1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Leichte Bergtour Rauheck (2384m) - ein beeindruckender Aussichtspunkt

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen unserer Mitglieder" wurde erstellt von Hoefatssuechtig, 4. Dezember 2011.

  1. Hoefatssuechtig

    Hoefatssuechtig Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    20. November 2011
    Beiträge:
    1.634
    Ort:
    Moormerland
    Am heißesten Tag des Jahres 2011, am 10. Juli, stand das Rauheck (2384m) auf meinem Programm. Bei ungefähr 30°C noch auf dem Gipfel verlangte diese eigentlich harmlose Bergtour dem Körper so einiges ab, denn am Abend hatte ich mehr als 5 Liter Flüssigkeit benötigt.

    Der Weg dorthin ist nirgends schwierig, aber erstreckt sich von Oberstdorf aus auf über 12km. Er führt über Gerstruben zur Dietersbachalpe, dann weiter hinauf zum Älpelesattel (1779m) und in drei weiteren moderaten Steigungen schließlich zum Gipfel, wo sich kein Kreuz, jedoch ein Grenzstein befindet. Von Gerstruben aus kann man bereits das Rauheck gut erkennen (rechts im unteren Bild).
    Rauheck Blick von Gerstruben.jpg



    Der Weg ist zwar nicht ausgeschildert oder markiert, aber immer gut erkennbar, ein Verlaufen scheint bei normalen Wetterbedingungen fast unmöglich. Vom Rauheck aus hat man einen beeindruckenden Blick auf die Höfatsgruppe im Norden, auf die Wildengruppe und den Hochvogel im Osten, auf die Hornbachkette im Süden und auf die Gruppe der Mädelegabel im Westen sowie auf den Kamm der Kegelköpfe bis hin zum Hohen Ifen und Gottesackerplateau.

    Man benötigt bei normalem Gehen mit kleinen Pausen ungefähr 4 Stunden von Gerstruben aus. Neben den faszinierenden Bergblicken kann man auch eine einzigartige Flora beobachten. Auch bietet sich ein kurzer Abstecher zum Eissee an.

    In der Kühle des Morgens ging es vorbei am Höfatstobel:
    Rauheck morgendlicher Blick in die Hoefatswanne.jpg


    Von der Dieterbachalpe führt ein schmaler und steiler, aber gut erkennbarer Weg zum Älpelesattel, für den man ungefähr 1 Stunde braucht.


    Rauheck kurz vor Aelpelesattel.jpg
    Von hier aus ist es nicht mehr weit zum Älpelesattel. Rechts der Kegelkopf.


    Beim Älpelesattel (1779m) biegt man nach rechts ab (aus dem Dietersbachtal kommend) und muss sich erst einmal durch ein Dickicht aus Sträuchern, Latschen und Büschen "kämpfen". Dies ist die einzige unangenehme Stelle, aber nicht aufgrund der Schwierigkeit, sondern aufgrund eines fast völlig zugewucherten Weges.


    Rauheck Wegverlauf von Hoefats-Ostgipfel.jpg
    Dieses Bild wurde Anfang September 2010 vom Ostgipfel der Höfats aufgenommen und zeigt auf der rechten Seite den weiteren Wegverlauf vom Älpelesattel bis zum Rauheck. Man erkennt gut im ersten Drittel die zugewachsenen Stellen.


    Rauheck Raedlergrat ueber Bluetenmeer.jpg
    Über einem lilanen Blütenmeer erhebt sich im Hintergrund der scharfe Rädlergrat.


    Rauheck auf dem Weg.jpg
    Nach der ersten von drei ungefähr gleichmäßig verteilten Steigungen ab dem Älpelesattel hat man bereits einen beeindruckenden Blick auf die Südseite der Höfatsgruppe.


    Rauheck weiterer Wegverlauf.jpg
    So präsentiert sich der weitere Wegverlauf nach der ersten Steigung.


    Rauheck Blick zum Eissee.jpg
    Blick auf den kleinen, türkisfarbenen Eissee, ein Abstecher dorthin würde nicht mehr als eine halbe Stunde in Anspruch nehmen.


