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Schwere Bergtour Widdersteingrat (2.368m) + Leopoldshörnle (2.136m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Tobias, 14. Juli 2012.

  1. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Geniale Kurzunternehmung. Spannend, beliebig variierbar - Geheimtipp.

    [​IMG] Gehzeit ca. 4h
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 800 Hm/ca.5-6 Km
    [​IMG] Schwierigkeit II-III (Variante)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG] Tourengänger: Thom, Tobias

    "Die Rücksicht auf andere verlangt, daß man ... leere Blechbüchsen, Papier, Obstschalen und dergleichen niemals wegwirft, sondern unter Steinen oder Moos versteckt ..." (Zettler/Groth, AVF Allgäuer Alpen, München 1964) Manche Tipps der AVF-Reihe sind eher - na ja - seltsam und nicht zur Nachahmung zu empfehlen, manche dagegen richtig gut - so auch die "Aufnahme" des Widdersteingrates in den Allgäuer Gipfelkanon. Ein echtes Ass hat sich da Nachfolger Seibert aus dem Ärmel geschüttelt! Der sogenannte Widdersteingrat mit seinen drei deutlichen Aufwürfen ist eigentlich nur der flache Mittelteil des ganz selten begangenen Ostgrates, was ein Blick ins Routenbüchlein auch verrät, denn verschwindend wenig Einträge pro Saison sind hier verzeichnet! Und über den auch für gute Berggeher zu schaffenden leichtesten Direktanstieg ab der Widdersteinhütte besucht die herrliche Aussichtsschneide so gut wie niemand, dabei gibt es eine Menge guter Gründe, genau das zu tun ...

    [​IMG]
    Aufstieg vom Hochtannbergpass zur Widdersteinhütte.

    [​IMG]
    Leopoldshörnle.

    Markant, nicht allzu oft bestiegen und auch nicht ganz trivial. Wir werden es auf dem Rückweg "mitnehmen". ...

    [​IMG]
    ... Vorher gehts aber auf den Widdersteingrat. Hier die ganz rechte Erhebung der Schneide. Sie kann von beiden Seiten erstiegen werden, wir kommen von links. Schaut hier wild aus, ist aber erstaunlich einfach.

    [​IMG]

    Normalanstieg zum Widdersteingrat.

    Er befindet sich in der linken Bildhälfte und orientiert sich an der nach schräg rechts emporziehenden Geröllzunge. Auch die kurz darunter liegende grüne Schneise ist begehbar (meine Route im Abstieg).

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    Alternativanstieg.

    Mittig wird der helle Felsteil durch einen nach links streichenden Riss erklettert. Die II wird hier kurz geknackt.


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    Einstieg.

    [​IMG]

    Erst Schutt, ...

    [​IMG]
    ... dann Kletterei über eine Felsstufe.

    [​IMG]

    Im Riss.

    Kurzes Übersetzen nach rechts. II-III.

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    Es folgt steiles, jedoch meist stufiges Mixgelände.

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    Weiter oben erhöht sich kurz der Grasanteil, auf dem sandigen Boden bleibt es aber eher kurz und "wackelig". Hier geht es nun hinüber nach rechts in eine Rinne.

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    Ausblick ins Lechquellengebirge.

    [​IMG]
    Tiefblick über den Aufstieg, ...

    ... hier am Beginn der Rinne.

    [​IMG]
    Die Ausstiegsrinne erfordert nochmals Kletterei bis II in anspruchsvoll-brüchigem Steilgelände.

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    Der Grat zum Greifen nah.

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    Kleiner Widderstein.

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    Am Grat.

    Die Erhebung im Hintergrund ist die höchste und als solche auch im AVF als "Gipfelziel" vorgeschlagen. Wir wenden uns allerdings zuerst nach rechts, ...

    [​IMG]
    ... um über oft zerborstenes Gestein überraschend einfach eine weitere auffallende Erhebung zu erklettern (I-II).

