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Mittelschwere Bergtour Gliegerkarspitze Ost- und Hauptgipfel sowie Überschreitung der Bretterspitze

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 4. Juli 2012.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Feine Kombination zweier mächtiger Gipfel in der Hornbachkette, die vor allem beim Übergang vom Ost- zum Hauptgipfel der Gliegerkarspitze dem erfahrenen Steiger viel Freude bereitet.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 7 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.650 Hm / 13,5 km
    [​IMG] Schwierigkeit bis II+(III-) / T4-5
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Tobias, Johannes, Thom

    Jeder berginteressierte Allgäu-Liebhaber ist sicher mal über eine Beschreibung zum Übergang vom Ostgipfel zum Hauptgipfel der Gliegerkarspitze im Internet oder im Wanderführer gestoßen. Teilweise ist hierbei von heiklen und kompliziert anmutenden Umgehungen einiger Gratpassagen die Rede, im alten AVF sogar von einem weiten Spreizschritt. Der felsgewandte Tourenaspirant sollte sich hierdurch allerdings nicht verunsichern lassen. Der Übergang vom Ost- zum Hauptgipfel der Gliegerkarspitze ist für mein Dafürhalten klar definiert - hierzu später mehr. Neben diesem kurzen, aber spannenden und überaus lohenden Übergang besitzt diese Tour ein weiteres Schmankerl - der Aufstieg über den Westgrat der Bretterspitze. Dieser wird selbst beim Halten der Gratkante nie schwerer wie II+/III- und bietet so manchen kurzen Felsaufschwung, welche auch erfahreneren Bergsteigern den ein oder anderen Schmunzler entlocken wird. Der Rest der Tour ist leicht (max.I) und erfordert keinen großen Orientierungssinn. Dennoch sind Schwindelfreiheit und perfekte Trittsicherheit sowie ausreichende Kondition natürlich obligat. Ausgangspunkt für diese herrliche Runde ist der Parkplatz kurz nach dem Örtchen Hinterhornbach auf der anderen Seite des Hornbaches. Von hier aus geht es auf gut markiertem Pfad in knapp 1:45 Stunden hinauf zum genial platzierten Kaufbeurer Haus.

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    Zur frühen Morgenstunde ist der Wald im Aufstieg zum Kaufbeurer Haus noch in ein samtenes Tuch aus seichtem Sonnenlicht und Dunst gehüllt - eine fast mystische Stimmung und ein guter Einstand in den Tag.

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    Mit zunehmender Höhe geben die Baumwipfel die Berggestalt des Hochvogels frei. Egal wie oft ich diesen Prachtskerl sehe, ich bin immer wieder fasziniert. Tourenberichte: von Hinterstein aus bzw. von Hinterhornbach über den Bäumenheimer Höhenweg auf den Hochvogel.

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    Die letzten Meter hinauf ins Urbeleskar. Von hier aus wirkt die Bretterspitze völlig unscheinbar. Rechts daneben die Gliegerkarspitze, die deutlich formschöner über dem Urbeleskar aufragt. Wer genau hinsieht, kann schon das Kaufbeurer Haus etwas rechts der Bildmitte erkennen.

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    Am Kaufbeurer Haus. Hinten der Hochvogel. Nun folgen wir dem hier beginnenden Enzensberger Höhenweg ins hintere Urbeleskar.

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    Auf markiertem Wanderweg geht es ins hintere Urbeleskar, bis der Weg knapp unterhalb der Nordwände der Bretterspitze eine scharfe Kehre Richtung Osten vollzieht (nach links). Direkt in der Kehre leiten uns Pfadspuren nach rechts auf den Nordostrücken der Gliegerkarspitze (hier rechts zu erkennen).

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    Im unteren Bereich des NO-Rückens lag bei unserer Begehung noch einiges an Schnee, dennoch fällt die Orientierung dem geschulten Auge nicht schwer.

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    Diese Schneefelder bescheren uns im weiteren Aufstieg sogar die ein oder andere anregende Kraxelei (bis I+). Man hätte aber genauso über den trittigen Schnee aufsteigen können - jedoch macht der Fels deutlich mehr Laune.

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    Der Ausstieg vom NO-Rücken auf den Gipfelgrat der Gliegerkarspitze (Ostgipfel) ist dann schon etwas ausgesetzter, dennoch nicht schwierig (I). Zahlreiche große Eisenstifte, die zu einer alten und nicht mehr gewarteten Steiganlage gehören, machen die Orientierung fast zum Kinderspiel.

