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Schwere Bergtour Schellschlicht (2.053m), Kreuzspitzl (2.088m), Friederspitz (2.049m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Tobias, 13. November 2011.

  1. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny/Maierhöfen
    Alpine, anpruchsvolle sowie anstrengende Tour in oft brüchigem Urgelände. Einsam und eindrucksvoll.

    [​IMG] Gehzeit: ca. 10 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Strecke ca. 1750 Hm
    [​IMG] Schwierigkeit II
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (für erfahrene Bergsteiger)

    [​IMG] Tourengänger: Thom, Tobias

    Ein richtig guter Rekonstruktionschirurg verfügt, frei übersetzt nach Beck Weathers (Beck Weathers, Left for Dead, New York 2000), über die - für Laien - verständlicherweise kaum vorstellbare Fähigkeit, dem Mondschein einen Furz anzunähen und das Ganze dabei noch halbwegs gut ausschaun zu lassen. Na ja. Übersetzt auf die Bergsteigerei und ihre Anforderungen bei der hier vorgestellten Traverse fällt die Geschichte weniger spektakulär aus, dennoch sei angemerkt, dass im Falle des Falle(n)s selbst Ausnahmechirurgen dieses Kalibers nichts mehr tun können - das Gelände verzeiht einfach kaum Patzer. Umso interessanter wird selbstverständlich die Frage, aus welcher Richtung man die Sache nun am besten angehen sollte. Milimeterentscheidung. Und die ist wohl immer noch subjektiv, eben von den jeweiligen Vorlieben abhängig. Ich sag jetzt einfach mal, dass ich die Runde - hätte ich noch einmal die Wahl - vom Friederspitz aus angehen würde, und zwar aus folgenden Gründen: Erstens ist die Wegführung so übersichtlicher, was Zeit spart, und zweitens hat man fast alle anspruchsvoll-brüchigen Geh-/Mixpassagen im Aufstieg (abgesehen von den ausgesetzten, schmalen Querungen, die bleiben gleich). Aber eben nur fast. Im Endspurt zum Friederspitz wollen nochmals ca. 20Hm im sandig-brüchigen Gelände (bis II) zurückgelegt werden, die vom AVF einfach mal übergangen werden. Diese Sektion ist im Abstieg sicher auch nicht zu vernachlässigen, was die Richtungsfrage weitestgehend relativiert. So oder so müssen Reserven da sein, um die Tour sicher meistern zu können - sie zählt gewiss zu den bereits größeren, anspruchsvolleren Unternehmungen, auch wenn sich die Kletterstellen recht überschaubar zeigen. Apropos Kletterstellen: Diese lassen sich aus Übersichtsgründen vom Friederspitz kommend evtl. ausbauen, da man so - zumindest an einem Abbruch - die Chance zum ausgesetzten Kletteraufstieg hat, der aus unserer Richtung leider schwer einsehbar war.

    Route: Griesen - Schellschlicht (über Schellalpe und Brandjoch) - Kreuzspitzl - Friederspitz - Friedergries - Griesen


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    Morgendämmerung beim Anstieg zur Schellalpe.

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    Schellalpe.

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    Schellschlicht.

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    Ein Höhepunkt der Schellschlicht Besteigung: Eine mehrere Meter hohe, mit Eisenbügeln und Drahtseil versicherte Felsstufe. Etwas ältere, beim Aufstieg ggf. unterstützte Kinder werden hier ihre Freude haben.

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    Von links: Kreuzspitze, Kreuzspitzl, Schellschlicht.

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    Blick von der Schellschlicht zum Kreuzspitzl.

    Über den sichtbaren zerissenen Grat wird bereits nicht mehr ganz einfach abgestiegen (bis I+; Wegspuren).

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    Aufschwung am Grat.

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    Linksumgehung eines Gratturms.

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    Das geht auch filigraner.

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    Bröseliger Abstieg.

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    Ein Überblick zur Schellschlicht - hier muss man drüber.

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    Ein Ausblick auf den kommenden Spaß.

    Aus der tiefsten Scharte zwischen Schellschlicht und Kreuzspitzl gehts nun auf schwachen Pfadspuren (teils Steinmandl) bröselig hinauf.


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    Kurz unterhalb des Kreuzspitzls, ...

    ... weiter unten nur ein Vorbau im Gratanstieg.

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    Erste Platten führen hinab in den Übergang zum Friederspitz. Mit ausgefeilter Spinnentechnik - hier erhebt sie sich gerade - ist diese Passage (I-II) fast "abzugehen".

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    Nochmals durchschnaufen, es wird nicht mehr leichter.

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    Der vielleicht berühmteste Gratturm der Überschreitung ...

