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Leichte Bergtour Von Unterjoch über Zinken (1.613m) und Sorgschrofen (1.636m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 20. April 2009.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Wunderbare Rundtour über 2 kleine aber feine Allgäuer Gipfel - ursprüngliche Natur und ein wenig Kraxelspaß sorgen für einen lohnenden Mix.

    Tour-Bewertung:

    [​IMG] Gehzeit: ca. 5 Stunden
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Strecke: 8,8 km / 679 Hm
    [​IMG] Schwierigkeit T4 / I+
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG] Tourengänger: Thom, Tobi

    Mit Verlaub gesagt, der Sorgschrofen ist nicht gerade einer der bekanntesten Allgäuer Gipfel und mit seinen 1.636 Höhenmeter traut man ihm auf dem Papier nur wenig zu. Dem muss ich jedoch energisch widersprechen. Die hier beschriebene Tour ist für den geringen Zeit- und Kraftaufwand einfach nur zauberhaft. Landschaftlich abwechslungsreich, mit vernünftig und geistreich angelegten Wegen genießt man von den Gipfeln eine überraschend herrliche Aussicht. Auch die Tiefblicke sind wirklich faszinierend und im Sommer können die Berghänge mit üppiger Vegetation punkten. Durch die geringe Höhe der Gipfel und durch den Aufstieg an sonnendurchfluteten Südhängen lässt sich die Tour schon extrem früh im Jahr begehen, ohne sich dabei, vom Abstieg mal abgesehen, durch weite Schneefelder kämpfen zu müssen. Der Sorgschrofengipfel ist auch geografisch ein besonderer Berg: er verbindet das ansonsten völlig von Deutschland eingekreiste Jungholz über einen gerade mal 1m breiten Korridor mit Österreich. Sachen gibt's...

    Wir starten unsere Tour am großen Wanderparkplatz in Unterjoch, der unweit des Ortsschildes rechts neben der Straße liegt. Mit einer Tagesgebühr von 2,50 € liegt dieser im moderaten und bezahlbaren Bereich. Von hieraus setzen wir unseren Fußmarsch zuerst in Richtung Ortsmitte fort. Hier treffen wir auf die kleine Kirche Unterjochs, an der wir, die ersten Wegweiser Zinken/Sorgschrofen ignorierend, rechter Hand vorbeiwandern.

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    Wir folgen dem Fahrweg und halten uns nun immer an die Wegweiser mit Aufschrift Zinken/Sorgschrofen über Zehrerhöfe. Hier im Hintergrund ist die verschneite NW-Flanke des Kühgundkopfes und, schon ein wenig von den Bäumen verdeckt, die Flanke des Iseler zu sehen, durch die der mittelschwere Salewa Klettersteig führt, den wir sicherlich dieses Jahr ebenfalls in Angriff nehmen werden, um einige Klettersteigneulinge an die wunderbare Materie heran zu führen.

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    Schon zu Anfang der Tour genießt man schöne Ausblicke. Hier ganz rechts der Iseler, kurz links davor der Kühgundkopf, der über einen begehbaren Grat mit dem Iseler verbunden ist. In der Bildmitte liegt der Ponten, der Gipfel links davon trägt den Namen Ronenspitze. Zusammen bilden diese die nordwestliche Phalanx der Vilsalpseegruppe und sind im Sommer hoffnungslos überlaufene Familienausflugsziele.

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    Nach einer Kurve können wir einen ersten Blick auf den Gipfelaufbau des Sorgschrofens erhaschen. Von hier aus zeigt sich der Gipfel eher zurückhaltend und unspektakulär.