    Rauheck kurz vor dem Gipfel.jpg
    Kurz vor dem Gipfelaufbau, der sehr eben und keineswegs ausgesetzt ist.


    Rauheck Grenzstein Deutschland.jpg
    Der Gipfel besitzt kein Kreuz, dafür verläuft hier die Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Oben ist die Grenzmarkierung auf der deutschen Seite zu sehen. Im Hintergrund ist die Hornbachkette zu erkennen.


    Rauheck Grenzstein Oesterreich.jpg
    Die Grenzmarkierung auf der österreichischen Seite.


    Vom Gipfel des Rauhecks (2384m) hat man einen eindrucksvollen Ausblick auf alle umliegenden Gebiete.


    Rauheck Blick ins Dietersbachtal.jpg
    Blick vom Gipfel ins Dietersbachtal. Links im Vordergrund der Kegelkopf und rechts im Vordergrund der Hahnenkopf.


    Rauheck Blick ins hintere Oytal.jpg
    Blick vom Gipfel ins hintere Oytal mit dem Weg zur Käseralpe und zur Wildenfeldhütte. In der Mitte ist der Eissee erkennbar.


    Rauheck Blick Richtung Laufbacher Eck.jpg
    Blick vom Gipfel Richtung Nebelhorngebiet und Laufbacher Eck. Ganz links im unteren Eck ist die obere Gutenalpe erkennbar, von der aus der nicht markierte Normalweg zur Kleinen Höfats und zum Seilhenker führt.


    Rauheck Blick Richtung Wildengruppe.jpg
    Blick vom Gipfel Richtung Wildengruppe und Hochvogel.


    Rauheck Blick Richtung Norden.jpg
    Blick vom Gipfel zum Höfatsmassiv. Vorne der Ostgipfel der Höfats mit der jähen Südostwand. Rechts daneben das Rote Loch, von dem sich rechts aus die Kleine Höfats erhebt. Darüber der gewaltige Nordostgrat. Links der Südwestgrat mit dem Westgipfel der Höfats. Ganz rechts unten wieder die obere Gutenalpe.


    Rauheck Blick Richtung Nordwesten.jpg
    Blick vom Gipfel zum Bettlerrücken, der rechts zum Kegelkopf führt.


    Rauheck Blick Richtung Westen.jpg
    Blick vom Gipfel zum Kreuzeck im Westen. Dahinter die Gruppe der Mädelegabel mit der markanten Trettachspitze (rechts).


    Rauheck Blick Richtung Sueden.jpg
    Blick vom Gipfel Richtung Süden auf die Hornbachkette.


    Rauheck zwei markante Felsriesen.jpg
    Blick vom Gipfel des Rauhecks Richtung Süden auf die Urbeleskarspitze (links) und auf die Marchspitze (rechts).


    Das Rauheck wird nicht sehr häufig begangen, stellt aber meiner Meinung nach eine beeindruckende Aussichtswarte dar, die immer einen Besuch wert ist.


    Beste Berggrüße, Christian aus Buchloe
     
  2. Jens

    Jens Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    13. Juni 2010
    Beiträge:
    324
    Ort:
    Augsburg-Land (Süd)
    Hallo Christian,

    ja, bei den Anstiegen an heißen Tagen kann man in diesen Grasrücken regelrecht 'gekocht' werden.
    Mir ist es dieses Jahr bei ähnlichen Temperaturen beim Fürschießer so gegangen und ich war froh, als es dann auf dem Weg zur Kemptner Hütte wieder Wasser gab.

    Ich mach demnächst hier mal eine kleine Zusammenstellung der Ansteige auf Fürschießer / Kreuzeck / Rauheck von der deutschen Seite aus. Diese hübschen Aussichtspunkte haben das verdient, sie werden häufig im Rahmen der Tagestour Kemptner Hütte/Prinz-Luitpold-Haus im wahrsten Sinne des Wortes links liegengelassen.

