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Mittelschwere Bergtour Von Oberstdorf über die Kemptner Hütte auf Mädelegabel (2.645m) und Kratzer (2.427m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 1. Oktober 2011.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Große und eindrucksvolle Wanderunternehmung im Herzen der Allgäuer Alpen. Aufgrund der hochfrequentierten Bergwege nur an Wochentagen wirklich zu empfehlen.

    Tour-Bewertung:

    [​IMG] Gehzeit: ca. 10,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Strecke ca. 2.225 Hm / 33,5 Km
    [​IMG] Schwierigkeit T4 / I+
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG] Tourengänger: Tobias, Johannes, Thom

    Die Mädelegabel ist wohl eine der bekanntesten und meistbestiegenen Berggestalten in den Allgäuer Alpen. An schönen Sommertagen steigt die Besucherzahl gerne mal in den dreistelligen Bereich - und das nicht pro Woche, sondern pro Tag! Dieser Tatsache war es auch geschuldet, dass wir bis dato die Mädelegabel erfolgreich gemieden haben. Irgendwann ist aber auch für solche hart überlaufenen Modegipfel der richtige Zeitpunkt gekommen - am Besten in der Nebensaison und möglichst unter der Woche. Dann kann diese wirklich eindrückliche und herrliche Tour zu einem ganz besonderen Bergerlebnis werden. Die Kombination mit dem benachbarten Kratzer, dem Wahrzeichen Oberstdorfs, drängt sich für den konditionsstarken Bergsteiger geradezu auf und ist ebensfalls lohnend. Wir entscheiden uns für dessen bekreuzten Westgipfel. Bei Durchführung der hier beschriebenen Tagestour empfiehlt sich die Mitnahme eines Fahrrads von Oberstdorf bis zum kurz über Spielmannsau gelegenen Lastenlift der Kemptner Hütte. Ansonsten sollten nochmal gut 2,5 Std. mehr Gehzeit eingeplant werden. Wir starten um 5 Uhr morgens am Wanderparkplatz in Renksteg, von wo aus wir mit unseren Fahrrädern in Richtung Christlesee und weiter nach Spielmannsau bis hinauf zum Lastenlift der Kemptner Hütte radeln und unsere Fahrräder dort deponieren. Von hier aus geht es zunächst mit Hilfe von Stirnlampen durch die Dunkelheit in Richtung Kemptner Hütte.

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    Der Steig führt zunächst durch den Breitenwald einige Höhenmeter über der Trettach entlang. Hier überqueren wir gerade die kleine Brücke über den Sperrbach, kurz bevor dieser dann in die Trettach mündet. Wenige Augenblicke später beginnt es endlich zu dämmern.

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    Der Aufstieg durch den Sperrbachtobel ist für einen Hüttenanstieg wirklich abwechslungsreich, im oberen Bereich sogar teils stahlseilversichert. Hier kann etwas Trittsicherheit auf oft nassem Steig nicht schaden.

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    Ein erster Blick auf die große Felsruine des Kratzers, den gerade die ersten Sonnenstrahlen des Tages berühren. Halb rechts darunter die Kemptner Hütte.

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    Die Kemptner Hütte beim Aufstieg zum Mädelejoch. Bis auf ein paar Hüttengäste, die auf der Terrasse sehnsüchtig den ersten Sonnenstrahlen entgegen fiebern, ist es noch ruhig am Berg. Sowas kommt hier in dieser Gegend nicht all zu oft vor.

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    Kurz unterhalb des Mädelejoch verlassen wir den E5 und steigen auf dem hier beginnenden Heilbronner Höhenweg, der uns an der Südseite des Kratzers vorbeiführt, weiter an. Vor uns liegt der mächtige Ostgipfel des Kratzers.

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    Johannes zu Beginn der Südquerung unterhalb der Felsruine des Kratzers. Zunächst steht die Besteigung der Mädelegabel auf unserem Plan. Allerdings ist es bis zum Einstieg an deren Ostgrat noch ein gutes Stück zu laufen.

