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Mittelschwere Bergtour Von Häselgehr auf Wolekleskarspitze (2.522m) und Hintere Jungfrauenspitze (2.395m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 11. Oktober 2010.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Einsame Tour auf selten besuchte Gipfel, die viel Geröll, IIer-Klettereien und einen kurzen Klettersteig an der Hinteren Jungfrauenspitze bietet.

    Tour-Bewertung:

    [​IMG] ca. 8,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Strecke: 17,5 km / 1.750 Hm
    [​IMG] Schwierigkeit II+ / T5
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG] Tourengänger: Thom, Johannes

    Das Bergjahr neigt sich dem Ende zu. Der Langzeit-Wetterbericht verheißt nichts Gutes. Aber wir haben nochmal ein Traumwochenende vor uns. Gilt es nur noch die schwere Aufgabe der Tourenauswahl zu lösen. Nach langem Hin und Her entscheiden wir uns für eine Tour aus Günther Laudahns Fundus - auf die einsame Wolekleskarspitze in Verbindung mit der ebenso selten bestiegenen Hinteren Jungfrauenspitze. Die Tour ist trotz des langen Anstiegs hinauf durchs Haglertal absolut lohnenswert, allerdings ist ein gesundes Maß an Kondition und Orientierungsvermögen in teils weglosem Felsgelände sowie Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vonnöten, um die Tour auch wirklich genießen zu können. Die Schlüsselstelle an der Wolekleskarspitze ist eine etwas mühsame II(+), vor allem die extreme Brüchigkeit und die nicht ungefährliche Schuttauflage sorgen für Gefahr und häufigen Steinschlag. Die Schlüsselstelle kann auch links in nicht unheiklem Schrofengelände umgangen werden (I). Durch die Variante beim Aufstieg zum SO-Grat der Wolekleskarspitze wird die Tour etwas anspruchsvoller als über den "Normalweg". Ebenso ist der Abstieg ins Gliegerkar nur erfahrenen und sehr trittsicheren Bergsteigern zu empfehlen. Der Klettersteig hinauf zur Hinteren Jungfrauenspitze ist richtig schmackhaft und teils heftig ausgesetzt. Ohne das alte Seilchen wäre das Gelände teilweise wohl III und darüber, selbst mit dem Stahlseil ist teilweise noch gut Armkraft vonnöten (II). Ausgangspunkt für unsere Tour ist der Wanderparkplatz hinter der Kirche in Häselgehr. Von dort geht es auf markiertem Weg hinauf ins Haglertal.

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    Früh morgens geht es in stockdunkler Nacht und mit unseren Stirnlampen bewaffnet los. Nach einer Stunde Fußmarsch passieren wir die kleinen Haglertalhütte. Im Osten beginnt die Sonne langsam aufzugehen. Bei der Einsamkeit und Ruhe am Berg ein mystisches Schauspiel, das zu faszinieren weiß.

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    Nur wenige Minuten später erhellt die Sonne schon unseren Aufstieg im Haglertal. Die Natur hat sich mittlerweile das Herbstkleid angelegt. Auf seichten Pfadspuren geht es weiter in Richtung Luxnacher Sattel, zu dem wir allerdings nicht ganz ansteigen werden, sondern zuvor eine Rechtskurve ins Sattelkar vollziehen.

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    Kurz unterhalb des Luxnacher Sattels (linker Bildrand). Im Hintergrund sind die letzten Ausläufer des gewaltigen SO-Grates der Noppenspitze zu sehen. Es herrscht absolutes Bilderbuchwetter.

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    Kurz vor dem Erreichen des Sattelkars blickt man auf die monströsen Grattürme des Noppenspitz-SO-Grates. Halb rechts etwas im Hintergrund ist der Hauptgipfel der Noppenspitze (2.594m) zu sehen. Von hier aus sind es nur noch wenige Minuten, bevor man auf den Enzensperger Höhenweg trifft, der uns durchs Sattelkar und ans Wolekleskar heranführt.

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    Die Sattelkarspitze (2.552m) mit ihrem ebenfalls gewaltigen SO-Grat aus dem Sattelkar gesehen. Aufgrund ihrer extremen Brüchigkeit - selbst für Hornbachkettenverhältnisse - gehört sie zweifelsohne zu den am schwierigsten und unangenehmsten zu besteigenden Gipfeln der gesamten Hornbachkette.

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    Auf dem Enzensperger Weg geht es weiter in Richtung Osten in Richtung Wolekleskar. Im Hintergrund sind die steile Westflanken der drei Jungfrauenspitzen zu sehen. Der schroffe Zacken links davon ist leider namenlos und in der Karten nur als P.2452 verzeichnet.

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    Blick ins weite Wolekleskar. Der behäbig wirkende Berg im Hintergrund ist unser Ziel, die 2.522 Meter hohe Wolekleskarspitze. Wir steigen zunächst nach hinten ins Kar bis unter die von rechts tief nach unten ziehenden Felsabbrüche, um dann kurz danach rechts auf steilem Schotterband direkt unter die Grathöhe des Wolekleskarspitz-SO-Grates anzusteigen.