    Grüße, Jens
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Januar 2014
  3. Wanderer

    Wanderer Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    21. August 2011
    Beiträge:
    38
    Ort:
    Mecklenburg
    Das Rauheck und Kreuzeck faszinieren mit ihren nordwestseitigen langgezogenen Anstiegen, die etwas Sanftes ausstrahlen; zwischen all' den alpinen Kühnheiten, ja oftmals sogar Tollkühnheiten, in der näheren Umgebung. Leider hat es mit mir und dem Rauheck aufgrund des Schnees in diesem Jahr nicht geklappt, aber nächstes Jahr wird die Begegnung vielleicht umso inniger. Aufgrund der Bilder hätte ich Lust, sofort loszuwandern... :smile:

    Gab es mal einen Weg vom Bettlerrücken-Kegelköpfe ins (obere) Dietersbachtal? Nach der aktuellen Alpenvereinskarte sieht es im Bereich der Bezeichnung "Schwärze" so aus, als ob dort ein Aufstieg bzw. Abstieg für sehr erfahrene Alpinisten theoretisch möglich wäre.
     
  4. Hoefatssuechtig

    Hoefatssuechtig Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    20. November 2011
    Beiträge:
    1.634
    Ort:
    Moormerland
    Routenvorschlag

    Ja, früher gab es mal einen kleinen Steig vom Dietersbachtal auf den Bettlerrücken, nur ist dieser Steig schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten verfallen und vermutlich zugewachsen. In der alten AV-Karte von 1906 ist er noch schwach eingezeichnet. Ich habe anhand zweier Photos versucht, diesen zu rekonstruieren, da ich jene Möglichkeit für durchaus "machbar" einschätze, aber ich möchte mich da nicht festlegen, denn nur ein "Ausprobieren" im nächsten Sommer kann Klarheit schaffen. Vielleicht ergibt sich ja eine kleine Diskussion mit weiteren Routenvorschlägen.

    Bettlerruecken01 Route.jpg
    Das Bild oben wurde auf dem Weg zum Älpelesattel aufgenommen. Die rot eingezeichnete Linie zeigt meinen Routenvorschlag. Die Rillen und Runsen nebenan erscheinen mir als sehr mühsam zu überwinden.


    Und noch ein Photo, vom Normalweg zum Ostgipfel der Höfats aufgenommen mit "vermutlichem" Routenverlauf. Wenn man genau hinsieht, kann man meiner Meinung nach im unteren Bereich noch sehr schwache Trittspuren erkennen.
    Bettlerruecken02 Route.jpg

    Ich hoffe, deine Frage ausreichend beantwortet zu haben.


    Grüße,

    Christian aus Buchloe
     
  5. Jens

    Jens Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    13. Juni 2010
    Beiträge:
    324
    Ort:
    Augsburg-Land (Süd)
    Die Mitteilung von Christian, daß es hier einen alten Pfad gab, ist richtig.

    An erster Stelle sollte man hierzu aber erst mal Folgendes anmerken:

    Der Auf- bzw. Abstieg Bettlerrücken-Dietersbachtal über die ’Schwärze’ ist nur was für wirklich ortskundige und geübte Tourengeher, die sich in diesem unangenehmen, nicht einfachen Mixed-Gelände sicher bewegen können.
    Wer da rauf will, hat ab Dietersbachalpe bis zum Bettlerrückensattel eher ungemütliche, knapp 400 Höhenmeter vor sich.
    Ich bin die ’Schwärze’ erst unlängst gegangen und hab hier zwischendurch gern mal auch zum Pickel gegriffen …

    Im Abstieg sollte man so ein Gelände schon zweimal nicht Angriff nehmen, wenn man nicht genau weiß, was auf einen zukommt. Das Gelände ist vor allem im Mittelteil recht unübersichtlich und wenn man aus Versehen auf einer ’falschen’ Geländerippe landet, wird’s nicht einfacher. Soweit mein gut gemeinter Hinweis.

    Das nachstehende Schild prangt seit kurzem, nicht allzu weit von der Schwärze entfernt und hat in diesem Zusammenhang durchaus Beachtung verdient:

    Bild_1.jpg

    Im Nachgang noch ein paar Eindrücke aus der Schwärze:

    Bild_2.jpg
    'Boschenkriecherei' im Flachteil

    Bild_3.jpg
    ab und zu fieser splittriger Untergrund

    Bild_4.jpg
    immer schön auf der mitunter schmalen Geländerippe bleiben


    Bild_5.jpg
    es bleibt mühsam


    Bild_6.jpg
    zur Abwechslung wieder mal Erlen ...


