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Schwere Bergtour Torkopf (1.930m) und Obere Gottesackerwände (2.033m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 6. Juli 2010.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Im Bereich des Torkopfes sehr anspruchsvolle Tour in äußerst steilem, wenig gestuftem sowie ausgesetztem Grasgelände. Ausschließlich für erfahrene Steilgraskenner empfehlenswert.

    Tour-Bewertung:

    [​IMG] ca. 6,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Strecke: 14,5 km / ca. 1.150 Hm
    [​IMG] Schwierigkeit T6 / II (im Grasschrofengelände)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (nur für Steilgrasspezialisten)

    [​IMG] Tourengänger: Thom, Johannes

    "Heikler und unangenehmer wie manch bekannter Steilgrasklassiker in den Allgäuer und Lechtaler Alpen." Dieses Zitat eines Steilgrasprofis aus dem Allgäuer Raum hat uns diesen kleinen Giftzwerg erst so richtig ins Bewusstsein gerufen. Die Beschreibung im AV-Führer ist zwar kurz, dennoch völlig korrekt. Wir starten die Tour in Innerschwende im schönen Kleinwalsertal. Von dort wandern wir durch das idyllisch gelegene Mahdtal, vorbei am Hölloch, Deutschlands größtem Höhlensystem, weiter hinauf in den Windecksattel und von dort über die begraste Nordwestflanke des Torkopfes zu dessen Westgrat. Von dort äußerst steil im heftig ausgesetzten Gras (II) querend zu einer Rinne (I+) und in ihr auf den einsamen Gipfel. Der Abstieg entspricht der Aufstiegsroute, im unteren Teil eine kleine Variante. Von dort hinauf ins Toreck und auf die höchste Erhebung der Oberen Gottesackerwände (I). Von hier durchs Gottesackerplateau zur verfallenen Gottesackeralpe und weiter nach Osten zur Scheiderkürenalpe. Die letzten 2,5 km müssen dann noch auf Teer- bzw. Schotterwegen zurückgelegt werden, bevor man wieder sein Auto in der Nähe des Mahdhauses erreicht.

    Das bei dieser Tour ein Höchstmaß an Schwindelfreiheit und Trittsicherheit in steilstem Grasschrofengelände vonnöten ist, ist obligat. Schon kleinste Fehler enden in diesem extremen Gelände schnell tragisch. Ein Pickel kann vor allem im Abstieg sehr hilfreich sein, teilweise ist er aber auch störend. Bei Nässe und Schneeauflage ist der Gipfel absolut tabu.

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    Nachdem wir an dem recht kleinen aber kostenlosen Parkplatz in Innerschwende nahe des Mahdtalhauses angekommen sind, erhaschen wir einen frühmorgentlichen Blick tief ins Kleinwalsertal. Links der Elferkopf mit seinem deutlich kleineren Trabanten, dem Zwölferkopf. Rechts im Bild trohnt der Große Widderstein hinter der begrünten Flanke des Bärenkopfes.

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    Der Weg hinauf ins Mahdtal führt uns zuerst durch ein winterliches Wildschutzgebiet mit großer Futterstelle. Später zieht ein schmaler und teilweise recht zugewachsener, mitunter steiniger Weg in Richtung Hölloch, ...

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    ... das wir nach einer guten Stunde Laufzeit auch erreichen. Wir gönnen uns einen vorsichtigen Blick in den 92 Meter tiefschwarzen und dunstigen Schlund. Leider ist unser Foto vom Hölloch nichts geworden.

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    Nachdem wir das Hölloch hinter uns gelassen haben, steigen wir weiter auf nunmehr freier Weidefläche zur Mahdtalalpe an. Im Hintergrund werden zum ersten Mal die Oberen Gottesackerwände sowie der kecke Felszacken des Torkopfes sichtbar.

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    Nach ein paar weiteren Gehminuten wird der Windecksattel rechts vom Torkopf sichtbar. Dorthin führt uns das Weglein durch eine sehr reizvolle und abgeschiedene Landschaft.

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    Kurz unterhalb des Windecksattels mit Blick auf die wenig einladenden "verwundenen" Nordabbrüche des Torkopfes. Noch scheint eine Besteigung absolut unmöglich.

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    Blick vom Windecksattel auf die zerborstene Nordwestflanke. Rechts vom Gipfel herunter zieht der Westgrat, über den wir nachher aufsteigen werden. Wir verlassen an dieser Stelle den Weg und steigen über schönes Gras teilweise steil nach oben. Die hier in der Bildmitte zu sehenden Felsschrofen lassen wir wortwörtlich links liegen.