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    Johannes beim Aufstieg auf dem noch moderat ansteigenden Schotterband. Von hier aus ziehen wir nach links immer einer Scharte in der Grathöhe entgegen, in die wir allerdings nicht ganz ansteigen werden. Im oberen Bereich ist auf dem immer härter und steiler werden Geröllfeld Konzentration und perfekte Trittsicherheit gefordert. Ausrutschen ist hier nicht!

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    Unterhalb der Scharte in der Grathöhe. Der weitere Anstieg zum Grat ist sehr schwer und durch den brüchigen Fels auch gefährlich. Daher ziehen wir nun nach links direkt in Richtung Wolekleskarspitze, die allerdings noch durch einen brüchigen Gratturm verdeckt ist.

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    Kurze Rast über dem steilen Schotterfeld. Direkt rechts hinter mir steigen wir später weiter hinauf in Richtung Gratturm. Dieser Geröllabschnitt ist äußerst brüchig, bei jedem Schritt ist mit Steinschlag zu rechnen, recht ausgesetzt und somit die unangenehmste Stelle der gesamten Tour. Ein Helm wäre hier natürlich ratsam. Ein Abstieg über diese Passage schätze ich als sehr heikel und nicht ungefährlich ein.

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    Den folgenden Gratturm auf dem Weg zur Wolekleskarspitze umgehen wir ostseitig. Im Mittelteil der Querung gibt es eine kleingriffige, aber kurze Kletterpassage, die es zu überwinden gilt (II-). Auf dem Foto sieht das Gelände deutlich harmloser aus, als es in Wirklichkeit ist. Rechts hinten ist schon der Gipfelaufbau der Wolekleskarspitze zu sehen.

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    Die letzten Meter hinauf zum Gipfelaufbau. Hier ist der Grat wieder etwas breiter und leicht zu begehen, dennoch ist auch hier alles bröslig und brüchig. Ist man am dunklen Gipfelaufbau angekommen, so hat man für den ersten Steilabsatz zwei Möglichkeiten. Entweder nach links über brüchige Schrofen (I+) direkt Richtung Querbänder oder deutlich anspruchsvoller rechts haltend unter einen schwarzen, ca. 5 meter hohen Kamin und durch ihn nach oben (III).

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    An den Querbändern angekommen. Wir steigen hinauf zum obersten dunklen Band, da dieses am wenigsten von Bruchmaterial bedeckt ist. Der dunkle kurze Kamin am Ende des Plattenbandes stellt die eigentliche Schlüsselstelle der Tour dar. Im Kamin herrscht höchste Steinschlaggefahr!

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    Die Schlüsselstelle (II+). Der etwa 4-5 Meter hohe Kamin ist nicht ganz ohne. Besonders das äußerst brüchige und geröllhaltige Gelände danach macht die Stelle nicht nur ein wenig heikel sondern auch gefährlich. Besonders im Abstieg ist darauf zu achten, dass kein loses Material in die Tiefe getreten wird.

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    Die Schlüsselstelle von oben. Nach kurzer Orientierung lassen sich einige vernünftige Griffe ausmachen, und in zwei kräftigen Armzügen ist es dann auch geschafft. Von hier sind es nur noch wenige Höhenmeter auf den nur selten besuchten Gipfel der Wolekleskarspitze. Seit unserer Besteigung beinhaltet der kleine Steinhaufen auf dem Gipfel ein Glas mit Gipfelheftchen. :wink:

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    Blick vom Gipfel der Wolekleskarspitze nach Westen über die Riesen der Hornbachkette hinüber bis zum Allgäuer Hauptkamm. Wir verweilen nur wenige Minuten auf dem Gipfel, genießen die grandiose Aussicht und die Stille und machen uns dann hochkonzentriert an den brösligen Abstieg.

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    Johannes beim Abstieg über das obere dunkle Felsband. Es ist zwar ein wenig ausgesetzt und abschüssig, jedoch ist das Gestein an dieser Stelle sehr griffig und fest.

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    Abstieg über die kurze Rinne (I+) hinab zum SO-Grat. Nun stellt sich für uns die Frage: Selber Weg zurück oder versuchen wir einen Weg ins Gliegerkar hinab zu finden. Da wir uns den heiklen Abstieg auf unserer Aufstiegsroute hinab ins Wolekleskar ersparen wollen, entscheiden wir uns für die zweite Option. Zunächst geht es unschwierig auf einer Geröllrampe direkt vom NO-Grat nach Osten. Links von uns zieht ein tiefe Rinne hinab ins Kar, in welche wir über einen gut auszumachenden Seitenast abstiegen. Hier ist Vorsicht geboten, das Gelände ist sehr steil und brüchig und Stürze gehen hier kaum glimpflich aus.

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    Nachdem wir die tiefe Rinne erreicht haben, steigen wir in dieser recht unschwierig über teilweise großes Blockwerk hinab ins Gliegerkar. Die Rinne verliert sich nach einigen Höhenmetern gänzlich und wir können auf den weiten Schottern schnell ins Kar "hinabgleiten".