    Bild_7.jpg
    gleich ist's geschafft


    Bild_8.jpg
    'Steilgestrüpp '

    Bild_9.jpg
    oben am Bettlerrückensattel: der schöne Kegelkopf



    Bild_10.jpg
    Höfats von der Schwärze aus gesehen



    Bild_11.jpg


    Bild_12.jpg


    Bild_13.jpg
    von der Höfats aus sind bei genauer Betrachtung noch die oberen Lücken im Bewuchs der Schwärze schwach zu erkennen (die früheren Pfadgassen)
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Januar 2014
  6. Wanderer

    Wanderer Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    21. August 2011
    Beiträge:
    38
    Ort:
    Mecklenburg
    Vielen Dank für eure informativen Beiträge. Es versteht sich natürlich von selbst, dass dieser Steig kein Spazierweg ist und nur absolut erfahrenen Bergwanderern vorbehalten sein sollte – wenn überhaupt. Für mich wäre soetwas natürlich nichts, aber anscheinend kann ich wenigstens halbwegs gut Karten und Fotos interpretieren, um solche alternativen Pfade zu erkennen und später vor Ort mit dem Fernglas nachzuvollziehen. :smile:
     
  7. Hoefatssuechtig

    Hoefatssuechtig Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    20. November 2011
    Beiträge:
    1.634
    Ort:
    Moormerland
    Ausschnitte aus der AV-Karte von 1906

    An "Jens": Danke für die interessanten kulturhistorischen Infos (nebenbei: auf der alten AV-Karte von 1906 lautet die Schreibung "Schwertze", siehe unten) und für die eindrucksvollen Wegphotos, die noch die unverfälschte Wildnis der Allgäuer Alpen trotz so mancher Übererschließung zeigen. Gehe ich richtig in der Annahme, dass der längst verfallene Steig ungefähr dem Grad der Mühseligkeit demjenigen des Weges von der Gerstrubener Alpe bis zum Rauhenhalsgrat entsprechen? :wink:

    Faszinierend sind vor allem deine Nahblicke auf die Höfats, habe mich sofort an Studium des SW-Grates und des Gufelgrates gemacht, aber bis zum Frühjahr dauert es eben noch eine ganze Weile.



    Für diejenigen, denen die AV-Karte der Allgäuer Alpen von 1906 nicht zur Verfügung steht, habe ich im Folgenden drei interessante Ausschnitte in Schwarz-Weiß beigefügt.

    Der unten stehende Ausschnitt zeigt den ehemaligen Wegverlauf von der Dietersbachalpe hinauf zum Bettlerrücken (interessant die Schreibung "Schwertze"!):
    Kartenausschnitt Dietersbachalpe.jpg


    Der nächste Ausschnitt zeigt die Geländebeschaffenheit und die alten Bezeichnungen im Dietersbachtal:
    Kartenausschnitt Dietersbachtal.jpg


    Für historisch Interessierte folgt hier noch der Ausschnitt des gesamten Höfatsmassivs mit den ehemaligen Steigen und den alten, kaum noch bekannten Namen und Bezeichnungen:
    Kartenausschnitt Hoefatsmassiv.jpg
    Oder kennt jemand noch den sogenannten "Bärengang", den ehemaligen Steig durch den südlichen Höfatstobel zu den Höfatsplätzen, den "Kluppenkopf", den alten Namen für den Höfatsmann, oder das "Kirchl", auf dem sich die kühne Höfatsnadel befindet?

    Grüße,

    Christian aus Buchloe
     
  8. Jens

    Jens Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    13. Juni 2010
    Beiträge:
    324
    Ort:
    Augsburg-Land (Süd)
    Hallo Christian, ja, das kommt so ungefähr hin - vielleicht führen wir ja mal für solche Fälle eine eigene festivaltour-Skala ein.
    Hinsichtlich der Routenführung werde ich Dir noch eine PN schicken.

