1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Schwere Bergtour Elmer Rotwand (2.334m) und Pfeilspitze (2.469m) - die klassische Überschreitung

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Tobias, 10. Juli 2011.

  1. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

    Registriert seit:
    17. September 2008
    Beiträge:
    2.010
    Bilder:
    440
    Ort:
    Isny/Maierhöfen
    Sechsgipflige Götterüberschreitung mit Bilderbuch-Grasanstieg auf die Rotwand. Uneingeschränkte Nah- und Fernblicke auf Allgäuer und Lechtaler Bergriesen. Anspruchsvoll und anstrengend.

    [​IMG] Gehzeit: ca. 9 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Strecke ca. 1750 Hm / 17 Km
    [​IMG] Schwierigkeit II (umgehbar, dann I-II)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (für erfahrene Bergsteiger)

    [​IMG] Tourengänger: Jo, Thom, Tobias

    Introitus

    Nein, "safe" ist was anderes. Ich rede vom Wetter. Teils heftige Gewitter und starke Regenfälle am Vorabend lassen eine stramme Unternehmung im Steilrasen eher deplaziert erscheinen, aber letztendlich verhält es sich mit den Bedingungen vor Ort ebenso wie mit allen Anstiegen auch: Man kennt sie erst, wenn man direkt darunter/darin steht. Die Prognosen für den Vormittag tendieren jedenfalls ins Positive, und somit gehts mit einer Nässe-Ausweichtour in petto - nur für alle Fälle - um kurz vor vier ab ins Lechtal. Man weiß ja, dass man über solche Gipfel nicht mal schnell so drüberstolpert. Als es dann aber kurz nach Reutte zu tröpfeln beginnt, ist unseren Gesichtern doch eine gewisse Anspannung anzumerken - für Nostalgiker: Dieselben steilen Falten hatte ein schwergewichtiger Ex-Kanzler bei der Wiedervereinigung -, welche sich aber bereits wenige Kilometer später legen soll: Das Nieseln verstummt, Falten und Himmel beginnen sich zu glätten, und außerdem ist Gras frühmorgens ja eh immer nass ... Ein Tipp gleich vorweg: Wenn möglich, dann reist man mit zwei Autos an, das erpart etwas über 200Hm auf der unteren Hahntennjochstraße, da Start und Endpunkt der Tour nicht direkt übereinstimmen. Ein Auto parkt also in Elmen, Parkplatz Stablalm, mit dem anderen fährt man nun bequem bis kurz vor den ersten Tunnel Richtung Bschlabs und dann scharf nach links auf einen Forstweg. (Tiefergelegte Penisverlängerungen haben hier bereits keinen Auftrag mehr.) Auf einem geräumigen Wendeplatz kann, vermutlich meist einsam, geparkt werden. Hier beginnt nun eine abenteuerliche, lange Überschreitung, die mit Sicherheit jetzt schon einen Platz unter den ganz großen, äußerst lohnenden Gras-Unternehmungen hat. Auch schön: Bei den passenden Bedingungen spielt sich alles im gut zu kontrollierenden Rahmen ab - stellenweise muss dennoch im moderaten T6-Bereich gestiegen werden - und darf für den gewandten, erfahrenen Bergsteiger daher als uneingeschränkter Genuss der Extraklasse bezeichnet werden.

    In medias res - oder: Komm endlich auf den Punkt
    Route
    : Parkplatz Westrücken Rotwand - Elmer Rotwand Westgipfel - Elmer Rotwand Hauptgipfel - Pfeilspitze - Bschlaber Kreuzspitze - Mittlere Kreuzspitze - Elmer Kreuzspitze - Stablalm - Elmen

    [​IMG]

    Wenn Augen schmecken könnten ... lecker! Ein herbstlicher Überlick beim Abstieg von der Wolekleskarspitze: Rotwand und Pfeilspitze.

    [​IMG]

    Morgengrauen über dem Lechtal, langsam kämpft sich die Sonne durch eine verregnete Nacht.


    Auf zügig ansteigendem, erdigem Pfad durch Wiesen und Wald gewinnt man schnell, einige wunderschön gelegene Holzhüttchen passierend, an Höhe. Schließlich sind die oberen ehemaligen Mähder und Lawinenverbauungen erreicht. Die Pfadspur verliert sich langsam in der üppigen Vegetation, der abweisende Gipfelaufbau der Rotwand erkärt weshalb.

