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Schwere Bergtour Hüttenkopf (2.208m), Sechszinkenspitze (2.213m) und Überschreitung Angererkopf (2.263m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 20. Juli 2013.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Recht anspruchsvolle Bergfahrt auf die nur selten besuchten Gipfel der Mindelheimer Hütte.

    Tour-Bewertung:


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    ca. 7 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.350 Hm / 12 km
    [​IMG] Schwierigkeit II+ / T5+
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Johannes, Thom

    Sicher werden die meisten bergbegeisterten Allgäufans schon mal am Fuße dieser drei Berggestalten auf dem Weg hinauf zur Mindelheimer Hütte vorbei geschlendert sein, die allerwenigstens jedoch ziehen eine direkte Besteigung in Erwägung. Auf Grund vieler sanierter Kletterrouten an Sechszinkenspitze und Angererkopf gelangen aber zu mindestens einige Kletterer auf die zum Teil äußerst selten besuchten Gipfel. Dies wird auch in Zukunft wohl so bleiben, stellen die Gipfel doch eher anspruchsvolle Ziele dar, welche eine hohes Maß an Trittsicherheit und ein wenig Klettergeschick verlangen. Leider konnten wir an diesem Tag die geplante und für mein Dafürhalten auch eleganteste Route nicht realisieren. Der Aufstieg von der Kemptner Scharte über den NO-Grat hinauf zur Sechszinkenspitze - welcher teils leicht überhängende Klettereien, sehr anspruchsvolles Gehgelände und oft enorme Ausgesetztheit bietet - war an diesem Tag für uns zumindest nicht sicher zu bewältigen. Daher wurde kurzer Hand umgeplant: zunächst auf den Hüttenkopf, dann der Sechszinkenspitze einen kurzen Besuch über die Normalroute abstatten und letztendlich die anspruchsvolle Überschreitung des Angererkopfes. Ausgangspunkt für diese Rundtour ist der Wanderparkplatz am Bergheim Moser, wo der PKW für 3,00 € / Tage abgestellt werden kann. Von hier aus geht es über den bestens bekannten Feldweg hinauf ins obere Wildental in Richtung Mindelheimer Hütte.

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    Blick aus dem oberen Wildental hinüber zum Hohen Ifen und der Oberen Gottesackerwand.

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    Kurz unterhalb der Hinteren Wildenalpe auf 1.777 Metern. Dahinter das grüne Kemptner Köpfle, Kemptner Scharte, Sechszinkenspitze und den nur wenig ausgeprägten Hüttenkopf. Rechts der Hütte etwas verdeckt Angererkopf und Liechelkopf.

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    Nur wenige Meter neben dem Aufstiegsweg zur Kemptner Scharte sonnte sich dieser kleine Steinbock - von Scheu keinerlei Spur.

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    Mit zunehmender Höhe wird der Anstieg hinauf zur Kemptner Scharte deutlich abwechslungsreicher und spannender. Der herrliche Zacken im Hintergrund ist P.2075 im mächtigen NO-Grat des Elferkopfes. Nach erreichen der Kemptner Scharte und der Umkehr am sehr schweren NO-Grat der Sechszinkenspitze, entschließen wir uns, Hüttenkopf und Sechszinkenspitze über den "Normalweg" zu besteigen.

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    Blick von Süden auf das recht wilde Massiv der Sechszinkenspitze. Am rechten unteren Bildrand ist der Wanderweg, welcher zwischen Kemptner Scharte und Mindelheimer Hütte verläuft, zu sehen. Wir steigen von hier aus weglos über Grashänge empor - unser nächstes Ziel ist die Scharte zwischen Sechszinkenspitze und dem Hüttenkopf, welcher gerne auch als Mindelheimer Köpfle bezeichnet wird.