    Ja, sie sieht von Standort zu Standort immer ein bisschen anders aus, faszinierender Berg.

    Bei dieser Deminuitivform ('Kirchl' statt 'Kirchle') hege ich den Verdacht, dass da die altbairischen Vermesser/Kartografen ein bisschen nachgeholfen haben. Gleicher Fall: 'Höfats Mannl' statt 'Männle'.
    Als Anfang des 19. Jhd. Altbaiern u.a. die Franken und Schwaben mit dem Allgäu dazubekam - mit dem Frieden von Pressburg Dezember 1805 auch kurzzeitig Teile von Tirol und Vorarlberg - kam ja auch eine gewisse 'Bajuwarisierungswelle' für die neu hinzugekommenen Gebiete ins Rollen. Dieser 'Trend' hält ohne Zweifel bis heute an.
    Im Bayrischen Fernsehen werden bis heute Berichte aus dem Allgäu und dem restlichen Bayrisch-Schwaben gerne mit einem oberbayrisch angefärbten Kommentar unterlegt ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Januar 2014
  9. Hoefatssuechtig

    Hoefatssuechtig Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    20. November 2011
    Beiträge:
    1.634
    Ort:
    Moormerland
    Nachträge zum Aufstieg Dietersbachtal-Bettlerrücken

    Nach nochmaliger, intensiver Recherche bezüglich des fast schon in Vergessenheit geratenen Steigs von der Dietersbachalpe zum Betterrücken möchte aus den einschlägigen Werken Folgendes hinzufügen, wobei einige Zitate durchaus kritisch zu betrachten sind.

    In der wohl umfangreichsten Ausgabe des Allgäu-Führers von Anton Waltenberger, der 16. Auflage von 1923, die von Eugen Waltenberger fortgeführt wurde, findet man im 9. Kapitel über Oberstdorf und Umgebung unter Punkt 6 auf Seite 57 folgenden Hinweis:

    "Dieser Weg [also der oben besprochene] wurde aus Jagdrücksichten aufgelassen, deshalb wird vor dessen Begehung gewarnt."

    Dahinter steckten wohl die Absichten des Barons Cornelius Freiherr Heyl zu Herrnsheim, der bis weit nach dem 1. Weltkrieg (vermutlich bis in die späten Dreißiger Jahre!) seine Jagdleidenschaft im Gerstrubener Gebiet nicht durch die Anwesenheit von "Touristen" gestört sehen wollte.

    Etwas zurückhaltender formuliert es die 20. Auflage des Allgäu-Führers von Anton Waltenberger aus dem Jahr 1962, fortgeführt von Eugen Waltenberger und neubearbeitet von Heinz Groth, die unter der Randnummer 215 auf Seite 112 folgenden Hinweis liefert:

    "Dieser Weg
    [also der oben besprochene] wird seit langem nicht mehr unterhalten. Dem Versuch der Begehung wird dringend widerraten."

    Also diesmal stand angeblich die erhöhte
    Vorsicht im Vordergrund.

    Deutlich objektiver sieht es die folgende Beschreibung aus dem ersten Allgäu-Führer von Ernst Zettler aus dem Jahr 1925 unter der Randnummer 229 auf Seite 110:

    "Zum Bettlerrücken kommt der nicht mehr unterhaltene, meist schmierige, erlenüberwachsene, ehemalige AV.-Weg von der Dietersbachalp herauf. Seinen Beginn trifft man, indem man an der Dietersbachalp auf dem zu den gegenüberliegenden Hängen führenden, wagrechten Fahrweg die Bachrunse überschreitet und nun sofort links einem Schuttrinnsal entlang aufwärts steigt, bis man deutliche Steigspuren erblickt."

    So war eben das typische "Bergsteigerdeutsch" der 20er Jahre.

    Die vierte Auflage des AV-Führers aus dem Jahr 1958 bemerkt noch unter der Randnummer 349 auf Seite 110:

    "Hier [d.h. zum Bettlerrücken] kam früher der jetzt nicht mehr bestehende erlenüberwachsene AV-Weg von der Dietersbachalp herauf (Einzeichnung in der AV-Karte irreführend)."

