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Schwere Bergtour Mohrenkopf (1.645 m) über Ost-Sporn und Nordgrat

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 22. Mai 2009.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Sehr schwere Bergtour auf einen kleinen aber giftigen Gipfel. Schwierigkeitsgrad bis III im Fels; kurze, bis zu 65° steile Grasrampen (Schlüsselstelle) müssen überwunden werden. Nur für Individualisten.

    Tour-Bewertung:

    [​IMG] Gehzeit: ca. 5,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 6 km; 950 Hm
    [​IMG] Schwierigkeit T6 / Ost-Sporn III / Nordgrat III-
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (nur für Individualisten !!!)

    [​IMG] Tourengänger: Thom, Tobi, Florian

    Der eine oder andere Besucher unserer Seite wird sich bei diesem Tourenziel fragen, warum wir uns so einen "Zwerg" mit gerade mal 1.645 m Gesamthöhe ausgesucht haben. Zugegebenermaßen tanzt dieses Gipfelchen auch etwas aus der Reihe. Er ist mehr oder weniger unbekannt, so gut wie nie bestiegen, nicht mit Wegen erschlossen und auf keinen Fall zu unterschätzen. Der Gipfel kann auch als eine eigenständige Erhebung im Nordgrat des weitaus höheren und bekannteren Diedamskopfes angesehen werden. Tobi ist bei unseren winterlichen AVF-auswendig-Lern-Abenden zufällig darüber gestolpert und war sofort vollkommen fasziniert. Leider findet man auch im Internet nur wenige Bilder und Hinweise auf einen möglichen Tourenverlauf, und so war uns schon zur kalten Jahreszeit klar, dass dieser Gipfel unbedingt von uns erschlossen werden muss.

    Diese Tour sei aber wirklich nur erfahrenen Individualisten vorbehalten, da dieser Gipfel mit zu den anspruchsvollsten der Allgäuer Alpen gehört und kein Anstieg hinauf zum Gipfel am 3. Schwierigkeitsgrad vorbeiführt. Der Anstieg über den Ostsporn ist eine recht heikle und brüchige Wald-Fels-Kletterei, die in dieser Form glaube ich einzigartig in den Allgäuer Alpen sein dürfte. Teilweise rutschiger Waldboden in fast senkrechten Felsschrofen, kaum Orientierungsmöglichkeiten und teilweise sehr ausgesetzte Kletterpartien (nie leichter wie II-) lassen einen schon das ein oder andere Mal die Backen zusammenkneifen. Die Fotos vermitteln leider einen deutlich zu sanften Eindruck der rustikalen Waldkletterei.
    Der andere Anstieg erfolgt, wie im AVF Allgäuer Alpen zwar nur kurz, aber völlig korrekt beschrieben, von Norden her. Da einen jedoch wenig gestufte Steilgrasplanken mit stellenweise bis zu 65° Neigung erwarten, versteht es sich von selbst, dass dieser Berg nur bei wirklich guter Witterung bestiegen werden sollte. Einen Pickel halte ich bei beiden Aufstiegsrouten für recht hilfreich.

    Bei der Erstbegehung sollte von einer Überschreitung Abstand genommen werden, da man ansonsten im Abstieg sehr schnell die Orientierung verlieren kann und dadurch riskiert, in weitaus schwereres Gelände als (III) hinein zu geraten. Ebenfalls muss bedacht werden, dass in solch außergewöhnlichem Gelände die Schlüsselstellen im Abstieg deutlich heikler sind als im Aufstieg. Wer also im Aufstieg schon arge Probleme hat, sollte unbedingt auf ein Weitergehen verzichten und umkehren.

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    Der Aufstieg zum Mohrenkopf erfolgt vom Örtchen Schönenbach aus, das man über eine kleine Mautstraße von Bezau aus erreichen kann (3€/PKW). Wir parken links auf dem großen Wanderparkplatz wenige hundert Meter vor Schönenbach. Danach kurz auf der Teerstraße ins Dörfchen und nun rechts ab auf einen Fahrweg in Richtung Unterspitzalpe und Almisguntenalpe.

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    Nach wenigen Minuten treffen wir auf einen noch breiteren Fahrweg, dem wir weiter hinauf in Richtung der vorher angesprochenen Alpen folgen. Die Steigung hält sich auf diesem Weg in Grenzen, und so können wir hier etwas auf's Tempo drücken.

