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Empfohlen Klettern N-Grat Kleiner Drusenturm (2.754m), Mittlerer (2.782m) und Großer Drusenturm (2.830m)

Dieses Thema im Forum "Klettern & Bouldern" wurde erstellt von Thom, 3. August 2026.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Rauhe Kletterei über den schneidigen Nordgrat des kleinsten Drusenturmes. Für eine sichere Begehung ist einiges an Erfahrung nötig, zudem muss auch zwischen den Haken geklettert werden. Felsqualität teils großartig, oft aber auch nur mäßig. Wild und sehr alpin.

    [​IMG] Tourenzeit ca. 8 Std. / Kletterei ca. 3,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 2.050 Hm, 25 km (davon 750Hm, 20km mit Bike) / ca. 265 Hm Kletterei
    [​IMG] Schwierigkeit VI
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (keine Plaisir-Kletterei)

    [​IMG]Tourengänger: Franzi, Thom

    Das Rätikon ist ein absolut abwechslungsreiches und wunderschönes Gebirge im Dreiländereck zwischen Vorarlberg, Lichtenstein und der Schweiz. Leider kommen wir nur recht selten in diese bezaubernde Gegend, obwohl die Anfahrt mit dem Auto auch nicht zeitaufwändiger für uns ist, wie zum Beispiel die Anfahrt ins obere Lechtal. Wenn es dann doch mal klappt, dann sind wir stets auf der Suche nach einem nicht überlaufenen Bergsteigerschmankerl, wie zum Beispiel die im Jahre 2023 durchgeführte sehr lohnende Überschreitung der Drusenfluh. Dieses Mal fiel unser Augenmerk bei der Tourenplanung auf den Nordgrat des kleinen Drusenturmes. Dieser versprach alpine Klettereien bis in den 6. Schwierigkeitsgrad, herrliche Bergszenerien und wird im Gegensatz zu den Bergnachbarn eher selten angegangen. Zudem bot sich die wenig zeitaufwendige Kombination mit Mittlerem und Großem Drusenturm an, welche sich im Anschluss an den Kleinen Drusenturm ohne größere Schwierigkeiten „mitnehmen“ lassen. Für die Besteigung des Kleinen Dursenturmes über den teils scharfen Nordgrat braucht es allerdings einiges an alpiner Erfahrung, es muss auch zwischen den Haken geklettert werden, die teilweise weiteren Hakenabstände erfordern etwas Orientierungssinn und Gespür für die richtige Linie – nicht ganz ohne Anspruch eben, aber halt auch verdammt lecker. Bei der Begehung wird eine Vielzahl von Klettertechniken abgerufen, allerdings gibt es auch schrofige Passagen, in denen einen gute Trittsicherheit unabdingbar ist. Bei guten Wetterbedingungen reicht ein 60m-Einfachseil völlig aus. Vom zerborstenen und steinschlaggefährdeten Gipfel kann 2 x 25m abgeseilt werden. Wir waren mit 2 x 60-Halbseilen unterwegs. Dies erlaubt einem bis kurz unter den Gipfelturm einen Rückzug nach rechts (westseitig) ins nahegelegene Kar, sollte das Wetter kurzfristig unangenehm werden. Als Ausgangspunkt wählen wir den kostenlosen Wanderparkplatz in Latschau hoch über Tschagguns, von wo aus wir hinauf zur noch weit entfernten Lindauer Hütte biken können.

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    Nachdem wir unsere Bikes an der Lindauer Hütte abgestellt haben, machen wir uns auf markiertem Wanderweg hinauf in Richtung Drei Türme. Schon kurz nach der Hütte hat man einen herrlichen Blick auf diese eigenwilligen Felszapfen inklusive Erdtrabant.

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    Nach einigen hundert Höhenmeter zweigen wir bei der ersten Möglichkeit nach rechts ab und folgen dem "nicht markierten" Steig hinauf in den Sporasattel, wo der Nordgrat des Kleinen Turmes ansetzt.