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    Unterhalb des Kratzer Hauptgipfels (halb rechts) gibt es nochmal eine kleine Vesperpause. Schon von hier aus genießt man eine beeindruckende Aussicht vorallem auf den Jöchelspitzkamm und die Lechtaler Alpen. Hinten links der Kratzer-Westgipfel, den wir nach der Mädelegabel besteigen werden.

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    Links der West-, rechts der Hauptgipfel des Kratzers. Der Anstieg hinauf zum Westgipfel verläuft zunächst über den grasigen Rücken hinauf zu einer Geröllrinne halb links. Hierzu später noch mehr Details.

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    Herrlicher Blick auf das Allgäuer Dreigestirn - Trettachspitze, Mädelegabel und Hochfrottspitze. Links hinten spitzelt gerade noch so das Hohe Licht hervor.

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    Das Felskastell des Kratzers von Westen aus gesehen.

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    Wir rasten nochmals kurz oberhalb des Kratzerjochs, bevor wir hinauf in Richtung Mädelegabel-Ostgrat ansteigen. In zahlreichen Serpentinen führt uns der Heilbronner Höhenweg hinauf in die Mulde des Schwarzmilzferners, dem einzigen Gletscher der Allgäuer Alpen.

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    Nochmals der Rückblick zum Kratzer. Rechts hinten dominieren der Große Krottenkopf und der rechts davon befindliche Ramstallkopf die Szenerie.

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    Kurze stahlseilversicherte Felspassage auf dem Weg hinauf zum Schwarzmilzferner.

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    Die gewaltige Hochfrottspitze über den kargen Überresten des Schwarzmilzferners. Von hier aus steigen wir direkt zum Ostgrat der Mädelegabel an.

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    Die Mädelegabel (2.645m) vom östlichen Rand des Schwarzmilzferners aus gesehen. Direkt über den rechten Grat wird in teils netter Kletterei aufgestiegen (I).

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    Einstieg zum Mädelegabel-Ostgrat (I+). Eine kleine etwas abdrängende Felsnase muss gequert werden. Ausser zwei Mädels aus Sonthofen sind wir noch alleine am Gipfel unterwegs.

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    Beim Aufstieg über den Ostgrat der Mädelegabel erhält man einen tollen Nahblick auf die faszinierende Gipfelgestalt der Trettachspitze.

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    Im Mittelteil des Ostgrates wechseln sich schrofige Geh- und leichte Kletterpassagen immer wieder ab. Wer allerdings über ein wenig Kletterfertigkeiten und Trittsicherheit verfügt, der wird hier bei diesem Anstieg kaum Probleme kriegen.

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    Direkt im Südwesten der herrliche Doppelgipfel der Hochfrottspitze. Leider war es uns 2011 nicht mehr vergönnt, auf diesen einsamen und anspruchsvollen Gipfel anzusteigen.

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    Am Gipfel der Mädelegabel - bei einer gemütlichen Gipfelrast und einem netten Plausch wird die Aussicht genossen. Schön, dass es noch einsame Tage auf dem 4. höchsten Berg der Allgäuer Alpen gibt.

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    Blick vom Gipfel der Mädelegabel nach Westen auf den Linkerskopf mit seinem gewaltigen begrünten Ostgrat - dem Heubaum. Mittig dahinter der Große Widderstein.

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    Die Schlüsselstelle am Einstieg des Ostgrates im Abstieg. Danach geht es zügig über bereits bekannten Weg zurück über das Kratzerjoch zur Südflanke des Kratzers.

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    Traumpanorama während des Abstieges ins Kratzerjoch. Ramstallkopf, Großer Krottenkopf, Hornbachspitze, Öfner- und Krottenspitze. Links davor der Kratzer.

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    Unterhalb des Kratzer-Westgipfels steigen wir zunächst auf der grünen Südflanke über Gras empor - direkt unter die zwei Zacken über unseren Köpfen. Das Gras ist gut gestuft und der Anstieg ist nicht ganz so mühsam, wie wir zuerst befürchteten.

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    Blick beim Aufstieg durch die Südflanke auf den Hauptgipfel des Kratzers. Rechts davor ein teils überhängender und mächtiger Felsturm. Am Ende des Grashanges queren wir nun nach links (westlich) unter Felsen hindurch in eine große Schuttrinne.