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    Nach weiteren wenigen Minuten erreichen wir die Zehrerhöfe wo wir hingegen anderer Beschreibungen dem Wegweiser nach halblinks folgen. Zuerst geht es direkt am großen Zehrerhof vorbei. Später auf einem breiten Feldweg Richtung Waldrand und an dessen Beginn rechts etwas steiler hinauf über einen kleinen Waldsteig, den die ein oder andere rote Markierung ziert. Dieser Weg zieht im weiteren Verlauf etwas nach rechts und quert den Südhang mit mäßiger Steigung. Auf diesem Foto ist ein komplett irreführender Wegweiser zu sehen. Dieser müsste eigentlich in exakt die andere Richtung zeigen. Also bitte auch diesen wieder ignorieren und weiter dem kleinen Waldsteig bergauf folgen.

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    Oberhalb unseres Fußweges häufen sich mit zunehmender Höhe die Felsformationen. Ein laues Lüftchen fegt durch den Tann, der sonnendurchflutete Wald duftet würzig nach Harz, und so stellt sich schon zu dieser frühen Jahreszeit das wohlige und angenehme Bergsteigergefühl ein, das wir über den langen Winter bereits schmerzlichst vermisst haben. Ich kann jetzt schon vorwegnehmen, dass wir auf der gesamten Tour keiner Menschenseele begegnen werden.

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    Hier verlässt das Weglein den lichten Wald, um nun etwas steiler über Bergwiesen hinauf zum Grat zu ziehen. Bei uns ist das Weglein hier noch recht aufgeweicht und ordentlich klitschig. Zur späteren Jahreszeit dürfte man hier auch schon in den früheren Morgenstunden ordentlich ins Schwitzen kommen, da die Sonne hier auf keinerlei Hindernisse stößt und direkt in den Hang knallt.

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    Am Grat angekommen folgen wir den gut markierten Trittspuren weiter in öslicher Richtung. Es wird zunehmend felsiger und ausgesetzter. Man sollte für den nun folgenden Anstieg über gute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verfügen.

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    Nicht ganz gewöhnlicher Standort für eine Latschenkiefer.

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    Blick vom Grat auf die ersten Nordwest-Abbrüche des weiter nach hinten versetzen Zinken. Um ein erstes Zinkenfoto zu schießen habe ich mich auf diesen ersten Pfeiler geschwungen. Keine Angst, der Pfad verläuft rechts an diesem vorbei und man kann von dort aus in leichter Kletterei (I) den Pfeiler schnell und problemlos erklimmen.

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    Blick vom eben angesprochenen Pfeiler auf den Zinken mit Gipfelkreuz. Davor ziehen bizarr anmutende Felsformationen nach links steil ins Tal hinab. Auch wenn das Gelände hier noch so dazu einlädt, sei vor Kletterexperimenten dringend abzuraten. Selbst bei einer glücklich gewählten Abstiegsroute von diesem kleinen Türmchen kann man sich recht schnell im III. Schwierigkeitsgrad oder schwerer wieder finden. Also schnell zurück auf den Anstiegspfad.

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    Wenige Minuten später erblicken wir endlich das berühmte Felsenfenster, durch das der stahlseilgesicherte Auftsieg zum Zinkengipfel (1.613 m) führt. Der kleine Steig ist hier mit dem Schwierigkeitgrad (I) zu bewerten. Vor allem nach dem Durchstieg durch das Fensterchen ist das Stahlseil auf denen im Frühjahr noch vereisten und schneebedeckten Schrofen eine wirkliche Hilfe. Besonders im Abstieg.

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    Diese Aufnahme zeigt den Steig unterhalb des Felsenfensters. Der Fels ist hier griffig und fest, und so stellt die kleine Kraxelei kein Problem dar.

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    Hier der vereiste Anstieg nach dem Felsenfenster kurz unterhalb des Zinkengipfels. Es ist auch für erfahrene Bergsteiger keine Schande, bei den Bedingungen mal an Stahlseil zu greifen.

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    Blick vom Zinken am Verbindungsgrat entlang hinter zum Sorgschrofen. Wir haben uns im weiteren Tourenverlauf meist auf der teilweise sehr ausgesetzten Gratschneide bewegt. Natürlich kann man auch etwas einfacher dem teils stahlseilgesicherten Normalsteig folgen. Vom Zinken geht es nach einem kleinen Gipfelbucheintrag auf selbem Wege wie beim Aufstieg wieder nach unten.

