritt obligat.

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    Ein großes, wenig schüchternes Steinbockrudel begleitet uns auf dem Weg hinüber zum Runden Kopf.

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    Auf dem Weg hinüber zum Runden Kopf stellt sich uns noch ein kleiner Gratkopf in den Weg, ...

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    ... welchen wir ebenfalls direkt erklettern (I).

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    Kurz vor den Aufschwüngen hinauf zum Runden Kopf erwartet uns noch ein ganz besonderes Schmankerl dieser Gratüberschreitung: ein kleiner kreuzgeschmückter Felszacken, welchen man von Osten relativ einfach (I) aber ausgesetzt erreichen kann. Das kleine Kreuz beherbergt sogar ein Büchlein, welches nur wenige Einträge übers Jahr verzeichnet.

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    Am Kreuz des kleinen Felszacken lässt sich sogar die Sonne ganz kurz blicken, was uns einen instruktiven Blick auf den weiteren Aufstieg hinauf zum Runden Kopf erlaubt. Beide Aufschwünge sind sehr steil und sollten nicht unterschätzt werden.

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    Zunächst gilt es aber, den wilden Felszacken an seiner Westkante hinab zu klettern (II). Der Fels ist überwiegend fest, die Passage ist gewaltig ausgesetzt und macht mehr als Laune.

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    Der schöne, wohl namenlose Gratzacken von Westen aus gesehen.

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    Dann machen wir uns an die Besteigung des Runden Kopfes. Den ersten Steilaufschwung erklimmen rechts der Felsen in einer steilen Grasflanke (I).

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    Anschließend queren wir ein paar Meter in die gewaltigen Nordflanke, welchen nur wenige Meter unter uns ins Bodenlose abstürzt. Links unten im Tal ist Mellau zu erkennen.

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    Und jetzt geht es sehr steil den abweisenden Grashang hinauf - die letzten Meter sind gefühlt senkrecht. Das Gefühl täuscht jedoch, mehr als 65-70 Grad werden auch hier nicht erreicht!

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    Ein letzter einfacher Aufschwung hinauf zum Runden Kopf (I) ...

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    ... dann ist auch dieser Gipfel erreicht. Ein kleines Kreuz schmückt sein Haupt. Sonne mal wieder Fehlanzeige - dennoch sind wir beide bester Laune - die Tour ist einfach zu genial!

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    Der Abstieg vom Runden Kopf ist ebenfalls anspruchsvoll und erfordert volle Konzentration. Wir müssen nun über den steilen Westgrat abklettern, ein knackiger IIer in nicht immer zuverlässigem Fels - natürlich garniert mit einem ordentlichen Schuss Ausgesetztheit.

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    Die Abkletterpassage am Westgrat des Runden Kopfes im Rückblick. Eine der klettertechnischen Schlüsselstellen der Überschreitung.

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    Ein paar Sonnenstrahlen ermöglichen uns kurz den Blick auf den Anstieg hinauf zum Hauptgipfel der Kanisfluh - der 2.044 Meter hohen Holenke.

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    Woher wohl der Runde Kopf (2.014m) seinen Namen hat? Wir werden es wohl nie erfahren...

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    Kapitaler Steinbock. Das um die 80 Tiere umfassende Rudel gehört zu den Attraktionen der Überschreitung. Man sollte behutsam an die Tiere herantreten, gerade die alten Böcke machen nur ungern Platz am Grat. Keine Frage - er ist hier ganz klar der Boss!

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    Der Verbindungsgrat zwischen Rundem Kopf und Holenke gehört gehtechnisch zu den einfachsten Abschnitten der gesamten Überschreitung ...

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    ... wäre da nicht dieser grimmig wirkende Steilaufschwung kurz unterhalb des Gipfels der Holenke.

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    Man kann ihn recht luftig an seiner rechten Kante über kleingriffigen Fels (II+) erklettern. Das ganze sieht zunächst etwas heikel aus, entpuppt sich aber als doch recht gutmütig. Mann könnte diese Stelle vermutlich auch auf grasigen Bändern in der steilen Nordflanke umgehen (I) - wäre aber weniger elegant.

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    Trotz mittelprächtigem Wetter und kaum Aussicht scharen sich die Menschenmassen am Gipfel der Holenke, weshalb wir so schnell wie möglich das Weite suchen. Es folgt nun die ebenfalls recht anspruchsvolle und nicht ganz leicht zu beschreibende Besteigung des Hohen Stoßes.