    ... trägt aus dieser Ansicht etwas dick auf. Er ist kurz und einfach im IIten Grad zu ersteigen, wobei die nötigen Griffe und Tritte sogar angenehm fest sind/waren - das funktioniert auch aus anderer Richtung gut.

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    Klettern am markanten Gratturm ...

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    ... Die Rückseite ...

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    ... ist klettertechnisch einfacher, insgesamt aber anspruchsvoller. Steiles, unten auch brüchiges Gelände verlangt einen sicheren Steiger.

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    In der linken Flanke sind ganz schwache Spuren zu erkennen: die erste Umgehung steht an. Nicht sonderlich steil, aber kältebedingt unangenehm glasiert. Tipp: (Vorsichtigen) Aufstieg über den Höcker versuchen, der Abstieg auf der anderen Seite verläuft problemlos. Sichtgeschätzt dürfte das mit einer Bruch-II sogar hinhaun.

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    Feine Sache.

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    Zugegeben ...


    ... schaut kränker aus, als es ist.

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    So ists brav.

    In Folge steigt man in der Kuhle bei den Latschen nach links (nordseitig) in eine Ri
    nne ab und umgeht die kleine Erhebung, da sie auf der anderen Seite recht unangenehm wird.

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    Die Rinne.


    Diese ist mit Latschenzweigen markiert und nicht ganz einfach, da sie unten in eine steile Runse übergeht. Der sandige Untergrund machts nicht besser. Eine Umgehung in den Felsen muss mit eher bedingt bedienerfreundlichen I-II verbucht werden.

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    Die Sequenz in der Übersicht.

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    Weiter im Gehgelände ...

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    ... bis zum nächsten Hindernis. Dieses wird recht tief nach rechts (also südseitig) beseitigt. Achtung: Aus dieser Richtung ist der Abstieg nach rechts etwas schlecht einzusehen! Routenführung (nächstes Bild) einprägen, dann ists leicht.

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    Durch Latschen und über Bröselfels gehts in eine Schotterrinne (oben rechts). Auf einer Felsschneide steht ein Steinmandl (gelb), aber nur, um besser sichtbar zu sein. Abgestiegen wird darunter nach links über die erwähnte Rinne.

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    Wiederaufstieg.

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    Der markante, plattige Verschneidungsabbruch nach erfolgreicher Umgehung.

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    Der untere Teil, fast V-förmig eingeschnitten.

    Durch die Schotterrinne kommt man hinab, dann steigt man über die Flanke - ebenfalls geröllig - wieder auf.


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    Über kleine Grathöckerchen ...

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    ... zur verdienten Rast. Nebenbei: Respekt an den Bergkollegen, der die Runde mit einem(!) Liter Wasser in weit kürzerer Zeit bewältigt hat ... Und einen Dank an den/die Latschenfreisäger/in und Steinmandlbauer! Schön, dass so eine lohnende Runde "offengehalten" bzw. "zugänglicher" wird!

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    Weiter über den kurz einfacheren, von Latschen bestockten Grat, bis ein erneuter Abschwung - oder besser gesagt: DERjenige, den man auch klettern könnte (siehe Einleitung) - bevorsteht. Er ist zuerst recht unscheinbar: Ein kleiner Felsaufwurf (II) wird überklettert oder etwas abdrängend, ein Latsche zu Füßen, rechts um- und dann nach links hinauf bestiegen. Nun gehts zur Sache: Ein schmaler Felsgrat leitet nach unten, u.a. muss ein Lücke überwunden werden. Ziemlich schlecht einsehbar, deshalb drehen wir um und steigen südseitig über steiles, brüchiges Gelände, schließlich durch eine Rinne (I-II), ab. Ein Steinmandl taucht auf und bestätigt diese Wahl.

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    Einstieg in die brüchige Rinne (I-II).

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    Übersicht:

    Wir kommen von links unten, seichte Spuren führen direkt am Fels vorbei. Jetzt präsentiert sich der Abbruch übersichtlicher: Mögliche Führe: Auf das zweite Plateau mit Latsche, kurz nach rechts und schließlich nach links auf der Schneide empor - müsste klappen und ist sicher spannend! Zur Illustration bitte nächstes Bild betrachten!


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    Rot: Unsere Linie (I-II), unten ein Steinmandl, Einstieg oben etwas unüberschaubar. Gelb: Ideallinie am Grat - sollte im IIer-Bereich drin sein! Evtl. vorsichtig antesten! ("Klemmblockstelle" vom AVF?)

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    Der folgende Gratabschnitt (ab Felsschneide) wird weiträumig links (nordseitig) umgangen ...

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    ... und bietet Gehgelände der verschärften Art. Besonders die teils schwach begrasten Einstiegsschritte - heute mit lecker Reifgarnitur - verlangen volle Konzentration!


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    Anspruchsvolle, eindrückliche Querung.

