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Mittelschwere Bergtour Nordgrat Rammstallspitze (abgebrochen), Nordeck, Strahlkopf, Rothornspitze und Jöchlspitze

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 4. Oktober 2012.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Gescheiterter Versuch, die Überschreitung des Ramstallkopfes in die klassische Jöchlspitzkamm-Tour zu integrieren.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 9,5 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 2.000 Hm / 19,5 km
    [​IMG] Schwierigkeit II / T4-5 (Versuch Nordgrat Rammstallkopf III-/T6)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Tobias, Thom

    Der Jöchlspitzkamm, ein sich vom Großen Krottenkopf in exakt südlicher Richtung ziehender, zum Lechtal hin langsam absinkender Gebirgskamm, trägt insgesamt 4 eigenständige Erhebungen. Die Jöchlspitze ist hierbei der wohl am häufigsten besuchte Gipfel der kleinen Kette, was vermutlich an der Nähe zum Lechtal, als auch an der bis auf 1.768 Meter hoch führenden Jöchlspitzbahn von Bach/Kraigen aus zurückzuführen ist. Die Rothornspitze, welche durch das nur wenig eingeschnittene Rothornjoch von der Jöchlspitze getrennt ist, wird hingegen erstaunlich selten besucht. Die Überschreitung dieses bunt gefärbten Berges erfordert einen guten Tritt in teils steilen und brösligen Grasschrofen (bis I). Über den Gumpensattel lässt sich der Strahlkopf ideal in diese Runde mit einbinden, allerdings ist auch hier Trittsicherheit in steilen Grasflanken wichtig. Bei unserer Tour sahen wir gleich mehrere Wanderer, welche die Pfadspur im Aufstieg verloren hatten und nun recht hilflos durch die steilen Grasflanken taumelten - nicht ganz ungefährlich. Den Strahlkopf ziert mittlerweile ein kleines Kreuz mit Buch. Wanderer können nun noch ohne weitere Schwierigkeiten zum Nordeck des Strahlkopfes hinüberlaufen, welches schroff und steil ins Karjoch abbricht. Der direkte Abstieg vom Nordeck hinab in das Karjoch sowie die Besteigung des mächtigen Ramstallkopfes bleibt erfahrenen Bergsteigern vorbehalten und sollte von Wanderern gemieden werden.
    Wir wollten uns den Jöchlspitzkamm allerdings in anderer Richtung zu Gemüte führen und die Überschreitung des Ramstallkopfes - von der Krottenkopfscharte aus startend - mit in diese schöne Tour einbinden. Ausgangspunkt für diese konditionell fordernde Runde ist der Wanderparkplatz hinter der Kirche in Holzgau im Lechtal. Von hier aus folgen wir dem Höhenbachtal vorbei am Simms-Wasserfall hinauf zur Unteren Roßgumpenalpe, vor welcher wir kurz vor Erreichen nach rechts hinauf ins Tal des Roßgumpenbaches aufsteigen. Vorbei an der Oberen Roßgumpenalpe geht es auf markiertem Pfad ins kleine Kelletal, wo wir schließlich auf den Weg hinauf zur Krottenkopfscharte treffen und über diesen auch selbige erreichen. Der hier ansetzende Nordgrat des Ramstallkopfes ist zunächst noch recht zahm, wird aber nach den ersten 50-60 Höhenmetern wirklich ernst: eine Vielzahl von steilen, extrem brüchigen und ausgesetzten Felstürmen muss überklettert werden. Hierbei sind sensible Hände und Füße sowie Gespür und Blick für die sicherste (nicht einfachste) Route gefragt! Klettertechnisch kann man das Ganze noch im II. Schwierigkeitsgrad ansetzen, was nicht über die Ernsthaftigkeit dieser Unternehmung hinwegtäuschen soll. Nach der Überkletterung des schmalen Turmgrates stehen wir nun vor einem wohl gut 15 Meter hohen brüchigen Absatz, der zumeist senkrecht bzw. überhängend in die Höhe zieht. Diesen Versuchen wir über mehrere Routen etwas rechts haltend zu Erklimmen, verlassen mehrmals den II. Schwierigkeitsgrad in teils abdrängendem und ausgesetztem Bruchgelände, bis wir nach einer guten halben Stunde die Segel streichen müssen. Im Nachhinein bleibt zu sagen, dass wir wohl zu viel Energie in die direkte Besteigung des Gratbollwerkes gesteckt haben, anstatt uns auf eine westseitige "Umgehung" des Spektakels zu konzentrieren. Diese "Umgehung" ist ein ca. 10-15 Meter breites und sehr abschüssiges, wirklich hässliches Geröllfeld mit einer Neigung von ca. 40-50°. Man kann es über einen heiklen Abstieg über eine direkt über dem Abgrund befindliche, brüchige Felskante erreichen - allerdings bekam ich bei meinem Versuch der Überschreitung des Feldes überhaupt keinen halt mit meinen Füßen, dazu rechts von mir der 250 Meter tiefe Absturz... das erschien mir dann doch etwas zu risikoreich. Vermutlich ist es das beste, das Geröllfeld direkt unterhalb der Felsen zu queren, danach sollte es in einer kaminartigen Schlucht hinauf zum Nordgrat des Ramstallkopfes gehen (II) und von dort an einfacher auf dessen Gipfel. Egal - Vernunft muss immer siegen und so machen wir uns auf den Rückweg in die Krottenkopfscharte und "genießen" nochmals die brüchigen Türme des unteren Nordgrates. Von der Krottenkopfscharte gilt es dann mit möglichst wenig Höhenverlust den mächtigen Ramstallkopf westseitig zu umrunden - nächstes Ziel: das Karjoch. Im Karjoch müssen wir dann aufgrund der voran geschrittenen Tageszeit auf eine Besteigung des Rammstallkopfes über den Normalweg leider verzichten und steigen vom Karjoch durch eine schöne Felsrinne hinauf zum Nordeck des Strahlkopfes (II). Danach geht es über die zu anfangs erwähnten Gipfelerhebungen immer direkt am Kamm hinüber zur Jöchlspitze und von dort über die sehr steile SW-Flanke, später noch über die 105 Meter hohe Hängebrücke zurück nach Holzgau im Lechtal. Fazit: Auch ohne die Besteigung/Überschreitung des Ramstallkopfes eine lohnende und eindrückliche Bergtour - mit geniale Ausblicken auf die Allgäuer Bergwelt.