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    Jo im angenehm zu gehenden und von botanischer Vielfalt geprägten Grashang hinauf zum Westgrat.

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    Kurz vor dem Einstieg zum Westgrat. Hier nehmen wir eine kleine Stärkung zu uns, legen unsere Rucksäcke sicher ab und steigen jeder mit einem Pickel "bewaffnet" weiter hinauf.

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    Blick vom Anfang des Westgrates hinab auf den Windecksattel.

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    Mit zunehmender Höhe wird das Grasgelände immer steiler und ausgesetzter. Direkt vor uns bäumen sich die splitterigen Felsabbrüche des Westgrates auf, die wir auf steilem, schmalem und ausgesetztem Grasband nach rechts weg umgehen. Das Gras ist hier äußerst kurz, der Pickel für einen Moment eher störend.

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    Jo an der ersten richtig knackigen Stelle des Aufstieges. Das Gras hat hier eine Neigung von geschätzten 60° und ist nicht wirklich gestuft. Die Hände geben am teils brüchigen Fels jedoch ein gutes Gefühl von Sicherheit (II). Nachdem wir um das erste "Eck" gelangt sind, muss nun eine sehr abschüssige und extrem steile Grasflanke mit etwas Höhengewinnung gequert werden. Gut, dass das Gras hier wieder üppiger aus dem Boden sprießt. Dennoch lässt es sich kaum eindrehen und man ist wieder froh über den mitgeführten Pickel.

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    Die extrem steile Querung. Die Schwierigkeiten bewegen sich hier zwischen dem I. und II. Schwierigkeitsgrad. Was auf den Fotos nie wirklich zu erkennen ist - nur knappe zwei Meter unter Jo befinden sich die senkrechten Felsabbrüche der Westflanke. Eine wirklich luftige Angelegenheit - Adrenalinauschüttung garantiert.

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    Nachdem wir die ausgesetzte Querung gut überstanden haben, entschließen wir uns für den Anstieg über die hier sichtbare Rinne. Man kann auch etwas einfacher weiter nach Süden rausqueren und dann dort über Grasschrofen (I+) nach oben auf den Gipfel klettern. Die Rinne wird nach oben hin sehr steil, unangenehm brüchig und ist deutlich anspruchsvoller.

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    Jo in den letzten Metern der Gipfelrinne. Das Gestein ist nicht zuverlässig und so muss jeder Schritt und Griff sauber ausgesucht und getestet werden. Mit etwas Armkraft und unter Einsatz des Pickels gelangen wir direkt auf den Gipfel (I+).

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    Mir zwei aufm Gipfel des Torkopfes. Die Endorphinauschüttung in unseren Körpern sorgt noch immer für ein Dauergrinsen. Unter einem Steinhaufen finden wir ein altes Gurkenglas, das das kleine Gipfelbuch von 2006 beinhaltet. Laut Buch wird dieser Gipfel nur max. 2-3 Mal im Jahr betreten.

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    Nach einer ganz kurzen Pause machen wir uns an den Abstieg. Zuerst vom Gipfel hinunter Richtung Südgrat, der allerdings von einem gut 10 Meter hohen teilweise leicht überhängenden Abrruch zerschnitten ist. Deshalb queren wir von hier wieder zu unserer Aufstiegsroute zurück und folgen dieser Richtung Westgrat.

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    Anfangs noch etwas milder, ...

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    ... dann jedoch wieder in gewohnter Ausgesetztheit. Der Abstieg in diesem Gelände ist nochmals einiges anspruchsvoller als der Aufstieg. Sollten also schon beim Aufstieg Probleme auftreten, so raten wir zur sofortigen Umkehr !!!

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    Nochmals die Steilgrasflanke im Rückblick. Von hieraus sieht man schön, wie schmal das Grasband rechts unterhalb des Gratkopfes eigentlich ist.

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    Vom Westgrat steigen wir nun zu dem hier stichtbaren Schotterfeld ab, um so den unten sichtbaren Wanderweg schnellstmöglich wieder zu erreichen. Ein schmales, aber gut gangbares Band führt mit wenig Höhenverlust sicher durch die ansonsten steilen Gras-Schrofenabbrüche.

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    Blick zurück auf die Route am Torkopf. Das Grasband ist gut zu erkennen, ebenso die Gipfelrinne. Rechts ist der von hier fast machbar wirkende Abbruch am Südgrat erkennbar. Dieser Anblick täuscht allerdings. Wer diesen doch in Angriff nehmen möchte, sollte sich auf brüchigste IIIer-Kletterei einstellen.