    [​IMG]
    Schöne Passage im Mittelteil des Grates (II), ...

    [​IMG]
    ... der Fels ist hier angenehm fest.

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    Weiter in wieder leichterer Kletterei zur letztes Erhebung des flachen Gratstücks.

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    Rückblick über den Grat.

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    Stufiger, fester Fels.

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    Der Anstieg vom "Gipfel".

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    Eintrag ins ganz selten aufgeschlagene Gratbuch.

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    Gipfel Kleiner Widderstein.

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    Exkurs: Da es die geniale Ansicht ganz einfach erfordert, hier die Elferflanke und mögliche Führen: Lila ist unser Anstieg ab der Schönesbodenalpe (gelb), der AVF-Vorschlag leitet noch viel weiter empor, um dann unterhalb des Elfers über Runsen und Rippen zu queren. Wir haben diese Querung bereits im unteren Drittel ziemlich unproblematisch vorgenommen. Der wohl einfachste und logischste Anstieg erfolgt (weglos) über den Tobel vor dem Schönesbodenaufstieg und über eine alte, verfallene Scheune (rot+türkis). Dann direkt auf einer markanten Rippe empor. (Am Tage unserer Besteigung waren auf dieser Route zwei Begeher unterwegs.)

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    Abstieg über den Normalweg.

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    Wetterumschwung - ein Gewitter zieht auf.

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    Leopoldshörnle.

    Der Anstiegspfad ist deutlich erkennbar. Trittsicherheit ist im steilen, sandig-erdigen Gelände Pflicht.

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    Gipfel Leopoldshörnle.

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    Eine kurze Rast ist noch drin.

    [​IMG]
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27. Oktober 2014
  2. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Nachdem starke Nässe die angedachte Kletterei in der Südwestwand des Widdersteins unmöglich machte, gings eben hinauf zum oberen Ostgrat. Etwas links der ersten Aufwürfe über stufige, steile Schrofen bis zum zwingenden Gratbeginn. Über einen wandartigen Felsaufschwung und rechts an Zacken vorbei. Links steil durch eine Rinne (Engstelle III) in abwechslungsreicher Kletterei zu einer markanten Einschartung, die erneut durch linksseitige Querung (bröselig) erreicht wird. Aus der Scharte direkt an einer Metalltafel nach links hinaus (satter IIIer, eher III+) und ausgesetzt auf guten Tritten über eine Platte spreizen. Nun zurück zum Grat und über einen letzten Aufschwung (III) zum deutlich einfacheren Abschluss auf den Hauptgipfel. Wechselnde Felsqualität, aber nie wirklich mies.

    Sehr lohnende Unternehmung, für erfahrene Alpinisten gut solierbar. Max T5/UIAA III/III+. Fotos folgen.

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    [​IMG]

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    [​IMG]

     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juli 2017
  3. Chris Koala

    Chris Koala Registrierter Benutzer

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    Hallo liebe Bergfreunde! :smile:

    Seit langem schon anonym als Gast, nun aber doch endlich als registriertes Mitglied dieser grandiosen Inspirationsquelle möchte ich mich kurz vorstellen und gleich eine (erste) Frage loswerden.

    Ich bin der Chris, gebürtiger Augsburger und seit fast zwei Jahren nun Wahl-Allgäuer mit Basislager im schönen "Städtle" Immenstadt. Neben dem Sport- und Alpinklettern (beides nicht sonderlich ambitioniert - dafür mit unbändiger Freude) verbringe ich meine Freizeit am liebsten mit "rassigen" Bergtouren, wie ihr sie regelmäßig geht:
    Dem Bergsteiger zu schwer, um es seilfrei zu gehen und dem Kletterer zu leicht, als dass sich das Mitschleppen eines Seils lohnen würde - ich nenne es vertikales Wandern :smile:
    In den zwei Jahren habe ich schon einige der "Allgäu-Klassiker" begehen dürfen.
    Auch wenn ich solche Auflistungen normalerweise für eher selbstdarstellerisch halte, finde ich sie in einem Forum mit dieser Ausrichtung schon ziemlich zweckdienlich, da man bei Ratschlägen ja auch immer wissen muss, wem man da was empfiehlt. Drum daher nun ganz kurz ein Auszug meiner gemachten Touren:

    - seilfrei: Trettachüberschreitung, Höfatsüberschreitung, Köllenspitze Westgrat, Gehrenspitze Westgrat, Hammerspitzenüberschreitung, Großer Wilder Nordgrat, Nördliche Fuchskarspitze via Westverschneidung, Burgberger Hörnle via Südkante, Stuhlwandgrat, Gimpel Südostwand

    Sportklettern sehe ich eigentlich nur als Training für schwere Berg- und Alpinklettertouren, um bei Verhauern noch technische Reserven zu haben. Bei VII- ist da bei mir Sense :shamefullyembarrased:. Alpinklettern bei schlechter Absicherung bis in den V. Grad. Seilfrei will ich ich nicht mehr als max. IV gehen.

    Warum ich das ausgerechnet unter diese Tour poste? Weil eines meiner "Kraxl-Projekte" die Komlettüberschreitung des Widdersteins darstellt. Also zuerst die Überschreitung vom kleinen Widderstein und dann auf dem oberen Teil des Widderstein Ostgrats weiter bis zum Gipfel des Großen Widdersteins. Informationen darüber sind sehr spärlich. Auf zwei Internetseiten habe ich gelesen, dass die Überschreitung vom Karlstor zum Großen Widdersteingrat ein IIIer sein soll. Über die Route ab dem Karlstour durch die Nordwand auf den Widdersteingrat habe ich aber noch gar nichts gefunden. Während ich bei einem Grat etwas "mutiger" an die Sache rangehe, habe ich bei Wänden doch mehr Respekt aufgrund der Unübersichtlichkeit.

    Habt ihr vielleicht Infos jeglicher Art, speziell über dieses Wandstück? Anbei ein Foto, welches den Wandbereich über dem Karlstor schön zeigt. Eine eindeutige offensichtliche Linie sticht mir dabei nicht heraus...
    https://img.oastatic.com/imgmax/14954243/der-grosse-widderstein.jpg
    https://img.oastatic.com/imgmax/14954244/der-grosse-widderstein.jpg

    Vielen Dank im Voraus und Danke auch für die super ausführlichen Tourenberichte mit vielen anschaulichen Bildern - das hat mir schon so manchen unvergesslichen Bergtag beschert :thumbsup:

    Kraxl-Gruß,
    Chris
     
  4. Johannes

    Johannes Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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  5. Chris Koala

    Chris Koala Registrierter Benutzer

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    Hi Johannes :smile:,

    Das ist ja spitze! Tausend Dank!!! :thumbsup:
    Dieses Jahr wird es ja wohl leider nichts mehr, aber nächstes Jahr werde ich es dann angehen und mit diesem letzten Puzzle-Teil auch mit einem deutlich ruhigeren Gewissen :wink:. Nachdem das hier schon so erfolgreich war, frage ich gleich zu einem anderen "Projekt" von mir: Ich träume seit der klassischen Trettachspitzenüberschreitung von der Gesamtüberschreitung des Allgäuer Dreigestirns :smile:. Die Überschreitung von Hochfrottspitze ab der Bockkarscharte bis auf den Gipfel der Mädelegabel ist ja bereits ganz gut dokumentiert: http://www.gipfeltreffen.at/showthr...-M%E4delegabel-(Gratkletterei-ca-UIAA-I-III-)
    Der Abstieg über den Mädelegabel Nordgrat hinab in die Trettachscharte soll aber recht unübersichtlich sein (u.a. hier: http://www.alpic.net/forum/bergsommer/trettachscharte-madelegabel-nordgrat/).
    Über die Südwand der Trettachspitze hab ich dann aber fast gar nichts mehr gefunden. Eine vage Beschreibung habe ich hier gefunden: http://www.gipfelbuch.ch/tourenfuehrer/routen/id/15504/Klettertour/Trettachspitze/mobile/off
    Aber ohne Wandbild/Topo ist mir das dann doch etwas zu harakiri.