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    Blick vom Ostgipfel der Gliegerkarspitze auf den Westgrat der Bretterspitze, welchen wir später noch überschreiten werden. Orientiert man sich stets an der Gratkante, so locken Klettereien bis (II), der letzte Aufschwung zum Gipfel befindet sich sogar im unteren III. Schwierigkeitsgrad.

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    Am bekreuzten Ostgipfel der Gliegerkarspitze nehmen wir eine kleine Stärkung zu uns und genießen von hier oben die prächtige Aussicht.

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    Blick vom Ostgipfel auf den Verbindungsgrat und den Hauptgipfel der Gliegerkarspitze - wilde, fast unberührte Felslandschaft par Excellence. Der Übergang teilt sich in 4 unterschiedliche Abschnitte auf. Zunächst gilt es den Überhängenden Westabbruch des Ostgipfels zu umgehen. Danach folgt die Umgehung bzw. Überschreitung eines mächtigen und steilen Gratturmes. Die berühmte helle Platte ist einfach zu überwinden und bildet den 3. Abschnitt. Zu guter letzt gilt es den steilen Gipfelaufschwung des Hauptgipfels zu überwinden.

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    Die Überhängenden Westabbrüche des Ostgipfels umgeht man am einfachsten, in dem man wieder etwas nach Nordosten über teils splittrige Schrofen auf ein gut gangbares Geröllband nach unten klettert (I), welches uns in die Felsnische westlich des Gliegerkar-Ostgipfels führt.

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    Da die uns bekannten Beschreibungen zum Übergang alle empfehlen, den ersten Gratturm über ein steiles Rinnensystem zu umgehen, steige ich wenige Meter in sehr brüchigem Gelände in die Nordflanke hinab (II-), um dann wieder deutlich einfacher über eine zweite, mildere Rinne (I) aufzusteigen. Tobi und Jo entscheiden sich für die direkte Überschreitung des Gratturmes (II+), welche sich im Nachhinein als die definitiv lohnendere Variante herausstellen wird. (Bild folgt weiter unten)

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    Blick vom oberen Ende der wirklich leicht zu begehenden hellen Platte auf den mächtigen Gratturm und die Westabbrüche des Ostgipfels. Bei genauem hinsehen kann man den 2 Meter lang gewachsenen Jo gerade so erkennen. Der Abstieg vom Grattrum ist einiges leichter (I+). Die Überschreitung ist allerdings etwas ausgesetzt. Nach der hellen Platte folgt nun der steile Gipfelaufschwung hinauf zum Hauptgipfel.

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    Man kann diesen direkt an seiner rechten, ca. 8 Meter hohen Ostkante erklettern (III, sehr ausgesetzt) oder man folgt einem ebenfalls ausgesetzten, aber ganz gut gangbaren Geröllband wenige Meter in die Nordflanke, um dann eine fast 180° Wende nach links wieder hinaus zum Grat zu vollziehen. So gelangt man an einen von unten auffallenden Block direkt am Grat, über den man mit 2 Züge etwas links des Grates sehr ausgesetzt (II-) und spannend nach oben klettern kann. Tobias befindet sich gerade am Block-Ausstieg. Danach geht es mehr oder weniger einfach über den nur noch mäßig ansteigenden Gipfelgrat auf den höchsten Punkt der Gliegerkarspitze und seinem mächtigen Steinhaufen.

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    Blick vom Hauptgipfel der Gliegerkarspitze auf den westlichen Teil der gewaltigen Hornbachkette.

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    Der majestätische Hochvogel grüßt von der anderen Seite des Hornbachtals.

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    Wieder im Abstieg am blockigen Grat. Die Füße können auf einem schmalen Felsband platziert werden, für die Hände gibt es wenige aber überwiegend feste Griffe. Direkt unter uns brechen die Südwände der Gliegerkarspitze rassig in die Tiefe.

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    Auch der Abstieg über die helle Platte bereitet dem trittsicheren Geher keine Schwierigkeiten.

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    Direkt am Grat klettern wie zurück in Richtung Ostgipfel. Tobias wählt die Variante der Nordumgehung, um sich so hiervon ebenfalls ein Bild machen zu können.

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    Dieses Bild soll verdeutlichen, dass der Anstieg über den Gratturm kein Pappenstiel ist. Etwa 10 Meter in meist kleingriffigem, etwas splittrigem Fels sind hierbei zu überwinden. Dem felsgewandten Bergsteiger bereitet dieser Gratturm aber auf alle Fälle mehr Freude als Probleme!