    [​IMG]

    Es wird spannend: Die Ersteigung der Elmer Rotwand steht an ...

    ... und darf mit Fug und Recht als ein Traumanstieg bezeichnet werden. Verehrer des anspruchsvollen Grün werden feiern. Über die breite Rasengasse zwischen den Latschen bewegt man sich, zuerst etwas nach rechts, in den sehr steilen, noch hohen Gipfelkörper hinein. Ab und an entdeckt man sogar Trittspuren.

    [​IMG]

    Besser als Golfplatz - Steilrasen!

    [​IMG]

    Etwas nach links.


    [​IMG]

    Jaja, ganz korrekt ist der Horizont nicht, es bleibt aber steil ...

    Gute Stufen machen den Aufstieg zum Fest. Und siehe da: der Wind hat das Gras in den exponierten Lagen sogar schon halbwegs abgetrocknet.

    [​IMG]

    Der anspruchsvollste Teil der Rotwand will gemeistert werden: eine Rippenquerung mit anschließendem schrofigerem Abschnitt (I+)

    [​IMG]

    Querung der Rippe.

    [​IMG]

    Über eine Grasrampe steigt man in die Schrofen. Gerade bei Restfeuchte muss hier auf den erdigen Tritten und schmierigen Felseinlagerungen absolut konzentriert gestiegen werden.

    [​IMG]

    Bedachtes Schrofenkraxeln.

    [​IMG]

    Verlassen des steilsten Stückes ...

    [​IMG]

    ... und weiter in schönem Steilgras ...

    [​IMG]

    ... zum ziemlich einsamen "Kreuzpunkt" der Elmer Rotwand (eigentlich eher eine Schulter). Ab und an steigen erfahrene Einheimische hier herauf, mehr als zehn Einträge pro Saison sind aber die Ausnahme.

    [​IMG]

    Die herrliche Führe auf die Elmer Rotwand, den Ausgangspunkt für die Pfeilspitzüberschreitung.

    [​IMG]

    Ausdampfende Restfeuchte.

    [​IMG]

    Verheißungsvoller Blick auf die Gratetappe zur Pfeilspitze.

    [​IMG]

    Gourmet-Gratwandern.

    [​IMG]

    Hauptgipfel Rotwand und Pfeilspitze.


    Eine Art Gendarm im Grat versperrt einen direkten Übergang. Die alten Führer bewerten diese Passage mit III-IV, sie lässt sich allerdings relativ unstressig umgehen, ...

    [​IMG]

    ... indem man eine sich geradezu aufdrängende Rinne hinabsteigt und den senkrechten Gratzacken links auf einem Erdband umgeht. Warum diese logische Variante in keinem der alten Führer erwähnt wird - der neue AVF verzichtet sogar ganz auf den Vorschlag einer Überschreitung -, bleibt ein Rätsel.

    [​IMG]

    Abstieg Rinne (I-II).

    [​IMG]

    Nach dem Erdband steigt man über steiles Gras wieder zum Grat auf.

    [​IMG]

    Schmale Passage am Grat.

    [​IMG]

    Hauptgipfel Elmer Rotwand.

    [​IMG]

    Vom Hauptgipfel der Rotwand steigen wir über gestuftes, felsdurchsetztes Gelände ab (I).

    [​IMG]

    Schneide zur Pfeilspitze ...

    [​IMG]

    ... mit Steingärtchen.

    Kaum zu glauben, dass die Schwierigkeiten hinauf zum Gipfel den I. Grad nicht mehr übersteigen.

    [​IMG]

    Rückblick Abstieg Rotwand-Hauptgipfel.

    [​IMG]

    Am Gipfelkopf der Pfeilspitze.

    [​IMG]

    Gipfelkreuz Pfeilspitze, ...

    ... ebenfalls selten besucht. Viele der wenigen kommen vom Stablsee hinauf, oder auch über die steilen Bschlabser Wiesenhänge, was vermutlich die einfachste Variante sein dürfte (vgl. AVF). Die komplette Überschreitung wird nur ab und an durchgeführt.

    [​IMG]

    Direkt vom Gipfel der Pfeilspitze steigen wir nun über erstaunlich feste Stufen (bis II, wohl auch umgehbar) zu einer Art Vorbau hinab.