    Hast Du oder jemand anders über den Mädelegabel Nordgrat und v.a. über die Trettach Südwand Infos jeglicher Art?

    Vielen Dank im Voraus! :smile:

    P.s.: Falls das jetzt thematisch schon zu weit weg vom Widdersteingrat sein sollte, entschuldige ich mich und verstehe ein Verschieben seitens des Admin-Teams natürlich :sorry:
     
  6. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Servus Chris Koala,

    wenn ich mich recht erinnere, gibt es hierzu in meinem alten AVF von '63 ganz vernünftige Beschreibungen zu den einzelnen Abschnitten dieser sicherlich einmaligen Tour. Topo zum Südgrat Trettach etc.

    Aus Orientierungsgründen und vom persönlichen Gefühl her würde ich die "Gesamtüberschreitung des Allgäuer Dreigestirns" in der anderen Richtung angehen, also von Nord nach Süd.

    Würden uns sehr freuen, wenn du hier nach absolvierter Runde einige Bilder und Eindrücke dieser Touren posten würdest.

    VG
    Thom
     
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  7. Chris Koala

    Chris Koala Registrierter Benutzer

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    Hi Thom!

    Danke für die Info mit dem AVF. Vielleicht komm ich über die Bibliothek meiner AV-Sektion oder im Netz an ein Exemplar.
    Beide Richtungen haben wohl ihr für und wider - für mich war bisher die Trettach Südwand die große Unbekannte. Das Einzige was ich hierzu gefunden habe, war folgender Dialog zweier Bergsteiger in einem anderen Forum:

    "Denke daß die gesamte Überschreitung von der Hochfrottspitze über
    Mädelegabel und weiter über Trettach Südwand am lohnensten ist.
    Trettach Südwand unten kurz 4 er Stelle sonst 2-3."

    "Da hast du sicher Recht, nur ist das eben eine Kopfsache. Der leichteste Aufstieg, sprich die Südwand beginnt mit einem ausgesetztem Quergang (IV) und da hat man gleich verdammt viel Luft unter den Sohlen. Ich habs mir seilfrei nicht zugetraut. Anderseits wegen einem 20-m-Quergang das Seil über Hochfrott und Mädelegabel tragen, das sprengt irgendwo schon den Rahmen. Somit verbleibt meist doch nur der Abstieg von der Trettachscharte (--> also Nord-Süd-Überschreitung) über das unangenehme Band. Vielleicht muss man sich da halt doch mal überwinden und vorsichtig rübertasten."


    Mir geht dieser spannende historische Begehungsbericht von Enzensperger aus dem Jahre 1894(!) einfach nicht mehr aus dem Kopf. http://www.wanderpfa.de/1/index.php/die-trettach-suedwand
    Nächstes Jahr müsste ja das Waltenberger Haus wieder öffnen (mein Vermieter ist der Architekt :wink:) - da sollte diese Unternehmung logistisch gesehen an den längsten Tagen machbar sein, wenn man am Vortag den Hüttenzustieg macht.

    Mal schauen, wie sehr sich mein Plan über den Winter konkretisiert, aber wenn es klappen sollte, werde ich hier natürlich mit Worten und Bildern berichten :smile:.