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    Morgendlicher Blick in die Lechtaler Alpen: Tajaspitze, Muttlerkopf, Pleiskopf, Holzgauer Wetterspitze und Peischelspitze (v.l.n.r.)

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    Knapp oberhalb der Oberen Roßgumpenalpe mit Blick auf Muttlerkopf, Öfnerspitze, die fast völlig verdeckte Hornbachspitze sowie den Großen Krottenkopf.

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    Der Weg durchs kleine Kelletal ist reizvoll und einsamer als der häufig frequentierte Weg zwischen Kemptner Hütte und Krottenkopfscharte, über welcher gerade die Sonne aufgehen will. Rechts der Ramstallkopf mit seinem anspruchsvollen Nordgrat.

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    Traumhafte Ausblicke auf den Allgäuer Hauptkamm. Vorne rechts die Felsruine des Kratzers.

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    Ankunft in der 2.350 Meter hohen Krottenkopfscharte. Von hieraus sieht der Nordgrat des Ramstallkopfes noch rechts zahm und gutmütig aus, was sich aber schon bald ändern wird.

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    Genialer Ausblick hinüber zur einmalig schönen Marchspitze. Rechts daneben Hermannskarspitze und -turm.

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    Das Gelände wird ernster. Der Nordgrat schnürt sich auf einmal merklich zusammen ...

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    ... und wir finden uns in steilen und vorallem brüchigen Klettereien wieder. Wäre hier die Felsqualität nur ein wenig besser, so würde ich die Turm-Klettereien als wirkliches Schmankerl bezeichnen.

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    Das Gelände lässt sich auf dem schmalen Felsgrat leider nicht einfangen, Ausweichmöglichkeiten gibt es keine. Im Hintergrund thront der Große und der Kleine Krottenkopf.

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    Manche Grattürme sind dermaßen marode, dass man Sie mit bloßer Hand zum wanken bzw. einstürzen bringen kann. Daher müssen einige Türme, nicht ganz unheikel, ausgesetzt und - wen wundert es - brüchig umgangen werden. Wirklich halten tut hier nicht viel.

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    Versuche, das Gratbollwerk direkt über Risse und Querbänder zu überwinden, scheitern leider allesamt an der minderwertigen Felsqualität.

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    Die querverlaufenden Bänder sind teilweise äußerst abdrängend, die ständige Exposition zehrt an den Nerven. Das kleine Geröllfeld, über welches eine Querung irgendwie möglich sein muss, liegt etwa 15 Meter unterhalb dieser Stelle. Wir entscheiden uns an diesem Tage aber zum Rückzug.

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    Blick vom Nordgrat des Ramstallkopfes hinüber zum Allgäuer Dreigestirn: Trettachspitze, Mädelegabel und Hochfrottspitze. Ganz links im Kamm der zweithöchste Gipfel der Allgäuer Alpen: das Hohe Licht.