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    Man hat von hier oben aus einen wunderbaren Weitblick in die Vilsalpsee-Gruppe und die Tannheimer Berge. In der Bildmitte erhebt sich dunkel der Einstein. Etwas links davon unverkennbar die "Drei Zinnen" des Tannheimer Tals: Rote Flüh, Gimpel und Kellenspitze.

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    Hier Tobias nochmal im ordentlich vereisten Abstieg hinab zum Felsfenster, ...

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    ... und durch dieses hindurch.

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    Wieder unten auf dem ursprünglichen Pfad angekommen hat man nun zwei Möglichkeiten. Gerade aus durch einen wirklich engen Felsspalt und danach über den teils versichteren Steig zum Sorgschrofen oder auf einem gemütlichen Pfad rechts hinab über die Südhänge zu selbigem. Wir haben uns natürlich für den engen Felsspalt entschieden.

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    Im Felsspalt. Man tut sich deutlich leichter, wenn man den Rucksack abnimmt und sich ohne diesen durch die kleine Engstelle hindurchquetscht. Auch wenn die Passagen an diesem Berg allesamt den 1. Schwierigkeitsgrad kaum verlassen, so sind es doch diese kleine Stellen, die die Tour so interessant und abwechslungsreich gestalten.

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    Obwohl wenige Meter nach dem engen Felsspalt der Weg Anstalten macht, den Grat zu verlassen, bleiben wir auf diesem. Hier ein Überkopf-Foto-Versuch, um die Ausgesetztheit dem Leser etwas näher zu bringen. Der Grat ist hier etwa noch einen halben Meter breit. Links und rechts davon dürfte es geschätzte 70-80m fast senkrecht nach unten gehen. Herrlich.

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    Die gleiche Stelle nochmals von weiter weg fotografiert.

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    Danach fällt der Grat in eine kleine Einschartung ab. Der Abstieg ist von der Schwierigkeit hier im oberen I. Grad anzusiedeln und macht einen Heidenspaß.

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    Nachdem wir noch einige Meter auf dem Grat absolviert haben entscheiden wir uns an dieser Stelle über das steile Schrofenfeld (I) zum Normalweg abzusteigen, da ein Weitergehen auf genanntem den Schwierigkeitsgrad sprunghaft ansteigen lassen würde und wir kein Risiko eingehen wollen.

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    Die steile Schrofenpassage nochmals von unten hinauf fotografiert. Alles in allem für den schwindelfreien und trittsicheren Bergsteiger kein Problem.

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    Von hier aus gesehen zeigt sich der Sorgschrofen von seiner unnahbaren und abweisenden Seite. Über den Steig ist der Aufstieg aber deutlich einfacher als erwartet.

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    In der Querung kurz vor dem letzten Aufschwung unterhalb des Sorgschrofengipfels.

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    Blick vom Gipfel hinab auf die letzten Steigmeter mit der Stahlseilversicherung. Auf dem Gipfel genehmigen wir uns eine kurze Versperpause und genießen den Sonnenschein, die Stille und die traumhafte Aussicht.

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    Blick vom Gipfel hinab auf unser nächstes Etappenziel, die gut sichtbare grüne Antenne. Der Abstieg hat es aber zu dieser Jahreszeit in sich, da noch jede Menge Schnee den ansonsten gut gangbaren Weg bedeckt. Nach dem Abstieg in die Scharte zwischen Hauptgipfel und den Ostköpfen (einen kleinen Ausflug hinauf ließen wir uns nicht nehmen, da der komplette Übergang aber mit (III) zu bewehrten ist, ließen wir uns von dem Vorhaben erst einmal abbringen) steigen wir in die mäßig steile schneeverfüllte Rinne hinab.

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    Die Abstiegsrinne im Rückblick.