    Kraxl-Gruß,
    Chris
     
  8. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Hallo Chris,

    Falls du keinen AVF erworben bekommst, kann ich dir mal in ner ruhigen Minute die wichtigsten Seiten hierzu scannen und per PN zusenden.
    Bin nur momentan mit sehr wenig Freizeit gesegnet! :frown:

    VG
    Thom
     
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  9. Chris Koala

    Chris Koala Registrierter Benutzer

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    Das wäre einsame Spitze!!! :thumbsup: Und pressieren tuts ja nicht mehr dieses Jahr :wink:
    Merci! :smile:
     
  10. Chris Koala

    Chris Koala Registrierter Benutzer

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    Waren am Samstag auf dem Großen Widderstein und sind auch über einen Grat hoch. Allerdings über den Südgrat.
    Ganz so brüchig, wie im AVF beschrieben, empfand ich die Route nicht und die Stellen, an denen man den Normalweg durch Steinschlag gefährden würde, beschränken sich auf flache Geröllpassagen - da muss man eben bedacht Steigen.

    Ansonsten gibt es eine gut ausgesetzte, rassige Schlüsselstelle (glatt IV / mit BH wäre auch III A0 möglich - bei uns ging es mit einer guten mentalen Tagesform frei) und einige kernige Aufschwünge (III). Es dominieren luftige Bänder und kaminartige Verschneidungen, aber auch einige Wandstücke sind zu erklettern. Hat wirklich Spaß gemacht und der 20m-Strick wurde nur als Trainingsgewicht mitgeschleppt :smile:

    Leider kamen wir knapp unter der Schlüsselstelle in ein Unwetter (um 10 Uhr vormittags hatte ich laut mehreren Wetterberichten + DAV Bergwetter noch nicht damit gerechnet...). In einer halbwegs bequemen Scharte harrten wir ca. 20 Minuten zu zweit unter meinem Biwacksack stehend aus - immerhin war es trocken und warm in unserem "Ganzkörperkondom" :smile:. Glücklicherweise war die Mini-Scharte auch eine der wenigen nicht absturzgefährdeten Stellen.

    Die nur ca. 50m-Luftlinie entfernten Kletterer in der benachbarten Kletterroute Abkrakadabra (VI-) taten mir leid... der Vorsteiger - triefend nass - kam weder vor- noch rückwärts :poop:

    Zu unserer großen Freude und Überraschung war nach weiteren 20 Minuten mit Hilfe der wiedergekehrten Sonne und dem böigen Wind der Fels fast komplett getrocknet und so konnte es in schöner Wolkenstimmung weiter gen Südgipfel gehen. Dort verbrachten wir dann auch die Gipfelpause, weil der Hauptgipfel bereits gut besucht war. Die beiden fast gleich hohen Gipfel trennt "nur noch" ein luftiger und stellenweise brüchiger Verbindungsgrat, ist aber nach den bis hier her gemeisterten Stellen kein großes Hindernis mehr (Stellen II).

    Dem Gipfeltrubel entgingen wir durch zügiges Absteigen auf dem speckigen Normalweg, der vor allem durch die Menschenmassen steinschlaggefährdet ist.

    Fazit: Hatten Glück im Unglück mit dem Wetter - bei solch unsicheren Verhältnissen werde ich in Zukunft nur noch leichtere Sachen in Erwägung ziehen... again what learned :wink:
    Die Tour an sich ist aber auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man auf solche Touren steht! Der Grat ist nicht markiert und es stecken auf den ca. 400 Meter Gratlänge nur eine Handvoll alter, rostiger Schlaghaken. Uns hat die sehr knappe Beschreibung im AVF allerdings gereicht um uns grob zu orientieren - ob man jetzt bspw. die linke, oder die rechte Verschneidung wählt, bleibt einem aber selbst überlassen!
    Eine ausführliche Tourenbeschreibung inkl. Bilder + Video habe ich hier erstellt (ihr verzeiht mir - ich arbeite bei diesem Tourenportal :wink:):

    https://www.outdooractive.com/de/be...dderstein-suedgrat/111098386/#dmdtab=oax-tab1
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juni 2017
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  11. Manu

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    Hallo Chris,

    Glückwunsch zur gemeisterten Tour! Wieder einmal ein super Beitrag und vor allem Video von dir/euch - sieht äußerst spannend aus!!!