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    Nach kurzem Fußmarsch erreichen wir die nächste Wegabzweigung, der wir nach links zur unweit gelegenen Unterspitzalpe folgen. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht realisieren: hier im Hintergrund ist schon die Westflanke des Mohrenkopfes zu sehen.

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    Nachdem wir die Unterspitzalpe hinter uns gelassen haben, macht der Fahrweg einen Rechtsknick in östlicher Richtung und nach wenigen Minuten nochmals eine Kurve Richtung Süden. Nun laufen wir in ein kleines Hochtal zwischen Grüne Köpfe und Mohrenkopf, die früher alle zusammen auch unter dem Namen Muhrenköpfe bekannt waren.

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    Ein erster freier Blick auf den Mohrenkopf. Von links zieht der Ostsporn zum Gipfel. Rechts ist der Nordgrat zu erkennen. Der Höhenunterschied zwischen Fahrweg und Gipfel beträgt gerade mal 200 Hm, allerdings haben die es in sich. Ein klassisches Foto vom Mohrenkopf erhält man ärgerlicherweise nur aus Richtung Diedamskopf. Leider hatten wir an diesem Tag hierfür keine Zeit mehr.

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    Blick auf die grimmig abweisenden Nordabbrüche des sonst so sanften Diedamskopfes.

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    Wir folgen dem Wanderweg genau bis unter den Ostsporn. Dann direkt weglos vorbei an Erlengebüsch empor zu den ersten Fichten.

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    Nun geht es rasch steiler werdend auf Waldboden und lichtem Heidelbeerlaub immer am höchsten Punkt des Kammes nach oben. Dieser zuerst noch milde Kamm wird nachher zu einem äußerst steilen und ausgesetzten, teilweise unüberwindbaren Felsgrat, der es in sich hat.

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    Auf diesem Foto erkennt man schon ganz gut die Steilheit in diesem Gelände, obwohl wir uns hier noch im unteren und unproblematischen Teil des Ostsporns befinden. Der Waldboden ist aber auch hier schon recht weich und die Millionen von Tannennadeln am Boden lassen ein wirklich griffiges und festes Trittgefühl vermissen.

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    Unser Anstieg in Gratnähe findet plötzlich an einem überhängenden, äußerst brüchigen Felsaufschwung ein jähes Ende. Hier ohne Seil weiter zu gehen würde vermutlich einem Suizid-Kommando gleichkommen. Nach ein paar Ausblicken zur Orientierung entscheiden wir uns links am Aufschwung gut zwei Meter senkrecht an einem Baum abzuklettern und von dort über einen schmalen und weichen Sims aus Waldboden direkt unter den grifflosen Felswänden zu queren (II+). Hier ist eine perfekte Trittsicherheit unablässlich, da man nirgends im Fels sich mit den Händen wirklich sichern kann. Bergsteigern, die diese Passage als zu heikel empfinden, sollten bitte sofort umdrehen, denn leichter wird's nicht. Auf dem Foto kann man den Abstieg zum Sims betrachten, gut erkennbar sind die fehlenden Griffmöglichkeiten in der Wand. Und die Passage ist, obwohl im Wald gelegen, gar nicht mal so unausgesetzt.

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    Am Ende der Querung. Nun geht es meist an Baumwurzeln und kleinen Felsen wieder nach rechts direkt zum Grat hinauf. Dieser Abschnitt ist je nach Feuchtigkeit des Waldbodens recht heikel und sollte meiner Meinung nach selbst mit einem Pickel bewaffnet im Abstieg besser gemieden werden. Die Gefahr des Abrutschens ist hier extrem hoch. Kurz Unterhalb des Grates queren wir nun ein paar Meter nach rechts und treffen hier den sonnendurchfluteten Scheitel des Ostsporns wieder an, auf dem es leichter wie erwartet in teils sehr exponierter Lage rasch nach oben geht. Ein gutes Orientierungsvermögen ist in diesem Gelände unabdingbar. Ein paar Meter zu weit nach rechts oder links, schon befindet man sich in entweder senkrechten Grasschrofen oder überhängendem Bröselfels. Im oberen Bereich des Grates erschweren die üppige Vegetation und teilweise umgestürzte Bäume den Aufstieg. Kurz vor der Schlüsselstelle wird das Gelände nochmals sehr steil und immer grasdurchzogener. Viele Tritte fühlen sich an, als würde man auf Pudding gehen.