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    Über viel Schutt und Geröll gelangen wir rasch hinüber in Richtung Sporasattel (ganz rechts). Von hier aus lässt sich gut der langgezogene Nordgrat des Kleinen Turmes einsehen. Besonders beeindruckend ist hierbei der wild überhängende Gipfelturm.

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    Auf dem Weg hinauf in Richtung Sattel sehen wir plötzlich ein paar Eisenbügel in einer Gratlücke am Fels. Also verlassen wir hier den Wandersteig, kurzzeitig geht es durch harten und steilen Bruch, dann hangeln wir uns an den Eisenbügeln über den plattigen Fels nach oben - gutes Warm-Up für die bevorstehende Kletterei.

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    Anschließend kurz über Geröll hinauf in den Sattel, wo wir schnell wieder auf den Wandersteig hinauf zum Großen Drusenturm treffen. Der Sattel wird nordseitig vom kecken Sporaturm gegrenzt, im Hintergrund mittig zeigt sich die von hier recht klein und unscheinbar wirkende Zimba. Wir bleiben ab jetzt immer an der Kammhöhe, bis wir auf einen ersten Bohrhaken treffen, welcher den Beginn der Kletterei am Nordgrat markiert.

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    In der ersten Seillänge habe ich dann gleich mal vergessen, ein Foto zu machen. Diese startet mit einem kleinen Aufschwung (III) und zieht dann direkt an der Gratkante recht Trittarm und steil (IV+) hinauf in schrofigeres Gelände. Hier der Rückblick vom 2. Stand (Sanduhr).

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    Die zweite Seillänge startet mit richtig gutem Fels. Zunächst am Grat, dann leicht nach rechts über gut griffigen Fels (V) wieder hinauf zur Gratkante, kurz einfacher werdend und schließlich recht eigenwillig an der runden Gratkante hinauf zu Stand oder einige Meter weiter (besser) zu einem weiteren Stand.

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    In der 3. Seillänge geht es dann gemütlicher zu. Die Schrofenkletterei im I. Grat lässt sich entspannt bewältigen. Hat man den früheren Stand der vorherigen Seillänge gewählt, so reicht ein 60-Meter Seil leider nicht zum nächsten Stand vor der vierten Seillänge.

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    Von gegenüber grüßen Sporaplatte sowie die von hier aus äußerst wild und dolomitenhaft wirkenden weiteren Drusentürme. Kaum zu glauben, dass sich diese ohne nennenswerte Schwierigkeiten besteigen lassen.

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    Die vierte Seillänge direkt voraus. Zu Anfang noch leicht über die Kante an den nächsten Steilaufschwung heran und in ansprechender Kletterei (bis III) zu luftigem Stand direkt unter der Schlüsselstelle der Tour.

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    Die Schlüsselstelle in der 5. Seillänge wirkt anfangs sehr kompakt und plattig. Man steigt ein wenig nach rechts in die glatte Wand hinein, wo sich in Folge überraschend gute Griffe finden lassen. Die Hakenabstände sind hier mit 3-4 Meter recht eng gesetzt, A-Nullen wäre hier dennoch nicht ganz einfach. Die größten Schwierigkeiten kommen wie so oft zum Schluss, es muss sauber auf abschüssigen Tritten angestanden werden, eine runde Kante (VI) hinauf zum letzten Haken erfordert sehr festes zupacken. Für kürzer Gewachsene nochmal ein ganzen Ticken schwerer.

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    Nach der Schlüsselseillänge geht es wieder entspannter zur Sache. Über grobes Blockwerk kraxeln wir in der 6. Seillänge hinauf bis zum nächsten Stand. Allerdings ist der Fels hier recht brüchig.

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    Ende der siebten Seillänge. Wir befinden und in der komplett zerborstenen Scharte direkt unterhalb des überhängenden Gipfelturmes. Diese Länge ist mit Abstand am schrofigsten, erfordert einen sicheren Tritt auf luftigen Schotterbändern. Los geht es über eine Steilstufe (IV) hinauf zum ersten Haken, dann scharf links hinauf in eine Scharte (IV), von dieser aber nicht hinauf zum Grat - da dieser mit dem hier sichtbaren Steilabbruch jäh endet - sondern ohne wirklichen Höhengewinn über die angesprochenen Schuttbänder zur Bruchscharte (Bohrhaken) und über wackliges Blockwerk hin zum neuen Stand am Fuße einer großen Felsplatte.

