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Schwere Bergtour Von Forchach auf die Roßkarspitzen (2.292m & 2.291m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 7. Juli 2013.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Die Roßkarspitzen - Bergtour aus einer andere Welt - urig, einsam, faszinierend.

    Tour-Bewertung:


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    ca. 10,5 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.500 Hm / 33 km
    [​IMG] Schwierigkeit II / T5
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Johannes, Niko, Tobias, Simon, Florian, Thom

    Östlich des in diesem Teil der Allgäuer Alpen alles überragenden Hochvogels erhebt sich ein fast komplett unerschlossener und ursprünglicher Gebirgszug in den Himmel - die Roßkargruppe. Bis dato ist allein nur ein einziger Gipfel mit einem markierten Steig ausgestattet, sämtliche andere Gipfel sind weglos und äußerst selten besucht. Aufgrund der teils sehr weiten Anmarschwege, der anspruchsvollen Routen und des oft beispiellos brüchigen Gesteins, werden sich diese Gipfel auch trotz boomenden Internet-Bergseiten wohl nie zu Modezielen entwickeln. Die mittels Wanderweg erschlossene Grubachspitze stellt hierbei das mit Abstand leichteste Gipfelziel dar, ihre Nachbarn, Saldeiner- und Stallkarspitze dagegen erfordern schon einiges an Erfahrung in zerborstenem Fels und weglosem Gelände. Nach Nordwesten hin schließen die beiden Roßzähne die Berggruppe ab, welche trotz sehr weiter Zustiegswege gar nicht mal so selten betreten werden, wie einem dies zunächst erscheinen mag. Südlich der Roßzähne liegen die wohl mit am schwersten zugänglichen Gipfel der gesamten Allgäuer Alpen: Klupperkarkopf und Jochumskopf, im langen Westgrat des Klupperkarkopfes liegt zudem der zunehmend bekanntere Klupperkarturm, welcher selbst auf der leichtesten Route Schwierigkeiten bis in den unteren 5. Grad aufweist und somit als schwerster aller Allgäuer Gipfel gilt! Unser heutiges Tagesziel, vom Erscheinungsbild eher an die Dolomiten erinnernde Felsgestalten, liegt dagegen völlig zentral in gleichnamiger Berggruppe - die Roßkarspitzen. Diese sind ebenfalls recht selten begangen, scheuen die meisten Bergsteiger doch den recht weiten und bisweilen auch eintönigen Anmarsch hinauf ins Große Roßkar. Ab der Roßkarscharte ändert sich dies aber schlagartig - von nun an gilt es eine saubere Route durch unendlich viel Geröll und zerborstenen Fels hinauf zur Westlichen Roßkarspitze zu finden und dabei tunlichst darauf zu achten, keinerlei losen Steine und Felsbrocken abzutreten - was sich schon nach wenigen Minuten als schlicht unmöglich herausstellte. Der Übergang von der Westlichen zur Östlichen Roßkarspitze darf als einmalig und lohnend bezeichnet werden - wann sonst durchschreitet man eine derartig naturbelassene und urige, jedoch auch teils anspruchsvolle Felslandschaft in völliger Einsamkeit - vorbei an atemberaubend filigranen Felstürmen und bizarren, wild gähnenden Felsschluchten! Nach unserem Besuch besitzt nun die Östliche Roßkarspitze ein kleines Gipfelbüchlein. Ausgangspunkt für diese astreine Tagesunternehmung ist die kleine Ortschaft Forchach im Lechtal - genauer gesagt der kleine Parkplatz am nördlich gelegenen Fußballstadion. Von hier gelangt man über die alte Hängebrücke einfach und auf kürzestem Wege über den Lech und kann dann dem bequemen Feldweg vorbei an idyllischen Lechauen und Pferdekoppeln in südlicher Richtung bis hin zur Trifthütte folgen.

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    Sonnenaufgang im Lechtal, der weite Anmarsch erfordert ein frühes Aufstehen.

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    Das Feldele - eine wunderbar restaurierte, stattliche Jagdhütte am Wegesrand - hier würden wir es sicher eine Zeit lang aushalten, vorausgesetzt Essens- und Biervorräte sind in ausreichendem Maße vorhanden!

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    Kurz darauf erreichen wir die Trifthütte. Unmittelbar davor haben wir den Talweg nach rechts hinauf in Richtung Schwarzwassertal verlassen, um weiter auf komfortablem Feldweg die nächsten etwa 220 Höhenmeter ein wenig steiler anzusteigen. Hier finden wir auch einen alten Wegweiser, welcher einen über den Nordost-Rücken auf die Saldeiner Spitze führt. Wir folgen dem Fahrweg bis über den Schnatterbach hinweg, um kurz darauf nach links auf einen weiteren, nun wieder etwas deutlich ansteigenderen Forstweg zu wechseln.