    Jetzt war also mal wieder die Karte schuld, aber dafür müsste der von mir an anderer Stelle eintragene Routenverlauf einigermaßen stimmen.

    Übrigens übernehmen die obige Beschreibung sowohl die 8. Auflage des AV-Führers von 1971 als auch die 9. Auflage von 1979. Ab der 10. Auflage entfällt dann jegliche Beschreibung.

    Grüße,

    Christian aus Buchloe


     
  10. Jens

    Jens Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    13. Juni 2010
    Beiträge:
    324
    Ort:
    Augsburg-Land (Süd)
    Nochmal kurz was zu den Flurnamen 'Schwärze' und 'Bettlerrücken':

    Wen so etwas interessiert, der weiß es:
    höchste 'Instanz' für solche Fragen ist sicher Herr Dr. Thaddäus Steiner, ein gebürtiger Oberstdorfer, der über die 'Flurnamen der Gemeinde Oberstdorf im Allgäu' promoviert hat.

    Zwei seiner Bücher ('Allgäuer Bergnamen' und 'Allgäuer Alpnamen', Josef Fink Verlag, sind für alle Interessierten einfach im Buchhandel erhältlich.

    Die umfangreichere zweiteilige Dissertation (Teil I: 1972, Teil II 1973, als Heft 6 in der Reihe 'Die Flurnamen Bayerns' erschienen) ist schon nicht so einfach zugänglich (1 Exemplar steht z.B. im Präsenzbestand in der Bibliothek der Uni Augsburg bei den Germanisten).

    Aus dieser spannenden und hochinteressanten Dissertation folgende Auszüge und Infos:

    1) Zur 'Schwärze' (vgl. Diss. Steiner Teil II, S. 323, El. (982)

    erster bekannter schriftlicher Beleg in den Literalien Fürstliches Stift Kempten (Lehnbuch der Pfarreien diesseits der Iller von 1557) 'Ain Blezen an der alb Dietterspach genannt Schwerzen, ainhalb an der Krauttaß Alb' )

    Herr Dr. Steiner sieht die Namensgebung von den 'dunklen, fast schwarzen Mergeln (sog. Manganschiefern)' her rührend. Auch A. Kübler sieht einen geologischen Hintergrund dieses Flurnamens.

    Als überlieferten ehemaligen Schmugglerpfad gibt Herr Dr. Steiner den benachbarten 'Schwärzger Rücken' (zwischen Fürschießer-Hirenalp, Diss. Teil II, S. 325, El. (989)) an.

    2) Zum 'Bettlerrücken' vgl. Diss. Steiner Teil II, S. 24, El. (95)

    Hier weist Herr Dr. Steiner u.a. auf Überlieferungen hin, nach denen 'Schmalzbettler' von Alpe zu Alpe zogen, um etwas von dem begehrten Nahrungsmittel zu bekommen.
    Gleichen Hintergrund habe der Flurname 'Bettlerhoibat' bei der längst aufgegebenen Alpe Laufbach.

    Edit 2013:
    In einem unterhaltsamen Kurzbeitrag des BR (Zwischen Spessart und Karwendel -
    <http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/zwischen-spessart-und-karwendel/schmuggler-allgaeu-102.html>) wurden einige frühere Schmugglerrouten auf dem Gemeindegebiet von Oberstdorf vorgestellt. Im Film erzählten heute noch lebende Zeitzeugen ein paar launige Anekdoten von früher. Häufig kannten sich die jeweiligen Antipoden - Schmuggler, Zollbeamte, Jäger und Wilderer - persönlich.
    In den 20iger und 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde fast alles geschmuggelt, was man im täglichen Leben brauchen konnte: Tabak, Wein, Schmalz, Speck, Schweine, aber auch Kloschüsseln, Armaturen , Fahrräder, Ersatzteile fürs Motorrad, Fotoausrüstung, Nähnadeln, Nähmaschinen etc. - oft zerlegt auf Kraxen über Strecken von 15 km und mehr im unwegsamen Gelände transportiert.
    Dabei ging es nicht immer nur wild-romantisch zu, am Schrofenpass erinnert ein Marterl an eine tödliche Auseinandersetzung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Januar 2014
  11. 1 ten Alpen Führer geschrieben

