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Schwere Bergtour Von Pfafflar auf Reichspitze (2.590m) und Große Schlenkerspitze (2.827m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 8. August 2010.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    17. September 2008
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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Einsame Tour auf zwei herrliche Klettergipfel der Lechtaler Alpen. Besonders im Bereich der Großen Schlenkerspitze oft brüchiger Fels. Die traumhafte Aussicht entschädigt aber für vieles.

    Tour-Bewertung:

    [​IMG] ca. 8,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Strecke: 13 km / ca. 1.600 Hm
    [​IMG] Schwierigkeit II+
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG] Tourengänger: Thom, Johannes

    Nach den etlichen Steilgrastouren, die wir in den letzten Wochen durchgeführt hatten, wollten wir uns mal zwischendurch eine größere Felstour gönnen. Nachdem wir immer noch keinen Gipfel des Allgäuer Hauptkammes oder der Hornbachkette bestiegen haben, wäre es wirklich an der Zeit, diese Gebirgszüge in Angriff zu nehmen. Allerdings haben die Lechtaler für uns eine größere Anziehungskraft, da die Touren noch um vieles einsamer und stiller sind, als in den genannten Gebirgsgruppen - das soll jedoch nicht heißen, dass ich die Hornbachkette für überlaufen halte!

    Nach einem kurzen Blick auf unsere Gipfelwunschliste 2010 stand unser Entschluss fest - Große Schlenkerspitze unter Mitnahme der Reichspitze. Ausgangsort für diese Tour ist Pfafflar, das kurz unterhalb des Hahntennjoch liegt. Von dort geht es durch das Fundaistal auf gut markierten Wegen (Markierungen bestehen teils aus Steinmannl) hinauf ins Galtseitenjoch. Von dort in nördlicher Richtung auf die Reichspitze, deren Gipfelaufbau mittlerweile komplett stahlseilversichert ist. Diese Fixseile sind nach unserem Dafürhalten absolut überflüssig, da der Fels überwiegend fest und großgriffig ist. Verzichtet man auf das Stahlseil so kann man in schöner Kletterei (I-II) rasch nach oben steigen. Nach kurzer Rast am Gipfel der Reichspitze steigen wir über bekannten Weg wieder nach unten zum Galtseitenjoch ab und machen uns nun an den sowohl konditionell als auch orientierungstechnisch anspruchsvolleren Aufstieg zur Großen Schlenkerspitze. Aspiranten sollten brüchige Klettereien bis II+, steile Geröllpassagen im Auf- und Abstieg und mitunter auftretende Vereisungen am Fels nicht scheuen. Zahlreiche Steinmannl weisen einem aber sicher den Weg durchs gewaltige Felsmassiv. Vom Gipfel der Großen Schlenkerspitze genießt man einen wortwörtlich überragenden Ausblick auf die umliegenden Bergwelten. Der Abstieg über die schuttige Ostflanke ist Geschmackssache, allerdings hat man von hier einen grandiosen Blick auf den Westgrat der nur schwer zu besteigenden Brunnkarspitze. Vom Brunnkarjöchl steigen wir über großes Blockwerk hinab auf die Böden des Hinteren Kars, wo wir auch wieder auf unseren Aufstiegsweg treffen, der uns sicher zurück nach Pfafflar geleitet.

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    Früh morgens starten wir von einer kleinen Parkbucht aus, die vor der letzten Straßenkehre hinauf nach Pfafflar liegt. Von hier führt uns direkt ein Weglein nach hinten ins Fundaistal. Hier auf dem Foto ist schon das Fundaisbachbett zu erkennen, das anschließend durchwandert werden muss. Hierbei helfen Steinmannl bei der Orientierung. Rechts ragt schon das Massiv der Reichspitze auf, ganz im Hintergrund ist der kecke Felszacken der Brunnkarspitze zu sehen.

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    Beim Anstieg zum Hinteren Kar ein kurzer Rückblick über das noch im Schatten liegende Fundaistal. Leider ist der Hintergrund hoffnungslos überbelichtet, ansonsten hätte man einen herrlichen Blick auf die extremen Steilflanken von Rotwand und Pfeilspitze.

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    Kurz vor Erreichen des Hinteren Kars erhalten wir einen ersten freien Blick auf die Reichspitze.