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    Diesem folgen wir hinauf in den Seewald, in welchem sich auch der schöne Sigelsee versteckt, bleiben dabei immer östlich des Roßkarbaches und gelangen so ohne größere Umschweife hinauf ins untere Roßkar. Von hier aus mutet das Felsenriff der Roßkarspitzen tatsächlich wie eine waschechte Berggestalt aus den Dolomiten an. (Foto stark gezoomt)

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    Blick vom unteren Roßkar auf unser heutiges Tagesziel. Wir folgen zunächst dem komplett trockenen Flussbett des Roßkarbaches, später weichen wir hinaus an seinen rechten Rand (Steinmannl).

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    Danach leiten einen zahlreiche Steinmannl über grasige Schneisen durch den mächtigen Latschengürtel hinauf ins obere Roßkar.

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    Ankunft im oberen Roßkar. Ein paar dicke "Felsklunker" laden zu einer ersten gemütliche Rast ein. Leider ist das Wetter mittlerweile etwas instabiler geworden und es ziehen zahlreiche dicke Wolken vor die wärmende Sonne.

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    Die Roßkarscharte direkt voraus: auf günstigster Route (auch von der Menge der Schneereste abhängig) über die teils steilen Hänge aufwärts. Der Anstieg zur Scharte ist eher mühsam denn anspruchsvoll, sollte sich jemand bereits hier unwohl oder körperlich unfit fühlen, sollte er besser umdrehen.

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    Wir nutzen die teils spärlich bewachsenen Graszungen für den Anstieg. Sie sind etwas gestuft und somit beim Begehen weniger mühsam wie der gleitende Schutt nebenan.

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    Die letzten Meter hinauf in die Scharte erklimmen wir über ein etwa 30° steiles, gut gangbares Schneefeld nach oben. Der Abstieg über selbiges erfordert allerdings schon Konzentration und sicheren Tritt.

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    Von der Roßkarscharte geht es wenige Meter direkt unter steilen Abbrüchen hindurch zu einer kaminartigen, etwas brüchigen Rinne ...

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    ... über welche dann hochgeklettert werden darf (bis I+). An dem Punkt, wo die Rinne beginnt etwas seichter und kleingriffiger zu werden, steigen wir nach rechts hinaus auf die schotterbedeckte Westflanke.

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    Besonders im unteren Bereich benötigt man ein Händchen für die am wenigsten Steinschlag gefährdete Route, eine exakte Wegbeschreibung ist hier jedoch recht schwierig, da es mehrere Möglichkeiten gibt und kaum Anhaltspunkte - besonders nach dem Rinnenausstieg - vorhanden sind.

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    Blick aus der Mitte der Westflanke hinab zur Rosskarscharte. Das Foto verdeutlicht gut die Weitläufigkeit des Geländes. Wir halten uns von hier aus gesehen eher immer ein Stückchen rechts in der Flanke. Was das Foto sauber verbirgt, sind die Abbrüche östlich der Roßkarscharte, welche wir über die kaminartige Rinne recht einfach umgehen konnten.

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    Nach zweidrittel des Flankenanstieges stellen sich uns erste senkrechte Abbrüche in den Weg, weshalb wir gezwungen sind nach links zu traversieren (I).

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    Der Gipfelaufbau der Westlichen Roßkarspitze liegt nun vor uns. Wir steigen über die sichtbare Geröllrinne zum nächsten Steilaufschwung an. Diesen kann man direkt über einen Riss (II - durch nachrutschendes Geröll extrem steinschlaggefährdet) oder etwas einfacher links herum über eine kaminartige Rinne (I+) erklommen werden. Danach auf günstigster Route die letzten Meter hinauf zum höchsten Punkt mit Steinmann.

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    Vier düstere Gestalten am Gipfel der Westlichen Roßkarspitze - einer fotografiert und einer war wohl Pipi. Vom Gipfel geht es wenige Meter nach Süden in eine winzige Scharte (hier halb links), wo ...

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    ... die recht steile und äußerst steinschlaggefährdete Rinne ansetzt, welche es nun vorsichtig abzusteigen gilt. Beim Rückweg von der Östlichen Roßkarspitze entdecken wir eine 2. Variante, welche vom Westgipfel direkt nach Osten über steiles Gras und plattige Felsen (II / Abseilhaken) sicherer nach unten leitet. Hierzu aber später noch mehr.

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    Sechs Bergsteiger gleichzeitig in steinschlaggefährdeter Rinne, zu dem nicht ein einziger mit Nusshelm - jaja, da werden sich die anonymen FT-Kritiker im Netz wieder die Hände reiben, Kopf schütteln und den Zeigefinger erheben. Wir versuchen durch versetztes und abwechselndes Gehen das Risiko auf ein Minimum zu reduzieren, zudem wurde dem ersten Absteiger der Job des Ausputzers zugeteilt. So überwinden wir die gut 50 Meter hohe Rinne ohne heikle Momente.

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    Gute Laune trotz brüchigem Fels und mittelmäßigem Wetter - die Klettereien liegen zumeist im I. Schwierigkeitsgrad, kratzen jedoch hier und da auch mal vorsichtig am II.

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    Wir verlassen die Rinne an der Stellen, wo ein sehr markantes Band nach links durch die sonst abweisende Felsflanke zieht. Das Band ist überwiegend gut gangbar, hier und da muss aber auch mal zugepackt werden (bis I+).