    Habe eine Frage, wer kennt oder hat, oder weis wo ein Bild des Herrn Ernst Zettler vorhanden ist. Er lebte in Oberstdorf als Zoll Inspektor. Später war er am Zoll in Insbruck tätig.
    Sollte jemand wissen, wo ein Bild, gegebenfalls in einem Buch zu finden ist.
    Heinz Zettler - heinzzettler@freenet.de
     
  12. Wanderer

    Wanderer Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    21. August 2011
    Beiträge:
    38
    Ort:
    Mecklenburg
    AW: Rauheck (2384m) - ein beeindruckender Aussichtspunkt

    Am vergangenen Montag konnte ich ein Schönwetterfenster nutzen, um aufs Rauheck zu wandern. Dafür bin ich mit dem Fahrrad bis zur Dietersbach-Alp gefahren und von dort über den bekannten Weg zum Gipfel aufgestiegen; beim Abstieg habe ich dann noch einen Abstecher zu den Eisseen gemacht.

    Ein paar herbstliche Eindrücke:

    PA088203 - Kegelköpfe, Dietersbachtal, Trettachtal in Wolken.JPG
    Kegelköpfe, Dietersbachtal, Trettachtal in Wolken

    PA088224 - Älpelesattel.JPG
    Am Älpelesattel

    PA088257 - Himmelhorn, Schneck, Großer Wilder.JPG
    Himmelhorn, Schneck, Himmelecksattel, Großer Wilder

    PA088863 - Rückblick auf Älpelesattel.JPG
    Rückblick auf Älpelesattel

    PA088854 - Erlenweg.JPG
    Rutschiger Weg (nach Regen) zu Beginn mit Erlengebüsch als Griffhilfen

    PA088371 - Großer Wilder, Kleiner Wilder, Hochvogel, Höllhörner.JPG
    Großer Wilder, Kleiner Wilder, Hochvogel, Höllhörner

    PA088383 - Hochvogel, Höllhörner.JPG
    Hochvogel, Höllhörner

    PA088824 - Höllhörner, Weg zum Hornbachjoch.JPG
    Höllhörner, Weg zum Hornbachjoch

    PA088701 - Gratweg zum Rauheck.JPG
    Gratweg zum Rauheck

    PA088563 - Kreuzeck, Bettlerrücken, Allgäuer Dreigestirn.JPG
    Kreuzeck und Bettlerrücken im Vordergrund, Allgäuer Dreigestirn links und viele andere mehr...

    PA088605 - Großer Wilder, Kleiner Wilder, Wilder Grat, Höllhörner etc..JPG
    Großer Wilder, Kleiner Wilder, Wilder Grat, Jochspitze, Hochvogel, Kanzberg, Zugspitz-Massiv, Östliche Hornbachkette, Muttekopf (mehr kenne ich nicht :wink:)

    PA088521 - Übergang Lechler Kanz und Salbkar.JPG
    Übergang Lechler Kanz und Salbkar: für einen Weiterweg zum Muttekopf oder für einen Rundweg über die Jochspitze besteht etwa 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels vielleicht die Möglichkeit eines "Abstiegs" (Hat das schon jemand gemacht?)

    PA088681 - Übergang Lechler Kanz und Salbkar.JPG
    Übergang Lechler Kanz und Salbkar: kein fester Untergrund und sehr steil

    PA088689 - Übergang Lechler Kanz und Salbkar.JPG
    Übergang Lechler Kanz und Salbkar: Westlich befindet sich an dieser Stelle ein Bichl

    PA088737 - Höfats.JPG
    Höfats

    PA088362 - Eissee.JPG
    Eissee

    PA088785 - Höfats, Kleine Höfats, Grashügel.JPG
    Höfats, Kleine Höfats und kleine Übungsgrasberge bei den Eisseen

    PA088800 - Höfats, Kleine Höfats.JPG
    Höfats, Rotes Loch, Schärtele, Kleine Höfats
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Oktober 2012
Die Seite wird geladen...