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    Hier eine Steilgrasschrofenpassage einige Meter unter der Schlüsselstelle. Ausrutschen verboten. Hinter einem geht es fast 100 Hm so gut wie senkrecht ins Tal. Ich hab mich an dieser Stelle links direkt am Grat orientiert. Zwischen zwei Fichten hindurch ist der kleine Aufschwung etwas besser gangbar als durch die fast 65° steilen Grasmatten.

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    Dieses Bild zeigt die Schlüsselstelle im Aufstieg über den Ostsporn rund 30 Hm unterhalb des eigentlichen Gipfels. Links ragen gut 5-7 Meter hohe überhängende und abweisenden Felsen nach oben. Direkt über Tobi ist der Aufstieg nur über eine ebenfalls fast senkrechte Grasfläche möglich, die nur über wenige Trittmöglichkeiten verfügt (III). Ich bin ein Stück weiter rechts direkt unter dem im Hintergrund sichtbaren Baum in den Hang eingestiegen und habe mich die ersten Meter nach oben geschraubt. Leider ist diese Passage ohne Seil kaum mehr abzuklettern, und da wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, was uns danach erwartet, mussten wir das einzig Richtige tun, nämlich umkehren !!! Später konnten wir feststellen, dass wir nur noch diesen kleinen, wenn auch äußerst schweren Aufschwung hinter uns hätten lassen müssen, um dann in wenigen Minuten über steilen Waldboden zum Gipfel aufzusteigen. Aber Sicherheit geht nun mal vor. Immer !!!

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    Nachdem wir uns für die Aufgabe der Ostsporn-Überschreitung entschieden hatten, machen wir uns auf den Weg nach unten. Im Gegensatz zum Aufstieg verlassen wir recht schnell den Grat und steigen in die äußerst schweren Südabbrüche des Mohrenkopfs hinab (II-III). Was hier auf einen zukommt, zeigt dieses Foto recht eindrucksvoll. Der Hang hat durchgehend diese Neigung und ist ein keiner Stelle leicht gangbar. Hier ist äußerste Konzentration und Trittsicherheit lebensnotwendig. Allerdings machte uns der Abstieg bis auf die ein oder andere wirklich heikle Stelle mächtig Spaß.

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    Wie man hier auf dem Foto erkennen kann, ist es wichtig, seinen Weg im Abstieg genau zu planen, da nicht alle Partien im Abstieg wirklich gangbar sind. Und auch hier gilt: Der Fels ist brüchig und meist unzuverlässig.

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    Auf solchen Felsstufen steigen wir nach unten ab. Im untersten Bereich der Südabbrüche werden zudem die Wurzeln und Griffmöglichkeiten spärlicher. Hier muss man nochmals voll bei der Sache sein.

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    Blick auf die Südabbrüche. Natürlich ist die Steilheit wiedermal auf dem Foto nur zu erahnen. Allerdings kann man sich diese Abbrüche auch ohne Besteigung des Mohrenkopfes einmal von unten ansehen. Vom Fahrweg sind es keine 5 Minuten Aufstieg bis zu der Stelle, an der wir dieses Foto geschossen haben.

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    Nachdem wir uns nach kurzer Lagebesprechung dazu entschieden haben, den Aufstieg zum Mohrenkopf über den Nordgrat zu versuchen (siehe AVF Allgäuer Alpen), machen wir uns rasch an den kurzen Abstieg zum Fahrweg von heute Morgen. Auf diesem laufen wir wenige Meter zurück, bis wir unter dem Erlengebüsch im Nordosthang des Mohrenkopfes angelangt sind. Dort steigen wir rechts von dieser Buschgruppen weglos in/neben einer kleinen Geröllrinne direkt zum Nordgrat empor.