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    Blick hinab ins Gliegerkar. Von hier gestaltet sich die Wegführung wieder etwas flexibler. Unser nächstes Ziel ist der kleine Pfad, der vom Enzensperger Weg in weitem Bogen hinauf zur Hinteren Jungfrauenspitze führt.

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    Blick vom Gliegerkar hinauf zur Wolekleskarspitze.

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    Nachdem wir über den kleinen "markierten" Pfad hinauf zur Hinteren Jungfrauenspitze gestolpert sind, folgen wir diesem. Der obere Teil des kaum benutzten Wegleins ist ein wenig ausgesetzt und steinschlaggefährdet. Für den geübten Bergsteiger stellt der Weg allerdings kein Problem dar. Im Hintergrund ist schon die Hintere Jungfrauenspitze zu erkennen.

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    Der Einstieg zum Klettersteig. Dieser ist sehr steil und teilweise heftig ausgesetzt (II). Auch sollte man sich zuerst vom Halt des Stahlseiles überzeugen, da nicht mehr alle Bohrhaken fest im Fels sitzen.

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    Steil geht es nach oben. Auch wenn der Steig nur wenige Höhenmeter zählt, ist die Besteigung der Hinteren Jungfrauenspitze ein absoluter Genuss. Natürlich sind Erfahrung in diesem Gelände, sowie Trittsicherheit und Schwindelfreiheit Voraussetzung für diese Unternehmung.

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    Johannes im Steilaufschwung. Diese Stelle ist herrlich nach drei Seiten ausgesetzt.

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    Am Grat angekommen geht es nur noch wenige Meter am Seil in Richtung Gipfel, der...

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    ... deutlich mehr Platz bietet, als wir zunächst angenommen haben. Auch von diesem Gipfel genießt man eine herrliche Aussicht auf die Gipfel der Lechtaler Alpen. Nach einer kurzen Vesperpause machen wir uns wieder an den Abstieg.

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    Nochmal ein Foto aus dem Steilaufschwung beim Abstieg. Ohne Stahlseil lägen die Schwierigkeiten im III. Grad und drüber. So ist es allerdings einfach nur würzig und gut.

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    Nachdem wir den kleinen Klettersteig hinter uns gelassen haben, steigen wir auf dem kleinen Pfad hinab zum Enzensperger Weg und von dort weiter auf Weg 434 in Richtung Haglertalhütte. Hier nochmal der Blick auf die drei Jungfrauenspitzen.

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    Und nochmal ein letzter Blick zurück, bevor wir ins schattige Haglertal abtauchen. Nach einer halben Stunde erreichen wir wieder unseren Aufstiegsweg im Haglertal, auf dem wir nun zügig Richtung Häselgehr wandern.

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    Gezoomter Steilgrastraum - Rotwand und Pfeilspitze in herbstlichem Kleid. Leider war es uns auch dieses Jahr nicht vergönnt, diese faszinierenden Gipfel zu besteigen. Aber 2011 kommt ja bald :smile:
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2014
  2. Max

    Max Registrierter Benutzer

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    Schöne Bilder und klasse Eindrücke! Gefällt mir sehr die Ecke. Wegen der Sattelkarspitze kann ich euch Mut machen. Die war für mich auch lange Zeit gerade zu ein No-Go, aber die Tour ist eine ganz feine Sache. Würde sie im Nachhinein als mit die Lohnendste in der Hornbachkette bezeichnen, wenn man die nötigen Voraussetzungen mitbringt, was in eurem Fall wohl kein Problem sein sollte... Mehr Infos unter www.gipfelsuechtig.de (Tourenliste Allgäuer) oder unter http://www.hikr.org/tour/post44671.html

    Viele Grüße, Max
     
  3. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Hallo Max,

    haben deinen hikr-Bericht damals gleich gelesen! Einen Tag bevor ihr die Sattelkarspitze bestiegen habt, hatten wir uns direkt "nebenan" den Noppenspitz Ostgrat angeschaut ... Geniales, einsamstes Gebiet. Die Sattelkarspitze ist jedenfalls dick vermerkt!

    Gruß aus Isny
     
  4. schandy

    schandy Schrofenegger, Mergel & Steilgrasfreund Registrierter Benutzer

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    hallo thom, johannes,

    war gestern auf der wolekleskarspitze. euer gipfelbuch/heft im glas (aus 2010) ist leider nass und beginnt zu schimmeln. es ist zwar noch fast leer, aber ein ersatz ist bald fällig. gruß, andy
     
  5. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Servus Andy,

    danke für die Info! Ist das Gurkenglas nicht mehr in Takt? Oder der Deckel durchgerostet?

    Gruß
    Thom
     
  6. schandy

    schandy Schrofenegger, Mergel & Steilgrasfreund Registrierter Benutzer

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    servus thom,

    das glas ist soweit ok. nur der deckel hat zwei kleine löcher (schaut "mutwillig" aus).
    wollte das heft im aktuellen zustand inkl. glas nicht gleich ersetzen.

    mir persönlich gefällt ein schönes buch (min. a6) in der guten alten blechbox am besten.


    gruß, andy
     
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