    [​IMG]

    Abstieg Pfeilspitze im oberen Teil.


    [​IMG]

    Überblick.

    [​IMG]

    Ausgesetzter Steilabbruch.

    Der direkte Abstieg vom Vorbau hinab zum Grat ist die gefühlt anspruchsvollste Passage der Tour, sie lässt sich aber auf Trittspuren in der dem Stablsee zugewandten Seite etwas einfacher umgehen. Die untersten Abbrüche werden umgangen.

    [​IMG]

    Brüchiges, lose eingelagertes Hornsteinmaterial und kleine, erdige Tritte wollen in einer 60°- Flanke mit Vorsicht genossen werden. Bei ruhiger Gangart und entsprechender Umsicht ist das aber zu schaffen.

    [​IMG]

    Stotziges, sehr anspruchsvolles Stück.


    Die Felsen werden rechts umgangen.

    [​IMG]

    Ein letzter steilerer Grashang besiegelt den fordernsten Teil der Überschreitung. Ein paar hundert Höhenmeter müssen bis zur Elmer Kreuzspitze noch zurückgelegt werden. Ganz darf man jedoch nicht abschalten, denn die Gratwanderung und auch der Abstieg bleiben, vor allem bei Restfeuchte, durchaus erwähnenswert (evtl. bis I).

    [​IMG]

    Auf und Ab zur Bschlabser Kreuzspitze.

    [​IMG]

    Ein prächtiger Stock Alpenastern.

    [​IMG]

    Hinauf zur Bschlabser Kreuzspitze, ...

    ... hier kann man nochmal die Lungen rasseln lassen.

    [​IMG]

    Gipfel Bschlabser Kreuzspitze.

    [​IMG]

    Fleckenmergelkamm zur Mittleren Kreuzspitze.

    [​IMG]

    Unterhalb der Mittleren Kreuzspitze.

    [​IMG]

    Pfeilspitze und Stablsee.

    [​IMG]

    Gipfel Nr.5 ...

    ... den höchsten von allen ziert "nur" ein Steinmanndl.
    [​IMG]

    Gipfelaufbau Pfeilspitze, ...

    ... genial und einmalig. Unglaublich, dass man hier ohne Todesangst durchsteigen kann. Vom Hauptgipfel gehts hinab auf die Schneide des Vorbaus. Dann entweder Querung durch die Flanke oder vom kleinen Höcker links schier in Falllinie zum grünen Anschluss des Grates.

    [​IMG]

    Blick auf die Elmer Kreuzspitze.

    [​IMG]

    Versicherte Passage.

    [​IMG]

    Gipfel Elmer Kreuzspitze.

    [​IMG]

    Über den Normalweg geht es nun hinab zur gemütlichen Stablalm, beseelt von dem Gedanken um ein eiskaltes, geiles Bier sogar recht fix. Und mit Handschlag und nem Stamperl Obstler begrüßt zu werden, das gibts auch nicht alle Tage ...

    [​IMG]

    In den Wiesen unterhalb einer kleinen Hütte, ...

    ... bald spenden Bäume und Waldpassagen sogar kühlenden Schatten. Die letzten wenigen hundert Höhenmeter von der Alm nach Elmen fallen nach der Pause sogar unerwartet genehm aus, vermutlich aber nur, da man weiß, unten ein zweites Auto geparkt zu haben ...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10. September 2015
  2. AW: Elmer Rotwand (2.334m) und Pfeilspitze (2.469m) - die klassische Überschreitung

    Astreine Tour, Jungs!
     
  3. Bonsai_Kitten

    Bonsai_Kitten Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    21. Juli 2014
    Beiträge:
    5
    Bilder:
    1
    Die Tour ist toll. Ich glaube, der beschriebene Aufstieg zur Rotwand folgt nur ungefähr bis zur 1.Hälfte der Ideallinie. Ich bin in der oberen Hälfte weiter nördlich gegangen, auf einem schwach ausgeprägten Gratrücken nach. Da ist das Gras perfekt gestuft.
    Beim Abstieg von der Pfeilspitze lohnt es sich, das am optimal gestufteste Gelände ausfindig zu machen. Trotzdem Vorsicht, der Hornstein ist nicht immer fest!
     
    Admin gefällt das.
Die Seite wird geladen...