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    Kurzer Abstieg über den Wanderweg in die Scharte zwischen Holenke und Hoher Stoß.

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    Atemberaubend ist der Anblick des Hohen Stoßes. Die fast senkrechten Abbrüche nach Norden ziehen uns unweigerlich in ihren Bann. Der Hohe Stoß lässt sich nicht direkt über den Verbindungsgrat besteigen - Schuld daran ist felsige Aufschwung, welcher jenseits des III. Grades liegt. Allerdings garantiert diese Blockade einen einsamen Gipfelaufenthalt ... was heut zu Tage immer seltener wird ... leider!

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    Da es nicht direkt geht queren wir zunächst einige Höhenmeter unter dem markanten Felsgürtel in die steile Südflanke hinab. Laut AVF Bregenzer Wald / Lechquellengebirge verläuft der Anstieg auf den Hohen Stoß nach der Querung der kompletten Südflanke über seinen äußerst steilen Westgrat.

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    Wir werden uns aber über die etwas komplizierte Südflanke direkt zum oberen Westgrat durchmogeln. Dazu überklettern wir den nun mehr schmalen Felsriegel an einer seichteren Stelle (I) und steigen wieder einige Meter hinauf unter einen zweiten Felsriegel.

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    Diesen Felsriegel umgehen wir wieder links (in westlicher Richtung) ...

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    ... wo wir schließlich steil zu einer Art Durchlass im sonst massiven Felsgürtel treffen. Diese Stelle sieht auf dem Foto wenig imposant aus, ist aber auf alle Fälle im II. Schwierigkeitsgrad anzusiedeln und besonders im Abstieg darf man sich an der untersten Stufe lang machen. Hinter uns geht es zudem ganz ordentlich ins "Loch".

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    Nach dem Durchlass hat man nun zwei Möglichkeiten: entweder halb links über eine extrem steile mit losen Felsen gespickte Grasflanke (II+ im Gras) oder besser zunächst halb rechts auf einer ganz leicht gebänderten Grasflanke einige Meter hinauf, bis man wie hier auf dem Foto zu sehen über einen gestuften Mix aus Gras und Felsen hinauf zum oberen Westgrat des Hohen Stoßes aufsteigen kann (I+).

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    Danach geht es einfacher (kurz I) auf dem sehr ausgesetzten Westgrat hinüber zum wirklich einsamen Gipfel des Hohen Stoßes.

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    Mittlerweile hat sich auch das miese Wetter etwas gebessert und so nutzen wir die wenigen Sonnenstrahlen des Tages für eine ausgiebige und ruhige Vesperpause.

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    Der Abstieg - hier wieder am Westgrat - vollzieht sich über die exakt gleiche Route wie der Aufstieg. Deshalb ist es ganz wichtig, dass man sich die Aufstiegsroute perfekt einprägt! Man läuft sonst Gefahr in ernsthaftes Absturzgelände zu gelangen! Also Obacht!

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    Wieder am Durchlass, welcher erst auf den zweiten Blick einige vernünftige Tritte und Griffe preisgibt.

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    Im Mittelteil der Südflanke angekommen suchen wir uns einen recht direkten Weg hinab in Richtung Gasthof Edelweiss, welcher nochmals unsere volle Konzentration in brüchigen Grasschrofen fordert. Über uns halb rechts der Steilaufschwung am Hohen Stoß, welcher einen direkten Zustieg verhindert. Das Grasband unterhalb des Abbruchs, welches leicht fallend nach links zieht, haben wir bei unserer Querung in die Südflanke benutzt.

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    Wieder am Wanderweg angelangt, welcher uns sicher und schnell hinab zum wohlverdienten Radler auf der herrlichen Terrasse des Gasthaus Edelweiss führt.

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    Blick von der Terrasse des Gasthaus Edelweiss auf Holenke, Runder Kopf und Sonnenspitz (v.l.n.r.).

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    Wirkt bedrohlich - der Kilkaschrofen im Vollzoom beim Abstieg nach Au.

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    Wieder bei den malerischen Berghäusern in Ahornenvorsäß. Von hier geht in einer knappen halben Stunde zurück zum Auto.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Januar 2017
  2. AW: Die klassische Kanisfluh-Überschreitung

    Ein toller Bericht, schön bebildert und beschrieben.

    Grüße
    Hanspeter
    www.alpstein.hikr.org
     
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