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    Immer wieder durchziehen kleine Bächlein das Gelände. Der komplette Aufstieg von Pfafflar hinauf zum Galtseitenjoch ist stets abwechslungsreich und eigentlich kaum anstrengend. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Felsszenerie und die teilweise üppige Vegetation einen völlig vom Gehen ablenken.

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    Auf den Weideböden des Hinteren Kars angekommen mit Blick nach Süden: Rechts die mächtige Große Schlenkerspitze und mittig die kleine, aber knifflig zu besteigende Brunnkarspitze.

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    Paradefoto von der Reichspitze bei absolutem Kaiserwetter - Bergsteigerherz, was willst du mehr ?? Na ja, hochkommen wäre auch schön. Ist aber selbst für nicht allzu erfahrene Bergsteiger dank der eigentlich überflüssigen Stahlseilsicherung gut machbar.

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    Nachdem wir aus dem Hinteren Kar über eine Rippe in Richtung Galtseitenjoch aufgestiegen sind, müssen wir nur noch diesen Geröllhang hinter uns lassen, bis wir das erste Etappenziel erreichen. Das Joch lädt zu einer kurzen Verschnaufpause ein, hat man hier doch auch schon einen tollen Aussicht aufs Parzinn und die Dremelspitze.

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    Vom Joch aus folgen wir den zahlreichen Markierungen auf teils nassem und schmierigem Pfad in Richtung Reichspitze. Der Weg dorthin erfordert etwas Trittsicherheit, beherbergt sonst aber keine Schwierigkeiten.

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    Der kurze aber herrliche Gipfelaufbau der Reichspitze. Durch die hier sichtbare Südflanke führt der drahtseilversicherte Steig hinauf zum Gipfelkreuz, genauer gesagt durch den rechten Bereich der Flanke.

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    Blickt man kurz über die Schulter, so hat man einen beeindruckenden Blick auf das gewaltige Schlenkermassiv mit Großer Schlenkerspitze, Schlenkerturm, Schlenkerwand und Kleiner Schlenkerspitze, die leider keinen Platz mehr auf diesem Foto gefunden hat. Dagegen wirkt die Brunnkarspitze links eher mickrig und wenig bedeutend. Allerdings ist diese nochmal um einiges schwerer zu besteigen als die Große Schlenkerspitze.

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    Der seilversicherte Felseinstieg an der Reichspitze. Beschränkt man sich auf die Naturgriffe und verzichtet aufs Seil, so hat man eine gutmutige (II) zu überwinden.

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    Der weitere Anstieg hinauf zum Gipfel der Reichspitze. In diesem Bereich halten sich die Kletterschwierigkeiten absolut in Grenzen (I).

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    Blick auf den letzten Steilaufschwung, der auch die Schlüsselstelle im Anstieg beherbergt. Wer genauer hinsieht, entdeckt den gut getarnten Johannes in der Bildmitte beim Durchsteigen der Schlüsselstelle. Diese ist ein in sich verdrehter, etwas schmaler Kamin, der beim Verzicht auf die Seilbenutzung im II. Schwierigkeitsgrad anzusiedeln ist.

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    Auf dem Gipfel der Reichspitze. Herrliches Wetter sowie die top Aussicht und völlige Einsamkeit machen den Augenblick perfekt. Rechts im Hintergrund der massige Muttekopf (2.774m), der schon ein dünnes Schneekleid trägt. Nach einer gemütlichen Vesperpause machen wir uns wieder an den Abstieg.

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    Die Schlüsselstelle im Abstieg von oben fotografiert. Die Griffe und Tritte sind ausreichend, allerdings herrscht in dieser Passage erhöhte Steinschlaggefahr.

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    Nach dem Abstieg von der Reichspitze erreichen wir wieder das Galtseitenjoch. Von hier steigen wir direkt über den anfangs noch breiten und komfortabel zu gehenden Nordgrat der Schlenkerspitze auf. Schon nach wenigen Metern entdeckt man eines der zahlreichen Steinmannl, die einen den kompletten Aufstieg über begleiten.

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    Mit zunehmender Höhe schnürt sich der anfangs breite Grat langsam zusammen. Das Gelände wird steiler, immer öfters zwingen einen steile Felstürme zum Ausweichen in die teils recht bröseligen Gratflanken, dennoch fällt auch hier die Orientierung nicht sonderlich schwer.

