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Mittelschwerer Klettersteig Mindelheimer Klettersteig mit Aufstieg über das Wildental

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 26. Januar 2009.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Schöner und beliebter Eisenweg zwischen der Mindelheimer- und Fiederepass-Hütte. Zur Saison an den Wochenenden wegen extremem "Verkehr" nicht ratsam.

    Tour-Bewertung:


    [​IMG] Gehzeit: ca. 6 Stunden
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Strecke: 14,7 km / 1.664 Hm
    [​IMG] Schwierigkeit KS (B/C)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG] Tourengänger: Thom

    >>Galerie Mindelheimer Klettersteig<<

    Der von der DAV Sektion Mindelheim 1975 errichtete Klettersteig ist mittlerweile zu einem derart beliebten Ausflugsziel geworden, dass man diese Tour eigentlich kaum noch weiterempfehlen kann. Durch die an beiden Enden stationierten großen Hütten (Mindelheimer Hütte & Fiederepasshütte) wird auch konditionsschwächeren und unerfahreneren Bergsteigern der Klettersteig zugänglich gemacht. Dies hat zur Folge, dass man oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss und eine Menge Geduld mitbringen sollte, wenn die Touristenmassen schon am frühen Morgen die Geröllhänge vom Fiderepass zum Einstieg hinaufstolpern. Dennoch soll dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Tour unter der Woche im Frühsommer einiges zu bieten hat. Der Klettersteig selbst bewegt sich ausschließlich im leichten bis mittelschweren Schwierigkeitsgrad, ist jedoch absolut abwechslungsreich angelegt und auch für Klettersteigneulinge ein guter Einstieg (natürlich nur mit Sicherung !!!). Während des ganzen Klettersteiges genießt man einen einzigartigen Ausblick auf den Allgäuer Hauptkamm, von der Trettachspitze bis hinüber zum Biberkopf. Der Steig an sich ist mehr als ausreichend mit Eisenstiften, Stahlbügeln und Stahlseilen verwahrt. Der geübte Bergsteiger kann in diesem Terrain jedoch auf eine Klettersteigsicherung verzichten, ein Helm ist bei diesem Massentourismus jedoch äußerst ratsam.

    Die hier beschriebene Tour hab ich Mitte Juni als Solounternehmung in Angriff genommen. Mein Ausgangspunkt war der Wanderparkplatz in Schwendle im schönen Kleinwalsertal. Von dort mache ich mich frühmorgens auf den Weg in Richtung Wiesalpen hinauf ins Wildental.

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    Schon nach wenigen Minuten Fußmarsch erhascht man einen ersten Blick auf die "Walser Kerle", die drei mächtigen Schafalpenköpfe, über die der Mindelheimer Klettersteig führt. Die hier beschriebene Tour verläuft von links nach rechts.

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    Nachdem ich in zügigem Tempo die beiden Alpen passiert habe, genieße ich kurz den wunderbaren Blick vom Wildental aus auf Elferkopf links und Zwölferkopf rechts im Bild, über die auch eine einsame Route für Individualisten führt. Ich hoffe, diese Tour endlich in der Bergsaison 2009 gehen zu können.

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    Ein kleines Bächlein schlängelt sich seinen Weg durchs Wildental. Bis jetzt ist noch keine Menschenseele weit und breit zu entdecken.

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    Blick von oberhalb der Fluchtalpe (1.390 m) über das Kleinwalsertal hinweg. Von nun an geht es in etwas steileren Kehren hinauf in eine Hochmulde.

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    Blick von der Hochmulde aus auf die wild zerklüfteten Hammerspitzen. Eine ebenfalls absolut empfehlenswerte Traumtour für den geübten Bergsteiger.

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    Auf dem Fiederepass angekommen. Man kann jetzt schon den Weg erkennen, der über Geröll und Schneefelder hinauf zum Einstieg des Klettersteiges führt.

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    Frühlingsblumen und Schneewand.

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    Nach 1 Std. und 50 Min. erreiche ich die Fiderepasshütte, zum Verweilen bleibt jedoch keine Zeit da sich gleichzeitig mit mir ca. 40 Alpentouristen von der Hütte hinauf zum Einstieg in Bewegung setzen. Also muss ich nochmals ein recht hohes Tempo anschlagen, um mich an die Spitze zu setzen. Dies gelingt mir auch und so bin ich der erste am Einstieg zum Klettersteig und habe das seltene Glück, auf dem ganzen Klettersteig nur zwei Bergsteigern zu begegnen, die mir von der Mindelheimer Hütte entgegenkommen.