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    Nachdem wir uns wieder durch die Felsnische unterhalb des Ostgipfels "gezwängt" haben, steigen wir rasch über den Ostrücken des Gliegerkar-Ostgipfels hinab in die Bretterscharte, wo der schöne Westgrat der Bretterspitze ansetzt. Links die formschöne Urbeleskarspitze, deren Besteigung ebenfalls lohnend ist.

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    Einstieg zum Westgrat der Bretterspitze. Die Schwierigkeiten bewegen sich meist im I. Grad. Drei steilere Grataufschwünge liegen im II. Schwierigkeitsgrad und der Gipfelaufschwung kann bei seiner direkten Ersteigung gut und gern mit (III-) bewertet werden.

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    Herrliche, leichte Kletterei im Mittelteil des Westgrates - schnell gewinnen wir an Höhe.

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    Der Fels ist überraschend fest. Dennoch sollten Griffe und Tritte sorgsam geprüft und gewählt werden. Im Hintergrund thront der von hier turmartig und mächtig steil wirkende Ostgipfel der Gliegerkarspitze.

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    Eine der Plaisirstellen am Westgrat der Bretterspitze. Ein steiler Grataufschwung fordert etwas Armkraft und macht richtig Laune (II+). Die Klettereien am Westgrat sind zwar zum Teil ein wenig luftig, aber nie wirklich ausgesetzt.

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    Im letzten Aufschwung unterhalb des Gipfel der Bretterspitze. Hält man sich eher rechts, so kommt man mit einer (II) noch hin. Hält man sich direkt an der Gratkante, steigen die Schwierigkeiten nochmals etwas an (III-). Der letzte Steilaufschwung ist im Gegensatz zum restlichen Westgrat recht brüchig und erfordert vorsichtiges Steigen!

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    Auch am Gipfel der Bretterspitze sind wir völlig allein. Aufziehender Wolkendunst verwehrt uns den sonst herrlichen Ausblick von hier oben. Nach einer genüsslichen Vesperpause steigen wir in Richtung Schwärzerscharte über den Ostgrat der Bretterspitze ab.

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    Auch der blockige Ostgrat der Bretterspitze, über welchen der Normalweg verläuft, bietet im Gipfelbereich noch mal einige wenige leichte Kraxelstellen (I). Beeindruckend sind die Tiefblicke in die gelbe, steile Südwand der Bretterspitze.

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    Kurz vor erreichen der Schwärzerscharte biegt der Normalweg nach links hinab ins Urbeleskar. Leider sind die Schwierigkeiten am SW-Grat der Urbeleskarspitze (IV+?) ein wenig zu hoch für einen direkten Übergang.

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    Beim Abstieg ins Urbeleskar der Blick auf den Doppelgipfel der formschönen Gliegerkarspitze.

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    Die im oberen Urbeleskar befindlichen Schneefelder, welche beim Aufstieg über den NO-Rücken der Gliegerkarspitze noch sehr steil wirkten, entpuppen sich als gut gangbar.

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    Auf den Schneefelder geht es schnell dem Kaufbeurer Haus entgegen ...

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    ... wo wir auf der kleinen gemütlichen Aussichtsterrasse uns nochmals eine Vesperpause gönnen.

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    Blick vom 5. Bänkla hinüber zur sehr anspruchsvollen Schwellenspitze - rechts daneben die Wasserfallkarspitze und der mächtige Nordgrat der Urbeleskarspitze. Auf bekanntem Wanderweg steigen schließlich wir hinab ins Hornbachtal.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. März 2014
  2. Kieselwiesel

    Kieselwiesel Registrierter Benutzer

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    2
    Mittlerweile gibt es auch 1-2 Bohrhaken am Übergang vom Ostgipfel der Gliegerkarspitze zum Hauptgipfel.
    Einer befindet sich oberhalb der klettertechnischen Schlüsselstelle mit einem Abseilkarabiner drin.
    Wenn mich mein Blick nicht getäuscht hat, dann befindet sich auch auf dem heikel zu überkletternden Turm am oberen Ende ein Bohrhaken.
     
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  3. Alpenindianer

    Alpenindianer Registrierter Benutzer

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    Ort:
    Sonthofen
    Geparkt neben der Kirche in Hinterhornbach (2 EUR Gebühr ohne Beleg). Aufstieg über Kaufbeurer Haus ins hintere Urbeleskar und dann auf die östliche Gliegerkarspitze bzw. zurück in die Scharte und über den Westgrat auf die
    Bretterspitze. Dann in die Schwärzer Scharte und auf dem Enzensberger Wge zurück zum Kaufbeurer Haus und Abstieg
    nach Hinterhornbach. Zeitbedarf mit Pausen 7 Stunden. Immer Aufrecht und nie überheblich.
     
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