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    Durch diese Rinne steigen wir bis in eine kleine Scharte an. Das bröslige Gelände erfordert einen sicheren Tritt, ab und an muss man auch mal mit den Händen zupacken.

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    Die Geröllrinne von oben fotografiert.

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    Aus dem kleinen Schärtchen steigen wir nun auf deutlicher Pfadspur, den Westgipfel zunächst leicht flankierend, weiter an. Im Hintergrund sind Teile des Jöchlspitzkammes zu sehen. Über das linksgelegene kleine Schuttkar kann auch zum Hauptgipfel des Kratzers angestiegen werden.

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    Nach einer kurzen Felsstufe ist dann auch der Westgipfel des Kratzers erreicht. Auch von hier genießt man eine einmalige Aussicht. Trotz der unmittelbaren Nähe zum Heilbronner Höhenweg und der Kemptner Hütte ist man hier mit etwas Glück meist alleine oben. Der folgende Abstieg verläuft direkt über die Aufstiegsroute hinab zum Höhenweg.

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    Wieder auf dem Heilbronner Höhenweg angekommen, machen wir uns nun an den Abstieg hinab zur Kemptner Hütte. Hierzu wählen wir eine weglose Abkürzung direkt östlich des Kratzermassivs. Der geübte Bergsteiger findet hier auch ohne detaillierte Beschreibung problemlos seinen Weg. Der Rest benützt besser den markierten Weg hinab zur Hütte.

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    Das felsige Schaustück der Allgäuer Alpen - der lange, zackenbesetzte Krottenspitzgrat mit seinem berühmten "Krummen Turm" bietet für den ortskundigen Könner eine der längsten Gratklettereien hierzulande (IV).

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    Nach dem Erreichen der Kemptner Hütte genehmigen wir uns ein erfrischendes Radler, bevor wir uns an den weiten Weg zurück zum Auto machen.

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    Kemptner Hütte. Von hier gehts in gut zwei Stunden zurück zum Parkplatz.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Oktober 2014
  2. Kauk

    Kauk Registrierter Benutzer

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    Frage Kratzer-Hauptgipfel

    Hallo Berg-Kollegen! Habt ihr bei eurer Kratzerbesteigung auch den Weg auf den Hauptgipfel angeschaut? Hättet ihr mir dafür ne Schwierigkeitseinschätzung oder evtl. ein aussagekräftiges Bild? Ich wünsche euch noch ein erfolgreiches Bergjahr 2012 mit immer gesunder Heimkehr! Gruß Kauk
     
  3. Thom

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    Servus Kauk,

    haben uns den Anstieg zum Hauptgipfel vom Westgipfel aus angesehen. Die Beschreibung im Seibertschen AVF ist wie ich finde wenig aussagekräftig. Im Anhang ein Bild, so wie ich die Route auf Sicht anpacken würde. Rechne mit Schwierigkeiten zwischen I und II. Aber wie gesagt, nur eine Sichtschätzung!

    Ich würde vom Heilbronner Höhenweg über die begraste Südflanke zwischen Haupt- und Westgipfel des Kratzers ansteigen. Die zwei auffälligen Grattürme zwischen den beiden Gipfeln lässt du links liegen. Danach zur Grathöhe und auf ihr an den Fels heran, welcher von einer deutlichen und steilen Rinne durchzogen ist. Durch diese Rinne auf den Hauptgipfel.

    Würde mich freuen, wenn du mir nach deiner Begehung sagen könntest, ob ich mit dieser Sichtschätzung richtig lag.

    Grüße aus Isny
    Thom

    IMG_4875.jpg
     
  4. Kauk

    Kauk Registrierter Benutzer

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    Sers Thom! Jop, eben wegen der Beschreibung im AVF hab ich gefragt...danke für deine schnelle Antwort! Für meinen Sommerurlaub hab ich ein paar Tage auf der Kemptner Hütte geplant, unter anderem mit der Besteigung der zwei wichtigeren Kratzergipfel. Sollte ich nähere Infos haben, meld ich mich gern.