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    Der Weg hinauf in die eben erwähnte Scharte wird allerdings schnell anspruchsvoller. Nach einigen Höhenmetern wechselt der gutmütige Grashang in die hier sichtbare Schrofenrinne, welche bis direkt zur Scharte hinaufzieht. Wir folgen ihr nur soweit, bis sie recht "sauber" und glatt wird und steigen dann in den rechten Begrenzungsschrofen hinauf in die Scharte (I-II). Mit etwas Übersicht und der nötigen Erfahrung gut machbar.

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    Blick aus der Scharte zwischen Sechszinkenspitze und Hüttenkopf hinüber zum Angererkopf mit seinen wilden NO-Abstürzen und dem teils begrünten Liechelkopf halb rechts.

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    Wir entscheiden uns in der Scharte zunächst für den Anstieg auf den Hüttenkopf. Im Nachhinein betrachtet wäre zuerst die Besteigung der Sechszinkenspitze sinnvoller gewesen, da wir danach den Hüttenkopf bis hin zum Angererkopf hätten überschreiten können - aber sei es drum. Da der NO-Grat des Hüttenkopfes teils überhängend in die Scharte abstürzt, müssen wir zunächst über ein abdrängendes und luftiges Felsband (II) nach links in die herrlich begrünte SO-Flanke hinausqueren.

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    Auf dem angesprochenen Felsband, die Tritte und Griffe sind überwiegend fest, aber recht klein. An dieser Stelle heißt es zum ersten Mal - Obacht! Bei der gebotenen Vorsicht aber ein echter Genuss.

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    Auf den teils steilen SO-Hängen geht es dann auf geschicktester Route hinauf zum Gipfel des Hüttenkopfes. Vegetation und Tiefblicke lassen den Touri-Weg weiter unten schnell vergessen - hier wird man schätzungsweise nur selten auf andere Bergsteiger treffen. Im Hintergrund der steile Gipfelaufbau der Sechszinkenspitze, links davon die Hammerspitzen und rechts das begrünte Kemptner Köpfle.

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    Am wohl nur selten betreten Gipfel des Hüttenkopfes. Nur ein kleines Steinmannl ziert den höchsten Punkt. Sicherlich würde sich ein Gipfelbuch hier oben einige Jahre halten.

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    Blick vom Gipfel des Hüttenkopfes auf den Angererkopf mit seinem nur wenig ausgeprägten SO-Grat (vom Vorgipfel nach halb links unten ziehender, sehr steiler Felsgrat, der knapp rechts vom saftig-grünen Fleck fußt), über welchen wir später aufsteigen werden. Im Hintergrund Walser Gaishorn und Liechelkopf.

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    Wieder im Abstieg zur Scharte zwischen Hüttenkopf und Sechszinkenspitze. Das Foto dürfte jedem Tourenaspiranten aufzeigen, das es sich hier nicht um einen Spaziergang handelt. Das Gelände ist meist sehr steil und ausgesetzt, die Felseinlagerungen in der Flanke sind teilweise mit Vorsicht zu genießen. Auf Grund der Nähe zum Weg sollte Steinschlag zudem unbedingt vermieden werden.

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    Übergang von der Scharte hinüber zur Sechszinkenspitze, das Gelände bleibt überwiegend stotzig und erfordert einen sicheren Tritt. Die Kletterschwierigkeiten liegen zumeist im I. Grad, kleine Auf- bzw. Abschwünge liegen knapp darüber. Die Orientierung fällt nicht schwer, dennoch kann etwas Gespür für die angenehmste Route sicher nicht schaden.

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    Der kurze Aufstiegshang hinauf zum Gipfelkamm der Sechszinkenspitze liegt vor uns. Das Gelände wirkt recht einfach und gut gestuft, fühlt sich aber bei der Durchsteigung etwas anspruchsvoller an. Hauptgrund hierfür ist der recht unzuverlässige Fels und die vielen losen Felseinlagerungen.

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    Vom höchsten Punkt der ersten "Zinke" lässt sich bereits das Gipfelkreuz der Sechszinkenspitze erkennen. Der Übergang dort hin hält kaum nennenswerte Schwierigkeiten parat, leichte Kraxelei und nur mäßig anspruchsvolles Gehgelände.