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    Im oberen Bereich der Geröllrinne. Rechts das Erlengebüsch. Unten ist der Fahrweg gut zu erkennen. Auch schon hier verfügt der Hang über eine beachtliche Neigung. Allerdings ist dies nichts im Vergleich zu dem, was noch kommen wird. Am Grat angekommen folgen wir diesem unter Bäumen hindurch und steigen dann in die sehr steile Nord-Grasflanke des Mohrenkopfes ein. Mit Hilfe des Pickels kommen wir gut voran. Die Grasflanke endet an einem extrem steilen Felsaufschwung, der rechts durch 60° steile Grasplanken (feste Felsanteile) sehr ausgesetzt umgangen werden kann. Leider ist dieser Abschnitt recht feucht, und so queren wir nach links unter den Felsabbruch in Richtung Nordrinne. Am äußerst rechten Rand dieser Rinne befindet sich die Schlüsselstelle. (III-)

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    Tobias im Anstieg zur Schlüsselstelle. Schon hier ist das Gras äußerst steil. Der Untergrund ist noch leicht feucht. Äste, Wurzeln und Graswasen sind meist die einzigen Griffmöglichkeiten. Die Schlüsselstelle selber war schwer zu fotografieren. Man braucht hier wirklich beide Hände und die Sonne stand äußerst ungünstig.

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    Ausstieg an der Schlüsselstelle. Die soeben überstiegene Passage ist im Abstieg nochmals einiges schwerer zu klettern. Insgesamt sind ca. 5-6 Meter fast senkrechte Gras- und Erdbänder zu überwinden.

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    Nach der Schlüsselstelle zeigt sich der Hang wieder ein bisschen gnädiger, bleibt jedoch trotzdem sehr steil, trittarm und anspruchsvoll. Mit Hilfe des Pickels gewinnen wir rasch an Höhe und kommen in den hier fotografierten letzten Abschnitt kurz unterhalb des Gipfels. Im oberen Bereich sind Flo und Tobi gerade noch so zu erkennen.

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    Dieses Foto ist von der selben Position wie das vorherige aufgenommen und zeigt sehr gut die hier zu bewältigende Steilheit des Hanges (linker Bildbereich). Im Hintergrund ist der Hirschberg zu erkennen.

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    Blick vom Mohrenkopfgipfel auf die Diedamskopf-Nordabbrüche.

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    Siegerpose auf einem außergewöhnlichen und schweren Gipfel. Er wird mitunter nur 1-3 Mal im Jahr von Menschen bestiegen. In manchen Jahren sogar überhaupt nicht. Ein in den Boden gehauenes Stahlröhrchen ist der einzige Hinweis, dass sich hier überhaupt schon einmal eine Menschenseele hin verirrt hat.

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    Um die Konzentration nicht zu verlieren, die für den Abstieg nochmals dringend in vollem Umfang vonnöten ist, steigen wir rasch ohne Pause wieder ab. Der Abstieg erfordert ein wenig mehr Zeit, weil die Tritte schwerer zu finden sind als im Aufstieg.

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    Während des Abstieges kann man immer wieder einen schönen Ausblick auf die umliegenden Hügel genießen.

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    Der Abstieg durch die sehr steilen Grasflanken duldet keinerlei Unachtsamkeiten. Ein kleines Stolpern oder ein Ausrutscher und das wars !!! Die hier fotografierte Passage entspricht (II).

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    Flo im unteren Bereich der Schlüsselstelle. Leider ist mir auch im Abstieg kein aussagekräftiges Foto gelungen, sehr ärgerlich. :frown:

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    Von der Schlüsselstelle folgen wir unseren teilweise sichtbaren Aufstiegsspuren wieder hinab zum Waldgrat. Im Abstieg kann die Orientierung mitunter problematisch werden. Deshalb sollte man sich schon beim Anstieg alles gut einprägen.

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    Von hier aus bietet sich einem ein traumhafter und beeindruckender Blick auf die Grünen Köpfe. Diese dürften von der Schwierigkeit her mindestens auf dem Niveau des Mohrenkopfes liegen. Diese Gipfel sind vermutlich von Osten (Gegenhang) aus am besten zu besteigen, wo allerdings ein Jagdschutzgebiet die Aufstiegsmöglichkeiten einengt (vgl. Sevisschrofen-Tour).

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    Der Abstieg erfolgt vom Nordgrat hinunter zum Fahrweg direkt durch das Erlengebüsch. Am Weg unten angekommen machen wir nochmals ein gemütliche Rast und fangen langsam an, die Eindrücke der heutigen Bergtour zu verarbeiten.

    Alles in allem hat sich diese außergewöhnliche Unternehmung mehr als gelohnt.

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    Ein letzter Blick vom Auto aus auf die Westflanke des Mohrenkopfes...rechts dahinter der Diedamskopf.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. April 2016