    Die Menschenmassen am Widderstein sind so ne Sache für sich. Da wird viel durch den Fels "geeimert".. Wenn ich das Treiben dort so betrachte, wundere ich mich jedes Mal das dort nicht mehr passiert. Da wird fleißig mit Steinen um sich geworfen. Bei unserem letzten Besuch haben wir gesehen wie oben 2 Jungs durch die Felsen randaliert sind und bei fast jedem Tritt Steine losgetreten haben... . Ein größerer Stein ist sogar jemand direkt auf den Rucksack geknallt, was ein paar cm weiter oben passiert wäre ist klar... . Zum Glück ist der Normalweg so gut abgeklettert das nicht all zu viel Material lose rumliegt.

    Hatten am Samstag auch Pech mit dem Wetter... 24° Grad und Sonne waren angesagt und 360° Rundumnebel und anfänglicher Regen waren dann das Ergebnis :wink: Tourenbericht folgt :smile:

    LG Manu
     
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  12. Chris Koala

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    Vergangenen Sonntag waren wir wieder am Widderstein für die bereits etwas weiter oben erwähnte Überschreitung vom Kleinen auf den Großen Widderstein (via Nordpfeiler + Oberer Ostgrat). War ein langer, anspruchsvoller, spannender aber vor allem ziemlich genialer Tag! An dieser Stelle nochmal ein riesen Dankeschön an Johannes: Ohne das Topo/Wandbild wären wir ziemlich aufgeschmissen gewesen :nailbiting::whistling::smile:.

    Ein paar Eindrücke dieser wirklich lohnenden Unternehmung im Video anbei:

     
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  13. Chris Koala

    Chris Koala Registrierter Benutzer

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    Dieses Jahr ziehts mich irgendwie immer wieder zum Wächter des Kleinwalsertals...
    Habe gestern die Alte Südwestwand vom Großen Widderstein begangen (~250m, 8SL, IV+).
    Mein Freundin hatte keine Zeit, drum allein. Naja - nicht ganz. Ein mächtiger Steinbock hat mich auf dem breiten Ringband besucht :smile:.

    Zur Route:
    Der Panico-Führer schreibt: "Für diesen Schwierigkeitsgrad sehr steil und luftig." - Dem kann ich nur beipflichten. Der Fels ist schön griffig, allerdings wechselt grob-brüchiges Gelände mit bombenfesten Wandstücken fast im Minutentakt. Brav klopfen und rütteln ist also vor jedem Zug zu empfehlen und nimmt ein klein wenig den "Flow" raus... gibt aber deutlich(!) Schlimmeres! Die Route sucht sich in geschickter Linie durch die steile Wand. Mehrfach müssen steile Wandstufen über Risse, Kamine oder Verschneidungen überwunden werden, ehe man wieder auf einem bequemen Biwak-Band steht. Die Standplätze sind gebohrt/geklebt - dazwischen steckt aber recht wenig und wenn, dann altes Material (Schlaghaken). Mobile Absicherung sollte halbwegs gut möglich sein, habe aber ehrlich gesagt nicht so ganz nach placements geschaut.

    Von meiner Seite aus gibts eine Empfehlung - zumal man wohl auch am Wochenende große Chancen haben könnte, die einzige Seilschaft zu sein. Die deutlich beliebtere Hiltimanie (VI+ / perfekt eingebohrt) befindet sich ja nur einige Meter weiter rechts auf dem Ringband.

    Da ich allein unterwegs war, habe ich nur das unten verlinkte Video mit der Helmkamera, was leider nicht immer so aussagekräftig ist, wie seinen Seilpartner zu filmen. Aber vielleicht gibt es dennoch einen kleinen Eindruck vom Fels, der Szenerie und den Schwierigkeiten der Route.

    Kraxl-Gruß,
    Chris :smile:

     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2017 um 07:59 Uhr
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