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    Nur eine kleine etwa zwei Meter hohe Wandstufe (II-) muss ein wenig kraftaufwendiger abgeklettert oder wie in Jos Fall "abgesegelt" werden.

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    Dann haben wir auch den kleinen Gipfel der Sechszinkenspitze erreicht. Das Gipfelbuch von 1970 ist etwas mehr wie halb voll und zählt nur wenige Einträge pro Saison - und das ist gut so! Für den Abstieg wählen wir die Aufstiegsroute...

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    ...allerdings steigen wir nicht bis ganz zum Höhenweg der Mindelheimer Hütte hinab, sondern queren unter den steilen Felsaufbauten des Hüttenkopfes über Grasschrofen hinweg in Richtung Angererkopf.

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    Die Schwierigkeiten sind bei der Querung durchwegs moderat, es gibt keine Kletterstellen. Schon bald steigen wir auf die nur wenig ausgeprägte SW-Kante des Angererkopfes zu.

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    Nach einiger Zeit treffen wir auf einen markierten Weg, welcher die kletterbegeisterten Besucher der Mindelheimer Hütte rasch an die feinen und bestens abgesicherten Kletterrouten am Angererkopf leitet. Wir umkurven den hier sichtbaren kleinen Felsaufbau und steigen dann über steiles Gras in möglichst direkter, günstigster Linie in Richtung Vorgipfel an.

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    Mit zunehmender Höhe wir es steiler und auch deutlich ausgesetzter, wir halten uns am Einstieg (gebohrter Stand) etwas weiter links, was einem schöne, sehr ausgesetzte aber nicht zu schwere Klettereien (bis II+) beschert.

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    Der Anstieg über Grasschrofen ist wie hier zu sehen nur etwas für trittsichere Geher, die die nötige Erfahrung in solchem Gelände mitbringen. Ebenfalls sollte tunlichst Steinschlag vermieden werden, da Steine und Felsen in direkter Linie auf den weiter unten verlaufenden Wanderweg sausen würden!

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    Nach ca. 30 mit unter sehr steilen Klettermetern folgt die psychologische Schlüsselstelle der Tour - eine nur wenige Meter lange Querung nach rechts über einen sehr ausgesetzten, jedoch überwiegend festen Felsriegel (II+).

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    Danach geht es wieder deutlich einfacher und kaum exponiert hinauf zum Vorgipfel und weiter zum höchsten, bekreuzten Punkt des Angererkopfes.

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    Der mit einem kleinen Kreuz versehene Gipfel des Angererkopfes von Nordwesten aus gesehen. Zwar weißt das Gipfelbuch die meisten Einträge der heut bestiegenen Gipfel auf, doch auch hier werden es nur selten mehr als 30 Besucher pro Jahr.

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    Der Abstieg in die kleine Scharte nordwestlich des Angererkopfes fällt viel einfacher aus, als wir zuerst angenommen haben. Lediglich die letzten Meter hinab in die Scharte fordern ein wenig Kletterfertigkeiten (I+).

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    Dann folgen wir der nach Nordosten verlaufenden, immer noch schneeverfüllten Rinne hinab in Richtung Hintere Wildenalpe. Die eingeschlagenen Haken verraten uns, dass dieser Weg im Winter auch von Tourengehern hinauf zum Angererkopf verwendet wird - eine Winterbesteigung setzt allerdings mächtig viel Erfahrung in teils steilem Absturzgelände voraus.

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    Später flüchten wir notgedrungen aus der Randkluft des Schneefeldes und steigen vorsichtig meist steil nach unten. Ausrutschen wäre hier sicher keine gute Idee... Nachdem wir das Schneefeld hinter uns gelassen haben, geht es über Geröllhalden und Weidewiesen hinab zur Hinteren Wildenalpe.

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    Blick aus dem oberen Wildental hinüber zum Walmendinger Horn und Hohen Ifen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. September 2013
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