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Empfohlen Klettern Han-Ton (VI+) am Hüttenkopf der Totalphütte

Dieses Thema im Forum "Klettern & Bouldern" wurde erstellt von Thom, 19. Juni 2023.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Die wohl alpinste, für kletternde Bergsteiger sehr lohnende Route am Hüttenkopf der Totalphütte mit einer beeindruckend steilen Schlüsselseillänge. Früh im Jahr sind Steigeisen und Pickel für Zu- und Abstieg oftmals ratsam.

    [​IMG] Tourenzeit ca. 5 Std. / Kletterei ca. 2 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 750 Hm / ca. 220 Hm Kletterei / 400hm Bahnfahrt
    [​IMG] Schwierigkeit VI+
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Tobi, Thom

    Zwar können zur frühen Jahreszeit noch ordentliche Schneemengen in Zu- und Abstieg vorhanden sein, allerdings ist dieses Gebiet vor Öffnung von Totalphütte bzw. Mannheimer Hütte zu dieser Zeit deutlich weniger frequentiert, als dies in der Hauptsaison der Fall ist - was die Unternehmung unserer Meinung nach noch angenehmer macht. Wer also Lust auf einen kleinen Kletterausflug im Rätikon hat und nicht über die Beherrschung des 10.-11. Gades verfügt - um zum Beispiel eine der legendären Routen an den Kirchlispitzen oder der Drusenfluh zu klettern - dem sein diese hier vorgestellte moderate Klettertour ernsthaft empfohlen. Früh in der Saison können hierfür dann Pickel und evtl. Steigeisen erforderlich / ratsam sein - in unserem Fall war die Steilgrasharke ausreichend, da der Schnee vernünftig zu begehen war. Die Route selbst ist für Rätikonverhältnisse sehr gut abgesichert, weiteres Sicherungsmaterial wie Friends oder Keile ist nicht erforderlich. Blickt man auf die Topo des Kletterführers, so erscheint einem die Kletterei vielleicht etwas inhomogen, aber gerade dies macht den alpinen Charakter solch einer Route aus und tut dem Spaß der Unternehmung keinerlei Abbruch. A propos (Ab-)Bruch - wie so oft in alpinen Route gibt es auch hier Kletterabschnitte mit nicht ganz festem Fels (besonders in der 2. SL), auch liegt auf den wenigen Bändern natürlich loses Material herum. Mit etwas Vorsicht und Geschick lässt sich aber Steinschlag einigermaßen vermeiden. Die anderen Seillängen sind aber durch festen, griffigen Fels geprägt. Die sehr steile und in den Schwierigkeiten recht anhaltende Schlüssellänge erfordert etwas Ausdauer in den Unterarmen und gutes Antreten - dann ists einfach nur Genuss. Der Abstieg vom kleinen Gipfelchen des Hüttenkopfes ist ebenfalls alpin, erfordert besonders bei Altschneefeldern in der Rinne guten Tritt und ein Gespür für die beste Route, da das vom Hüttenwirt verlegte, blaue Fixseil sich zu großen Teilen noch unter der weißen Pracht befindet. Für den Zustieg hinauf zur Totalphütte kann man entweder bequem die 4 minütige Bahnfahrt hinauf zur Douglass Hütte wählen (21,50€ für Berg/Tal - Stand Juni 2023) oder man "hatscht" eben kostengünstig die 400Hm über die Kehren des "Bösen Tritts" nach oben zum Lüner See. Unserem Alter entsprechend entschieden wir uns für die bequemere Variante.

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    Ankunft am viel besuchten Lünersee. Zur frühen Jahreszeit halten sich hier aber fast mehr Hobby-Angler als Bergsteiger auf. Von hier geht es rechter Hand einige Meter am See entlang, bevor wir den kleinen Steig zur Totalphütte aufsteigen werden.

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    Nach kurzem Aufstieg wird der Blick zum ersten Mal auf unser heutiges Ziel frei. Der kleine Hüttenkopf in der Bildmitte mit seiner Südwand. Links der mächtige Gipfel des Zirmenkopfes.

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    Rückblick während des Hüttenaufstieges auf den Lünersee. Von der Hütte geht es dann in weitem Rechtsbogen über Schneefelder dem Einstieg der Han-Ton entgegen. Die letzten Meter erfordern sicheren Tritt.

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    Aufgrund der Schneefelder wird einfach in einer kleinen Felsnische "angeschnallt". Von hier starten wir in die ersten, griffige Seillänge (V-), welche über sehr guten Fels verfügt.

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    Schönes Anklettern in herrlich festen Kalkplatten machen Lust auf mehr.

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    Fester, trockener Fels kontra fast durchgehende Schneefelder Mitte Juni 2023.

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    Die zweite Seillänge startet mit einer schönen Verschneidung (IV+), weiter oben wird es dann leider etwas brüchig, hier muss recht sanft geklettert werden. Lässt sich in dem Schwierigkeitsgrad aber gut machen.

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    Die 3. Seillänge verläuft über eine kompakte Platte und anschließend etwas abdrängend um ein luftiges Eck (V-). Danach wir das Gelände deutlich einfacher (III+).

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    In der vierten Seillänge gibt es wieder ein paar lose Felsanteile (IV-), dennoch lässt sich das Ganze recht schön klettern. Weiter oben sieht man schon die sehr steile, gelbe Abschlusswand, durch welche die Schlüsselseillänge führt.

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    5. Seillänge: zunächst wir über glatte Platten angeklettert, bevor eine steile, seichte Verschneidung erklettert werden muss (VI). Aus dieser dann kurzer Quergang mit brüchigem Griff (VI+) nach rechts unter eine weitere, gelbschimmernde Verschneidung und an guten Griffen teils leicht überhängend nach oben (VI), wobei der Ausstieg aus der Verschneidung technisch mit der anspruchsvollste Abschnitt ist (VI+). Dann Stand auf bequemem Band.

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    Blick über die Abschlussverschneidung hinab zum Stand darunter. Eine klasse Seillänge!

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    Die 6. Seillänge beginnt nochmal richtig knackig (V+/VI-). Im abwärtsgeschichteten Fels muss ein kleiner Überhang überwunden werden, anschließend geht es über einen schönen Kamin (IV+) hinauf auf Schotterband. Geschafft. Beim Weiterweg zum Gipfel ist Vorsicht geboten, hier liegt extrem viel loses Material, das schnell ins rutschen geraten kann und dann unweigerlich in die Kletterrouten darunter fällt.

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    Am Gipfel des kleinen Hüttenkopfes angekommen.

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    Wir umgehen die teils steilen Schneefelder, unter welchen sich der "Normalweg" befindet etwas unterhalb auf meist gut gangbaren Schotterfeldern (II/T4-5).

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    Eine kurze Abkletterstelle hinein in die Abstiegsrinne liegt im III. Schwierigkeitsgrad.

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    Danach geht es zunächst über Fels (I-II) dem Fixseil folgend ...

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    ... hinab auf die ca. 40-45 Grad steilen Geröllfelder, über welche wir schnell hinab steigen können.

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    Letzter Ausblick ... dann gibt's noch einen kleinen Einkehrschwung an der Totalphütte, welche offiziell erst einen Tag später zur Sommersaison 2023 öffnen wollte. Freundliches Personal, kalte Getränke und gute Speisen wissen hier zu überzeugen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. April 2024
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