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    Kurz vor Erreichen des eigentlichen Gipfelkörpers wird der Nordgrat von einem unüberwindbaren Abbruch zerschnitten. Allerdings kann man durch einen kurzen, aber recht steilen Kamin (II) in die Ostflanke absteigen. Eine kleine Bandschlinge, die um einen großen Felsblock geknotet ist, kann einem hierbei helfen. Ich persönlich vertraue solchen "Hilfsmitteln" in der Regel nicht und verlasse mich lieber auf den Fels.

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    Am Fuße des soeben abgekletterten Kamins. Im Hintergrund ist noch die Bandschlinge zu erkennen. Von hier sollte man direkt und unverzüglich wieder zum Grat ansteigen. Die in manchen Tourenbeschreibungen verwendete Wegbeschreibung, den Kamin hinab zu steigen und über eine Rinne mit schwarzem Schutt auf eine Rippe zu queren, kann hier irreführen. Insgesamt 3 Rinnen mit "schwarzem Schutt" durchziehen die Ostflanke an dieser Stelle. Wir steigen fälschlicherweise noch weiter ab und queren dann auf ein zerborstenes Felsband vor der letzten Schuttrinne, welches sich beim Erklettern als wirklich heikel herausgestellt.

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    Auf der heiklen Felsrippe. Der Anstieg hinauf zum Grat ist äußerst brüchig und anstrengend (II-/II+). Die eigentliche Steilheit in diesem Gelände geht leider wie so oft völlig unter. Wir raten von dieser "Variante" eher ab.

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    Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir schließlich wohlbehalten wieder den Nordgrat, der hier unmittelbar an den Gipfelaufbau andockt. Die von der Bildmitte nach links oben ziehende Felsrinne beschreibt den weiteren Aufstieg. Diese kann - wie auch in unserem Falle - selbst im Hochsommer noch vereist sein. Trotz der nur minderen Kletterschwierigkeiten ist die Rinne auf Grund des brüchigen Gesteins nicht ganz ohne Gefahren.

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    Nachdem wir die "Eis"-Rinne hinter uns gelassen haben, queren wir recht unschwierig auf brösligen Bändern durch einen Teil der Ostflanke. Eine seichte Trittspur leitet uns sicher den Weg. Am Ende dieser Spur gebietet uns ein winziges aufgetürmtes Steinmäuerlein Einhalt. Von hier steigen wir nach rechts in das große Rinnensystem des Gipfelaufbaus ein.

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    Die Route durch das Rinnensystem kann variieren. Wir halten uns zunächst ganz links in einer recht ausgeprägten, fast schon kaminartigen Rinne (I-II), welche wir nach ca. 30 Hm nach links zu einem anderen Kamin hinauf zum Vorgipfel verlassen. Dieser Kamin hat im oberen Bereich eine schöne IIer-Stelle. Je nach Schneelage und Vereisungsgrad kann die Route aber auch anders gestaltet werden.

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    Am Ende des oberen Kamins angekommen, erhaschen wir einen ersten Blick auf das Gipfelkreuz der Großen Schlenkerspitze. Ein direkter Abstieg von hier hinunter in die Scharte, die Vor- und Hauptgipfel voneinander trennt, ist nicht möglich. Vielmehr muss man sich nun rechter Hand nochmals einen übermannshohen und steilen Aufschwung hochziehen (II).

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    Der Steilaufschwung direkt unter dem Vorgipfel. Der Fels ist hier für Schlenkerverhältnisse recht "fair" und zuverlässig. So ist diese Passage zwar spannend, jedoch auch im Abstieg ohne größere Probleme überwindbar. Außerdem ist die Kletterei wie so oft an diesem Berg nur wenig bis gar nicht ausgesetzt.

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    Blick vom Vorgipfel auf den Hauptgipfel. Nun ist es bald geschafft. Wir erklimmen den hier sichtbaren höchsten Punkt und steigen von dort kurz nach Norden in eine kleine, sich später nach links hin zur Gipfelscharte drehende Rinne ein. In dieser gelangen wir rasch nach unten.

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    Der letzte Aufschwung aus dem Bereich der Gipfelscharte fotografiert. Die eigentliche Aufstiegsroute erfolgt etwas weiter links. Dort muss ein kurzer, fast senkrechter, 3 Meter hoher Aufschwung überwunden werden (II+). Wir hatten uns die Schlüsselstelle allerdings etwas "wilder" vorgestellt. Nach ihr bleibt das Gelände steil und brüchig, jedoch ist es einfacher zu durchklettern. Auch hier wurde eine Bandschlinge als Hilfe angebracht, auf die wir allerdings wieder gerne verzichten.