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    Hier nochmals unsere Abstiegsroute mit ein wenig mehr Entfernung. Wir befinden uns jetzt nördlich unterhalb der Ostköpfe und queren weiter ein großes Schneefeld. Wo der Normalweg im Sommer verläuft, ist uns leider ab hier nicht mehr ersichtlich gewesen. Die Antenne bietet aber stehts eine gute Orientierungsmöglichkeit beim Abstieg.

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    Um ein wenig der Kälte und Nässe des Schneefeldes zu entgehen, orientieren wir uns von nun ab wieder etwas höher am Felsrand und flüchten über ein Latschenkiefernfeld hinauf in Richtung Grat.

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    Nochmals ein kurzer Blick zurück zum Sorgschrofen, ...

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    ... bevor es dann mit Eispickel bewaffnet über 50-55° steile Grasschrofen hinauf in eine Scharte geht, die östlich der Ostköpfe liegt.

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    Blick aus der Scharte hinab über die Steilgraspassage. Das Gras ist leicht gestuft uns lässt sich somit recht gut überwinden. Durch den Pickel wird das ganze natürlich noch vereinfacht. Von hier aus folgen wir weglos dem Grat Richtung Antenne. Dieser ist nicht gerade leicht gangbar, viel Buschwerk und ausgesetzte Felspartien erschweren den Übergang zunehmend.

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    An einer kleinen Felsnadel auf dem zugewucherten Grat. Auch wenn es hier nicht so aussieht, stolpern ist hier absolut tabu. Auch hier geht es noch auf der Südseite gut 40-50m senkrecht in die Tiefe.

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    Rückblick auf die Schlüsselstelle (I+) auf diesem kleinen Gratabschnitt. Achtung, teilweise loser Fels.

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    Wir befinden uns jetzt fast direkt über der Antenne. Der Abstieg hinunter ist eher abenteuerlich als von technischer Schwierigkeit. Wir hangeln uns, in teils fast senkrechtem Gelände, durch dichtes Latschenkiefer-Buschwerk. Ein wenig unkomfortabel und harzig muss ich zugeben, aber dafür ungefährlich.

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    Im Schimpansen-Stiel geht es rasch die wenigen Meter hinunter zur Antenne. Eine Latschenkletterei in dieser ausgeprägten Form hatten wir bis dato auch noch nie in den Bergen.

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    Unten an der Antenne angekommen treffen wir auch wieder auf den hier schneefreien Wanderweg, den wir vor gut einer Stunde verlassen mussten. Von hier aus nun noch kurz Richtung Osten, dann über ein weiteres Schneefeld hinab zur Bergstation des Skiliftes. Von hier ab folgen wir dem Weg nach links Richtung Alpele und steigen über den Sorgschrofenrundweg wieder hinab nach Unterjoch.

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    Blick zurück auf Sorgschrofen (rechts mit Kreuz) und Ostköpfe (links). Zwischen beiden unsere Abstiegsrinne.

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    Der Weg vorbei am Alpele hinab nach Unterjoch. Auch hier liegt noch reichlich Schnee.

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    Ein letzter Blick zurück auf eine wirklich schöne und abwechslungsreiche Tour. Links der Ostköpfe ist die Scharte nochmal gut zu erkennen, in der wir mit Pickelhilfe aufgestiegen sind. In 40 min geht es von hier zurück zum Auto, wo wir keine Zeit verlieren und direkt weiter nach Götzis (Österreich) fahren, um in der Abendsonne den Via Kapf-Klettersteig zu erklimmen. Dies soll dem ohnehin schon prächtigen Bergtag den letzten Schliff verleihen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Februar 2015
  2. Alpenindianer

    Alpenindianer Registrierter Benutzer

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    Sonthofen
    Die Tour ist wie alles bei Euch ausgezeichnet beschrieben. Man kann auch noch kostenlos an dem Parkplatz des
    Sonnenhangliftes parken. Bei Nässe wie am heutigen Tag deutlich anspruchsvoller. Da jedoch der Fels schnell
    abtrocknet blieb das Risiko überschaubar. Immer aufrecht und nie überheblich.
     
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