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    Die letzten vier Wanderer vor mir. Hier befinden wir uns in einer kleinen Scharte über den vorangegangenen Schotterfeldern. Dies ist jedoch noch nicht der eigentlich Einstieg.

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    Blick hinüber zur formschönen Hammerspitze.

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    Von der kleinen Scharte aus folgen wir dem Weglein meist direkt auf dem Grat oder leicht links daneben. Direkt vor uns der gewaltige Gipfelaufbau des 1. Schafalpenkopfes, an dessen Fuß sich auch der eigentliche Einstieg befindet.

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    Leicht dunstiger Ausblick vom Grat hinüber zum Allgäuer Hauptkamm.

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    Und nun gehts los. Der Einstieg ist zugleich auch die Schlüsselstelle des Mindelheimer Klettersteiges. Dieses kleine, zum Teil leicht überhängende Wändlein (B/C) sollte aber für den erfahrenen Bergsteiger kein Problem darstellen. Anfänger sollten keinen falschen Stolz zeigen und sich spätestens ab hier ins Sicherungsseil einklinken.

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    Nach dem Einstiegswändlein geht es in leicht exponierter Lage über zahlreiche Eisenbügel hinauf Richtung Gipfel des 1. Schafalpenkopfes. Die Schwierigkeiten bei der Spaßkraxelei sind eigentlich nicht nennenswert (A-A/B).

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    Auf diesem Foto ist gut zu erkennen, dass der Mindelheimer auch für Klettersteigneulinge ein spannendes und machbares Unternehmen darstellt, allerdings sollten diese nicht auf die entsprechende Klettersteigausrüstung (Helm, Gurt & Steigset) verzichten. Ausserdem sollte man bedenken, dass bei der Tagestour mit Auf- und Abstieg über das Wildental auch ein wenig Kondition erforderlich ist.

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    Kurzer Rückblick auf den soeben bewältigten Anstieg.

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    Auf dem 1. Schafalpenkopf (2.320 m) halte ich mich rechts und mache mich sogleich an den Abstieg hinab zum Verbindungsgrat zwischen 1. und 2. Schafalpenkopf (siehe Foto), um meinen komfortablen Vorsprung gegenüber den Teilzeitwanderern nicht einzubüßen.

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    Der Abstieg vom ersten Schafalpenkopf hinab zum Verbindungsgrat auf einen Blick. Gut ist auch die kleine senkrechte Leiter im unteren Abschnitt zu erkennen. Jedoch ist der Schwierigkeitsgrat hier im Abstieg nie schwerer wie (A/B).

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    Vom Verbindungsgrat hat man eine wirklich zauberhafte Aussicht auf die Fiderepass-Hütte und die Hammerspitzen.

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    Weiter gehts über den Verbindungsgrat, teilweise leicht versichert, teilweise aber auch über gut gangbare Weglein.

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    Hier der Aufstieg zum 2. Schafalpenkopf. Schwierigkeit kaum über (A/B), aber Spaß macht's auf jeden Fall.

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    Blick zurück auf den 1. Schafalpenkopf.

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    Selbst in der felsigsten Landschaft endeckt man immer wieder kleine botanische Überlebenskünstler. Hier ein stengelloser blauer Enzian.

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    Die kleine, berühmte, waagerechte Leiter am 2. Schalfalpenkopf mit zusätzlichem Sicherungsseil. Eigentlich sollte man glauben, dass dieses Brückchen auch für etwas unerfahrenere Bergsteiger kein Problem darstellt. Ich werde allerdings im Verlauf meiner Tour eines Besseren belehrt.

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    Kurz nach dem Brücklein führt der Weg ein Stück über eine seilgesichtere Rinne nach unten.

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    Nachdem ich den 2. Schafalpenkopf (2.301 m) schon fast hinter mir gelassen habe, bietet sich mir ein beeindruckender Blick auf den 3. Schafalpenkopf, im Vordergrund ein formschöner Gratturm, leider wird dieser etwas links umgangen, eine Übersteigung des Turmes hätte ich bevorzugt.

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    Bevor ich jedoch den Gratturm erreiche, muss ich zuerst noch ein fast 20m hohes Wändlein abklettern (B/C).

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    Nochmals der letzte Abstieg vom zweiten Kopf, in der Bildmitte sind die Eisenkrampen zu erkennen, für mich persönlich die spannenste Passage der Tour.

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    Der Blick zurück über die beiden bereits überstiegenen Gipfel. Von meinen Verfolgern ist weit und breit nichts mehr zu sehen. NOCH NICHT.