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    Die achte Seillänge ist zweigeteilt. Direkt vom Stand über Platte (V+) direkt zum weit entfernten Bohrhaken hinauf, oder etwas rechts davon sich durch die kaminartige Rissverschneidung (V) quetschend. Was einem mehr beliebt. Anschließend links über flache Platte an den nächsten Steilaufschwung mit Bohr- und zahlreichen Schlaghaken heran, kurz gerade hinauf und recht griffarm aber mit gutem Tritt nach rechts in die seichte Rissverschneidung, welche nochmal etliche herrlich Kletterzüge (V+) zu bieten hat.

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    Vom Stand aus kurz schrofig in die 9. Seillänge startend, dann über griffarme Platten (III/III+) mit nur einem Bohrhaken hinauf in eine oft feuchte Risslücke, der nächste Stand befindet sich etwa 10 Meter dahinter-

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    Die zehnte Seillänge startet mit einer Oldschool-Bilderbuch-Verschneidung, welche für meinen Geschmack aber den 3. Schwierigkeitsgrat deutlich überreizt. Die sehr glatte und leicht staubige Platte bietet nur wenig halt für die Kletterschuhe.

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    Nach der Verschneidung darf der mürbe Gipfelblock noch erkraxelt werden. Steinschlag ist hier zwingend zu vermeiden. Ich würde die 10. Seillänge insgesamt mit (IV-) bewerten, ich denke das kommt gut hin.

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    Hinter dem Gipfelturm folgt eine letzte kurze, 11. Seillänge, welche sehr brüchig ist (I).

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    Dann ist es geschafft - der Gipfel es Kleinen Drusenturmes ist erreicht. Von diesem seilen wir in Folge zweimal 25 Meter über brüchigste Fels ab. Ich würde dringend davon abraten, direkt vom Gipfel die ca. 40 Meter ins Kar abzuseilen, da man sich hier durch nicht vermeidbaren Steinschlag sehr schnell selber töten kann.

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    2. Abseilstrecke vom Bandschlingenstand in der markanten Scharte im oberen Südgrat. Hier ist die Steinschlaggefahr zwar nicht 100% gebannt, aber deutlich sicherer wie das Direktabseilen vom Gipfel.

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    Blick zurück hinauf zum Gipfel des Kleinen Drusenturmes. Aufgrund des extrem brüchigen Gipfelaufbaus aus Bergsteigersicht ein wenig lohnendes und nicht ganz ungefährliches Ausflugsziel.

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    Blick hinüber zum Mittleren und Großen Drusenturm, welche sich recht zügig "mitnehmen" lassen.

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    Beim Aufstieg zum Mittleren Turm bietet der Rückblick eine skurrile Ansicht auf den wildzerborstenen Gipfel des Kleinen Drusenturmes. Wahrlich kein Wandergipfel.

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    Gipfel Mittlerer Drusenturm. Die vorhergesagten Hitzegewitter lassen in der Ferne erste Blitze "regnen".
    Im Hintergrund thront die mächtige Sulzfluh, welche sicher auch mal einen Ausflug wert wäre.

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    Wenige Minuten später stehen wir am Gipfel des Großen Drusenturmes. Der Blick hinüber zur wilden Drusenfluh weiß mehr wie nur zu beeindrucken. Was für ein Felskoloss.

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    Abstieg über "Normalweg" zurück zum Sporasattel. Wir nutzten die wenig verbliebenden Schneefelder für einen raschen Abstieg. Aus Zeitgründen verzichten wir auf einen Besuch der Sporahöhle.

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    Auf dem Rückweg zur nicht mehr all zu fernen Lindauer Hütte. Eine echte Traumtour geht leider zu Ende.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. August 2026