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    Auf dem Gipfel der Großen Schlenkerspitze (2.827m). Leider ist mittlerweile das Wetter nicht mehr ganz so kaiserlich wie heute morgen und es geht ein eisiger Wind. Trotzdem lassen wir uns eine üppige Gipfelbrotzeit nicht nehmen und genießen die teilweise immer noch beachtliche Aussicht. Ein kurzer Blick ins Gipfelbuch verrät uns, dass dieser Berg gar nicht so selten, wie zuerst von uns angenommen, besucht wird.

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    Blick vom Hauptgipfel auf den Vorgipfel der Großen Schlenkerspitze. Ganz rechts kann man gerade noch so das Schärtlein erahnen, in dem der obere Kamin der Ostflanke endet. Dann von hier aus gesehen nach links, den Steilaufschwung überwindend, auf den Vorgipfel. Die links im Bild sichtbare, zum Teil mit Schnee gefüllte Rinne und der dunkle Kamin darunter stellen den Abstieg in die Gipfelscharte dar.

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    Johannes kurz über der Schlüsselstelle im Abstieg. Auch diese Stelle ist nicht wirklich ausgesetzt und der Fels bietet selbst im Abstieg gut einsehbare Tritte und Griffe.

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    Wieder im Abstieg durch das Rinnensystem der Ostflanke. Hier am unteren Ende des oberen Kamins. Von dort müssen wir nach links unten queren, um die Einstiegsrinne wieder sauber zu treffen. Gerade im Abstieg herrscht hier erhöhte Steinschlaggefahr. Ein Helm wäre ratsam.

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    Nachdem wir uns erfolgreich durch das Rinnensystem der Ostflanke nach unten "gekämpft" und Querung sowie Eisrinne hinter uns gelassen haben, finden wir beim Abstieg sogar die korrekte Rinne mit "dunklem Schutt", auf dem wir schnell in Richtung Brunnkarjöchl hinabgleiten.

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    Blick über das große Schotterfeld, auf dem wir rasant an Höhe verlieren. Ganz links im Bild ist unsere im Aufstieg überstiegene, brüchige Felsrippe. In der Bildmitte ist der beim Aufstieg über den Nordgrat nicht zu überwindende Gratturm zu sehen.

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    Ein kleiner Überblick über die hier am Berg vorherrschenden Gesteinsarten. Da ich kein Geologe bin, verzichte ich auf deren Benennung.

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    Der Abstieg nochmal im Überblick. Oben am Grat ist nochmals der v-förmige Einschnitt gut zu erkennen, der im Anstieg über den Nordgrat umgangen werden muss. Auch unsere Aufstiegsrippe rechts neben dem großen Schneefeld ist nochmals gut sichtbar.

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    Hammer Blick auf den Westgrat der Brunnkarspitze vom Brunnkarjöchl aus gesehen. Leider waren wir an diesem Tag nicht mehr in der Lage, diesen schweren Gipfel "mitzunehmen". Er ist aber bestimmt auch mal als Soloprojekt eine Reise wert.

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    Vom Brunnkarjöchl steigen wir etwas mühsam auf teilweise recht großem Blockwerk und Schotter wieder hinab auf die Weideböden des Hinteren Kars. Mittlerweile ist uns das Wetter auch wieder gesonnener.

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    Auf dem Weg zurück durch das Fundaistal Richtung Pfafflar hat man die ganze Zeit die genialen Südflanken von Rotwand und Pfeilspitze vor sich.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. April 2014
  2. Max

    Max Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    9. August 2010
    Beiträge:
    4
    Klasse Bericht und super Bilder! Die heikle Rippe hättet ihr euch jedoch sparen können. Einfach nach dem Abklettern der Verbindungsrippe zwischen Nordgrat und Brunnkarjöchl die erste schwarze Geröllrinne wieder zurück zum Grat. Das sieht man auch ganz gut auf einem der unteren Bilder. Danach ist eigentlich kein Problem mehr. Wir hielten uns damals nach dem Durchsteigen der gut gestuften Rinne gleich rechts. Man kommt so auf der Ostabdachung direkt zum Vorgipfel...

    Insgesamt gesehen eine Toptour, gerade in Verbindung mit der Reichspitze sehr lohnen.d

    Viele Grüße, Max
     
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