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    Zwei Jungs noch in der Bandquerung, welche Surg bereits hinter sich hat (blaues T-Shirt). Über ihm setzt die steinschlagtechnisch gemäßigtere, ebenfalls steile Variante direkt zum Westgipfel an.

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    Nach dem Quergang geht es nun nochmals einige Meter in feinsplitterigem Fels (bis II) weiter nach unten, bis wir wieder nach links auf Geröllbändern queren können. So verfahren wir im Prinzip beim kompletten Übergang. Bänder gefolgt von Auf- oder Abstiegen, gefolgt von erneuten Bändern.

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    Je weiter wir gen Osten gelangen, um so einfach wird im Prinzip das Gelände. Dennoch wird der Übergang nie langweilig, man kommt in dieser skurrilen Felswelt einfach nicht aus dem Staunen und Schwärmen heraus.

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    Zudem gibt es immer wieder kleine, wenn auch meist brüchige Kletterpassagen, welche stets mit der gebührenden Konzentration angegangen werden sollten.

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    Schöner Riss (II) beim Übergang zum Ostgipfel. Wem dieser zu brüchig erscheint, kann das ganze auch mit etwas Höhenverlust weiter rechts umgehen.

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    Eine herrliche Passage jagt die nächste. Nach dem Riss folgt ein wunderbares, etwas ausgesetztes Felsband, welches jedem von uns ein feines Grinsen ins Gesicht zaubert. Im Hintergrund die Gipfel der Hornbachkette.

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    Urwüchsige Türme säumen dabei den Weg - und immer dran denken, der Fels ist durchwegs mit Vorsicht zu genießen.

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    Danach legt sich das Gelände und der behäbige Gipfel der Östlichen Roßkarspitze ist zum Greifen nahe. Es überwiegt nun moderates Gehgelände und nur noch selten werden die Hände am Fels benötigt.

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    Der Rückblick hingegen sieht deutlich zapfiger aus.

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    Gruppenfoto am Gipfel der Östlichen Roßkarspitze. Vermutlich erhält sie nur selten von so vielen Leuten Besuch. Wir deponieren ein kleines Gipfelbuch und gönnen uns eine zünftige Vesperpause.

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    Blick von der Östlichen Roßkarspitze auf Jochumskopf sowie Großer und Kleiner Roßzahn.

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    Blick nach Osten über den Haarigen Rücken hinüber zur Stallkarspitze.

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    Blick nach Süden zur Klimmspitze, links daneben das Steilgrasmassiv von Rotwand und Pfeilspitze. Beim Rückweg von der Östlichen zur Westlichen Roßkarspitze halten wir uns an den bekannten Weg.

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    Jedoch wählen wir dieses Mal den direkten Anstieg hinauf zum Westgipfel. Über ein plattiges Wändlein (II) mit Abseilhaken geht es in ungewohnt zuverlässigem Fels rasch nach oben.

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    Dieses schmale Grasband führt uns steil und etwas ausgesetzt direkt zum Gipfel der Westlichen Roßkarspitze.

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    Der Hochvogel vom Gipfel der Westlichen Roßkarspitze.

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    Der Jochumskopf in voller Pracht. Dieser Gipfel zählt zu den entlegensten und auch anspruchsvollsten Gipfelzielen der Allgäuer Alpen. Er steht für 2014 ganz weit oben auf unserer Wunschliste. Auch im Abstieg durch die hohe Westflanke der Westlichen Roßkarspitze herrscht enorme Steinschlaggefahr - Obacht!

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    Letzter Blick zurück auf das einmalige Felskastell der Roßkarspitzen bevor wir wieder hinab ins untere Roßkar steigen.

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    Die unzähligen Kilometer hinaus ins Lechtal erfordern mit Verlaub gesagt schon ein wenig Durchhaltevermögen. Nach 10,5 Stunden geht aber auch diese Tour einmal zu Ende. Schade!
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Oktober 2013
  2. Steinboeckle

    Steinboeckle Registrierter Benutzer

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    1
    AW: Von Forchach auf die Roßkarspitzen (2.292m & 2.291m)

    Hallo jungs von festivaltour,
    danke für eure Tourenbeschreibungen! Eure Touren sind ganz nach meinem Geschmack! Günther Laudahn mit seinen 3
    Allgäuführern hat mein Interesse an einsamen , wenig begangenen Bergtouren geweckt. Habe aber noch immer nicht
    alle seine Vorschläge ablaufen können. Eure Ideen sind top, wenn mir mal nichts einfällt, einfach bei Festivaltour nach-
    schauen. übrigenswar ich, glaube ich, der 2. Eintrag im Gipfelbüchle auf der Laufbichelkirche, von dem ich vorher nichts
    wusste; habeschon Übung im Aufspüren versteckter Gipfelbücher. Wünsch euch noch viele schöne Bergabenteuer! Euer
    Steinböckle PS: war schon 2mal auf den Roßkarspitzen mit Abstecher auf dem Rückweg zum Sigelsee, der eine phantastische Farbe hat
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. April 2014