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    Nach dem Abstieg von der Krottenkopfscharte und der westseitigen Umgehung des Ramstallkopfes liegt nun das Karjoch (ganz links) und das beeindruckende Nordeck des Strahlkopfes vor uns.

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    Nachdem wir entschieden haben, den Ramstallkopf an diesem Tag nicht mehr zu besteigen, machen wir uns an den direkten Aufstieg hinauf zum Nordeck. Hier der Rückblick über das Karjoch hinweg auf die Südflanke des Ramstallkopfes.

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    Durch die mächtige Felsrinne, die vom Fuße bis hinauf zum Gipfel des Nordeck führt, geht es teilweise steil und nicht ganz anspruchslos nach oben (II).

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    Mit zunehmender Höhe mischt sich etwas Gras und Moos zwischen die Felsen. Wer über einen sicheren Tritt verfügt und den II. Schwierigkeitsgrad beherrscht, sollte hier jedoch keine Probleme haben.

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    Blick vom Nordeck hinüber zum Ramstallkopf und auf den östlich davon gelegenen, völlig unbekannten Ochsenkopf. Dahinter lugt die Gipfelpyramide der Marchspitze hervor.

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    Neues "Kreuz" auf dem Nordeck.

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    Blick vom Nordeck auf den weiteren Tourenverlauf: Strahlkopf, Rothornspitze und Jöchlspitze.

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    Rückblick vom Gipfel des Strahlkopfes auf das Nordeck, Ramstallkopf und Krottenkopf. Ganz links der Kratzer.

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    Anstieg zur Rothornspitze im Rückblick. Etwas Kraxelei (I) und Trittsicherheit sind für die Besteigung von Nöten.

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    Am unbekreuzten Gipfel des Rothornspitze, welche nur wenig Besuch von Wanderern erhält.

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    Blick von der Rothornspitze zum schönen Kratzer.

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    Kurz vor Erreichen des Rothornjochs mit Blick auf die Jöchlspitze - dahinter die Lechtaler Alpen.

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    Kurze Rast an der kleinen Jöchlspitze, danach geht es teils recht steil über die SW-Hänge hinab in Richtung Holzgau.

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    Herbstlicher Blick hinüber zum Kratzer-Massiv.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. April 2014
  2. sven86

    sven86 Registrierter Benutzer

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    AW: Nordgrat Rammstallkopf (abgebrochen), Nordeck, Strahlkopf, Rothornspitze und Jöchlspitze

    Schöner Bericht, schade dass es mit dem N-Grat nicht geklappt hat!
    Den "Normalweg" würde ich aus der Entfernung betrachtet noch einen Tick schwieriger, mühsamer und auch ausgesetzter als die Wasserfallkarsp. einschätzen, oder was denkt ihr?

    Viele Grüße, Sven
     
  3. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    AW: Nordgrat Rammstallkopf (abgebrochen), Nordeck, Strahlkopf, Rothornspitze und Jöchlspitze

    Grüß dich, Sven,

    kennen den Ramstall über den Normalanstieg leider auch nicht - nur eben auf Sicht. Anhand der Infos und Bilder im Netz sag ich jetzt einfach mal: Mühsamer als die Wasserfall ist er sicher nicht, vermutlich aber ganz einfach "unangenehmer". Speziell plattiges, feinbröseliges Gehgelände wird kaum einen Bergsteiger zu Freudentänzen anregen, gehört aber halt auch dazu. (Evtl. bei trittigem Schnee angenehmer?) Kann man sich an der Wasserfall den Aufstieg nach dem Felsdurchlass halbwegs frei aussuchen, so scheint der Ramstall nicht viel Möglichkeiten offenzulassen. Oben wirds wohl auch noch recht ausgesetzt. Auf jeden Fall ist er weiter ein Gipfelziel, schon allein wegen der Einsamkeit und der genialen Umgebung. Ob nun über den Normal oder den Nordgrat - das ist egal.

    Gruß,

    Tobias und ft-Team
     
  4. Berggeil

    Berggeil Registrierter Benutzer

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    3
    Hey Sven,
    Wasserfallkar-Sp. ist definitiv mühsamer !
    Ramstall würde ich als überhaupt nicht mühsam bezeichnen. Das kurze Stück um auf den Grat zu kommen, habe ich nicht als mühsam empfunden. Der Gratverlauf ist definitiv härter als alles an der Wasserfallkar-Sp., hier kommt höchstens noch der Querriegel ran.
    Im Gegensatz zu fast allen Internet Berichten, habe ich allerdings auch den gesamten Grat am Ramstall als Genuss empfunden, trotz Bruch und Ausgesetztheit. Kommt eben auch auf die Tagesverfassung an.
    Kannst dich auch per PM melden für weitere Infos.
    Berggeil !
     
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