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    Einstieg am 3. Schafalpenkopf, ohne Schwierigkeiten folgt man dem Seil hinauf auf eine kleine Rippe und dann weiter nach links.

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    Danach muss ein kleiner Kamin (A/B) überwunden werden.

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    Als ich mich mitten im Aufstieg zum 3. Schafalpenkopf befinde und mich kurz umdrehe, muss ich feststellen, dass ein Wanderer, den ich im Aufstieg überholt hatte, plötzlich an seiner Klettersteigsicherung unterhalb der kleinen waagerechten Leiter baumelt. Ich traue meinen Augen nicht. Zum Glück kommen ihm ein paar weitere Bergsteiger schnell zur Hilfe und ziehen ihn mit vereinten Kräften wieder auf das Brücklein. Auf dem Foto hier ist zu erkennen, wie der Verunfallte auf dem Leiterchen noch sitzt. Es ist mir persönlich ein Rätsel, wie man an dieser Stelle abstürzen kann. Hier sei noch angemerkt, dass später noch zweimal der Hubschrauber im Klettersteig tätig war.

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    Nachdem das Brückenspektakel vorüber ist, konzentriere ich mich wieder auf meine Tour. An dieser Stelle steigt man nochmals kurz in ein kleines Schärtlein ab, ...

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    ... um sogleich wieder die letzten steilen Meter auf den 3. Gipfel (2.272 m) der Schafalpenköpfe emporzuklettern.

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    Nach dem letzten Gipfel setze ich meinen Weg zielstrebig in Richtung Kemptner Köpfle fort. Auf diesem Foto erkennt man, wie zerklüftet der Gipfelgrat des 3. Schafalpenkopfes ist, der so eben überschritten wurde.

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    Die letzte Kletterpassage, bevor sich der Weg über saftige Wiesen in Richtung Kemptner Köpfle schlängelt.

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    Felsenfenster am Wegesrand.

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    Der letzte Gipfel der Tour, das Kemptner Köpfle (2.191 m)

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    Vom Gipfel des Kemptner Köpfle erkennt man gut, wie der Abstieg teilweise über große Schneefelder führt, die jedoch kein Problem darstellen, da die Wege von fleißgen Helfern freigeschaufelt wurden. Von hier steige ich auf steilem Weg recht zügig ins schöne Wildental hinab.

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    Das Gipfelkreuz des Kemptner Köpfle ist noch zu erkennen.

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    Beim Abstieg durch das Wildental beeindruckt die äußerst üppige Vegetation.

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    Der um die Jahreszeit recht wasserreiche Wildenfall.

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    Ein letzter Blick zurück auf die Walser Kerle. Nach sechs Stunden geht eine wunderbare Solotour zu Ende. Fasst schon ein bisschen schade. Zusammenfassend lässt sich sagen: Tolle Tour für unter der Woche, am Wochenende brutal überlaufen, gute Kondition, Schwindelfreiheit sowie Trittsicherheit sind unumgängliche Voraussetzungen. Ich für meinen Teil bin sicher, nicht das letzte Mal an diesen Bergen gewesen. Auch wenn mich die Menschenmassen dort etwas abschrecken.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. April 2014
  2. AW: Mindelheimer Klettersteig mit Aufstieg über das Wildental

    Hallo Thom,

    danke für den klasse Tourenbericht!
    Ich plane für eines der nächsten Wochenenden die Tour zu machen..sofern der gute
    Wettergott es jetzt am Wochenende nicht zu gut meint mit dem Schnee..
    Eine Frage hätte ich da noch...Du bist ja der Beschreibung nach recht "flott" unterwegs gewesen
    ...sprich die 6 Stunden scheinen mir dann recht sportlich..
    Was denkst Du ist bei "normalem" Tempo realistisch?

    Würde mich über Antwort freuen!

    Danke + Grüße
    Martin
     
  3. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    AW: Mindelheimer Klettersteig mit Aufstieg über das Wildental

    Hi Martin,

    ich denke mit 7-8 Std. netto (ohne Pausen) wird man ohne großes Gerenne gut hinkommen.
    Hängt aber natürlich viel von der körperlichen Fitness und Gewandtheit im Klettersteig ab.
    Daher immer schwer zu pauschalisieren!
    Hoffe für dich, das am Wochenende nicht zu viel Schnee fällt.
    Sonst ist es vielleicht besser, das Vorhaben nochmals um eine Saison zu verschieben.
    Ich drück dir die Daumen und wünsche viel Spaß... und vorsichtig sein :wink:

    Gruß Thom
     
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