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    Auf dem Normalweg wieder angekommen, machen wir uns in Richtung Scharte der Oberen Gottesackerwände auf, die den einzigen Durchstieg hier ermöglicht.

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    Beim Aufstieg zur Scharte ein letzter Blick zurück auf den Torkopf (1.930m)

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    In der Scharte angekommen genießen wir einen herrlichen Blick über das ganze Gottesackerplateau und auf den Hohen Ifen.

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    Doch bevor wir über das Gottesackerplateau hinabsteigen, möchten wir zuerst der höchsten Erhebung der Gottersackerwände einen kurzen Besuch abstatten. Der pfadlose Anstieg kann über verschiedene Routen gegangen werden, daher verzichte ich auf eine detaillierte Beschreibung.

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    Direkt am Grat geht es Richtung Westen, herrliche Vegetation und schöne Tiefblicke machen den kurzen Abstecher wirklich lohnend.

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    Hier der "Gipfel" der Oberen Gottesackerwände. Der letzte Aufschwung vor dem Gipfel ist etwas ausgesetzt aber gut machbar (I).

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    Wieder im Abstieg am Steilaufschwung. Der Fels ist erstaunlich zuverlässig. Nach unserem Besuch ziert nun ein Steinmannl den höchsten Punkt der Wände.

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    Nachdem wir auf gleichem Weg zurück in die Scharte gestiegen sind, geht es nun auf gut markiertem Steig quer durch das Gottesacker. Die Durchschreitung dieser einmaligen Karstlandschaft ist wirklich abwechslungsreich und lohnend. Von hier erhalten wir auch nochmals einen Blick auf den Gottesackerwand-Gipfel.

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    An der verfallenen Gottesacker-Alpe steigen wir dem Wegweiser Richtung Kleinwalsertal folgend ab.

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    Für solche Landschaften nimmt man gerne einen weiteren Heimweg in Kauf. Allerdings ist dieser Weg deutlich höher frequentiert als unser Aufstiegsweg durchs Mahdtal.

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    8000 Jahre alter, steinzeitlicher Lagerplatz an der Schneiderkürenalpe.

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    Die letzten Kilometer Fußmarsch verlaufen dann auf Schotter- bzw. Teerstraßen zurück nach Innerschwende. Hier ein paar schöne Ferienhäuser in Au. Im Hintergrund spitzelt gerade noch so der Hohe Ifen hervor.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Februar 2017
  2. Johannes

    Johannes Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Letzte Woche habe ich dem Torkopf im Rahmen einer Feierabendtour mal wieder einen Besuch abgestattet. Diesmal ging's vom Mahdtalhaus direkt hoch zum Windecksattel (siehe Beschreibung oben), dann weiter auf dem Wanderweg und weglos nach oben auf den Verbindungsgrat zwischen Toreck und Torkopf (T4-T5). Am "Südgrat" angelangt geht's über einen Felsbrocken (II) hinauf und um eine Felskante herum in kurzer Kletterei (III) nach oben. Die letzten Meter zum Gipfel wieder auf einer Grasrippe, für den Abstieg habe ich den oben beschriebenen "Normalweg" gewählt.
    Eine spannende, kurze & steile Runde die sich in etwa 3 Stunden super für ein kurzes Zeitfenster eignet. Anbei ein paar Eindrücke bei leider bedecktem Himmel.


    Der Torkopf rückt das erste mal ins Bild.


    Je nach Belieben geht's zum Verbindungsgrat (Südgrat) des Torkopf nach oben (T4-T5).


    Die Kletterpassage im Überblick: unten der Felsblock (II), dann geht's um die Kante nach links (III) und nach oben.


    Blick von oben auf die Stelle.


    Die letzten Meter über Gras und etwas lockeres Gestein zum Gipfel.


    Das nette Kreuz am Gipfel des Torkopf - immernoch ein "exklusiver" Gipfel mit meist nur einer Hand voll (oder weniger) Besuchern pro Jahr.


    Toller Ausblick auf die Gottesackerwände.


    Die Rinne führt direkt vom Gipfel hinunter.


    Ausgesetzt durch steiles Grasgelände nach unten.


    Über das gut gestufte Gras (T4) am Nordwestgrat geht es wieder zurück zum Windecksattel, danach direkt zurück zum Mahdtalhaus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Juli 2017
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