    Ab und an "weisen" Steinmandl den Weg. Viel Platz zum Austoben bleibt aber eh nicht.

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    Auch die Hände dürfen ab und an mal wieder an den Fels fassen.

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    Die letzten Meter der nordseitigen Querung.

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    Grasigeres Gelände und eine letzte zu querende glatte Rinne führen wieder in die Sonne.

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    Wieder am Grat sollten laut AVF die Schwierigkeiten überwunden sein ... Gut, ist ja nicht so, dass man sich von "Schwierigkeiten" genervt fühlt; ganz im Gegenteil, deshalb kommt man ja her! Dennoch, der Information sowie der Vollständigkeit halber (und für alle, die evtl. vom Friederspitz einsteigen wollen): das stimmt so nicht! ...

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    ... Diese brüchigen Aufbauten wollen jetzt durchstiegen werden (Stelle II). Und vorher ...

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    ... darf eine ebenfalls nicht ganz feste Platte abgestiegen werden (II). Insgesamt doch etwas mehr als "problemlos und leicht".

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    Plattenabstieg.

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    IIer-Stufe im letzten großen Auschwung.

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    Die Platte im Rückblick, ...

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    ... der Anstieg aus der Scharte im Rückblick, ...

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    ... und der Ausblick.

    Entweder direkt über den Fels oder rechts unterhalb daran vorbei.

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    Nach links zieht ein schönes, einfach zu begehendes Ausstiegsband und erspart dem Steiger weitere brüchige Kraxelei. Um vom Friederspitz einzusteigen, muss man diese Band natürlich kennen bzw. suchen und finden. (Ca. 100 Meter vor dem direkten Gratabbruch rechts - aus Friederspitzsicht - in einfaches Grasgelände hinaus.)

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    Auf dem Band, den gesamten Grat im Überblick.

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    Letzte Meter zum Friederspitz.

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    Gipfel Friederspitz.

    Der Rückweg erfolgt auf dem Normalweg ins Friedergries.

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    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 26. Februar 2015
    Jens gefällt das.
  2. Tolle Beschreibung!! Sollte man auf der Tour jedenfalls dabei haben.

    Herzliche Grüße!
     
  3. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Hallo Martin,

    Danke für die Blumen. Da wir uns selbst natürlich auch gerne Anregungen und gute Beschreibungen aus dem Netz holen, erfreut es natürlich, wenn wir die richtigen Leute für solch außergewöhnliche Unternehmungen begeistern und nebenbei mit klaren Beschreibungen (erleichtern teils ungemein das Zeitmanagement, ohne "vorwegzugreifen oder Spannung zu nehmen") dienen können.


    Gruß, Tobias + ft-Team
     
  4. Jens

    Jens Registrierter Benutzer

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    Krachertour, Tobias und Thom :thumbsup:

    IMG_7136.JPG
    Der Grat von NO aus gesehen (Kuchelbachtal)
     
  5. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Sehr schön, danke, Jens. Hier sieht man übrigens deutlich die weite Nordumgehung in den ziemlich ausgesetzten Hängen des von der Sonne beschienenen Gratabschnitts links.
     
  6. Gummiwaden

    Gummiwaden Registrierter Benutzer

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    AW: Schellschlicht (2.053m), Kreuzspitzl (2.088m), Friederspitz (2.049m)

    Wow, wollte an dieser Stelle nach meiner Anmeldung gleich mal ein Kompliment aussprechen:smile: Eure Bilder machen immer Lust auf mehr und die ausführlichen Beschreibungen bewahren einen vor bösen Überraschungen, echt klasse. Da macht die Bergtour gleich nochmal soviel Spaß
     
  7. AW: Schellschlicht (2.053m), Kreuzspitzl (2.088m), Friederspitz (2.049m)

    Sind die Tour am 6.10.12 in Ost-West-Richtung gegangen (auf Eure Empfehlung hin). War großartig, Wegfindung auch hier gelegentlich schwierig, daher einige "sensible" Klettereien notwendig. Ohne Eure Beschreibung wäre es wohl nicht gegangen. Totale Gehzeit netto ca. 10,75 Std. von Griesen bis Griesen.
    Kleiner Hinweis: Beim Übergang zwischen Kreuzspitzl und Schellschlicht möglichst am Grat bleiben und den Steinmännchen folgen (und nicht so gehen, wie im AV-Führer beschrieben).

    Herzliche Grüße!
     
  8. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    AW: Schellschlicht (2.053m), Kreuzspitzl (2.088m), Friederspitz (2.049m)

    Glückwunsch zur Tour! Ideal für die frühere/spätere Jahreszeit. Eine unserer letzten Touren hat mich stark an diese erinnert, hoffe, ich kriegs in nächster Zeit mal zu "Papier"...

    Gruß aus Isny