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Schwere Bergtour Von Häselgehr auf die Sattelkarspitze (2.552m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 16. Juli 2013.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Einer der am seltenst besuchten Gipfel in der sowieso schon nicht überlaufenen Hornbachkette. Feine Bergtour mit netten Klettereinlagen.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 7 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.500 Hm / 12,7 km
    [​IMG] Schwierigkeit II+ / T5+
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Johannes, Thom

    Die Sattelkarspitze ist, wie auch ihre Nachbarn in der Hornbachkette, von keiner Seite aus wirklich einfach zu besteigen und imponiert dem Tourenaspiranten mit ihren plattigen und teils äußerst steilen Felsflanken. Zudem ist sie weglos, leider nicht mehr unmarkiert! Wieso diese einsamen Berge mit Farbe verschandelt werden, bleibt für mich ein absolutes Rätsel, da der erfahrene Bergsteiger auf Grund der Gegebenheiten des Geländes an diesem Gipfel sowieso keine Probleme mit der Orientierung haben dürfte. Die spärlichen Farbmarkierungen sehe ich eher als Risiko, ziehen Sie vielleicht das Augenmerk von unerfahreneren Bergsteigern auf sich, welche mit dem weglosen, teils ausgesetzten und anspruchsvollen Gelände dann hoffnungslos überfordert sind. Ich hoffe, dass sich der entsprechende "Malermeister" wieder besinnt und dies nicht zur Mode in unseren schönen und einsamen Bergen wird - die guten alten Steinmannl tun es schließlich auch! Nun aber wieder zur Tour. Der günstigste Ausgangspunkt für die Besteigung der Sattelkarspitze ist der Parkplatz oberhalb von Häselgehr, welcher direkt am Eingang zum langgestreckten Haglertal gelegen ist. Von hier aus machen wir uns auf den altbekannten Weg hinauf in Richtung Luxnacher Sattel.

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    Auch nach zahlreichen Begehungen in den Vorjahren bleibt der Anstieg durch das Haglertal interessant, das Gelände und die urwüchsige Vegetation sorgen für genügend Ablenkung und lassen keinerlei Monotonie beim Bergsteiger aufkommen.

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    Kurz vor erreichen des Luxnacher Sattels biegt unser Weg nach rechts hinauf ins Sattelkar ab, wo er wenige Minuten später auf den herrlich angelegten Enzensperger Höhenweg trifft. Zum ersten mal wird der Blick auf unser heutiges Tagesziel frei - das dunkel Felskastell der Sattelkarspitze.

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    Blick vom unteren Sattelkar über den Luxnacher Sattel hinweg hinüber zu den Ruitelspitzen (Mitte) und vielen anderen Lechtaler Gipfeln.

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    Vor dem Weiterweg ins Wolekleskar machen wir eine kurze Rast und genießen die Aussicht und das herrliche Wetter. Im Hintergrund der nur selten besuchte Häselgehrberg.

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    Der Enzensperger Höhenweg führt uns bequem an das untere Wolekleskar heran. Rechts die Drei-Jungfrauen-Spitzen und hinten halb links die von hier unscheinbar wirkende Wolekleskarspitze. Der gewaltige Felszacken in der Bildmitte ist P.2452 und besitzt erstaunlicherweise keinen Namen. Der weitere Anstieg tief hinein ins Wolekleskar verläuft weglos.

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    Im hinteren Wolekleskar angekommen. Über uns thront schon der dunkle Gipfelaufbau der Sattelkarspitze (halb links) und der stets als Orientierungshilfe verwendbare Doppelturm am Nordostgrat. Zunächst steigen wir knapp rechts vom Schneefeld über gleitenden Schutt etwas mühsam unter die senkrechten Abbrüche (heller Fleck) an. Dann über ein paar Schrofen (I+) zu einem nach links verlaufenden Band direkt unter den teils überhänden Wänden.

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    Auf den Einstiegsschrofen mit Blick auf das Richtung Süden verlaufende, geröllbedeckte Band. Diesem Band folgen wir hinüber, bis dieses anfängt an Höhe zu verlieren. Von hier noch wenige Meter weiter und wir erreichen eine schräg nach rechts oben verlaufende, kaminartige Rinne.

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    Durch diese Rinne überwinden wir mit etwas Armkraft und Geschick (II+) den ersten Felswulst ohne größere Probleme.

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    Der Rinnenausstieg nochmals von oben. Die Ausgesetztheit hält sich in Grenzen, der Fels ist überwiegend fest, die teils kleinen Griffe erfordern aber sicheres und festes Zupacken. Nach dem Riss geht es auf einem zweiten Band nochmals einige Meter etwas fallend nach links, um dann über Schrofen (I) hinauf zu einer größeren Gerölleinlagerung in der Flanke zu gelangen.

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    Über das gut gangbare Geröllfeld gelangen wir rasch wieder an den herrlichen Fels. Zahlreiche Rippen leiten in feiner Kletterei (I-II) weiter hinauf zur nächsten großen Gerölleinlagerung mit markantem Felsblock. Die Aufstiegsroute lässt hier einiges an Spielraum zu, daher verzichte ich auf eine exakte Beschreibung.

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    Die herrliche Felsrippe bildet den Wiedereinstieg in die lohnende Felslandschaft der Sattelkar-Ostflanke, darunter die erste große Schottereinlage des Aufstiegs, die einfach zu überwinden ist.

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    Nach den schönen Felsrippen (als Orientierungspunkt dient zur jederzeit der Doppelturm des NO-Grates) und der 2. Gerölleinlagerung mit markantem Felsquader steigen wir knapp links am Doppelturm vorbei und gelangen so auf schöne Platten knapp unterhalb der Grathöhe.

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    Diese sind vor allem im Aufstieg gut zu überwinden (bis II+), für den Abstieg ist die Route auf Grund der Steinschlaggefahr und der immer wieder vorhandenen geröllbedeckten und abschüssigen Tritten eher ungeeignet.

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    Ausstieg direkt am Nordostgrat der Sattelkarspitze mit Blick auf den Doppelgipfel der Gliegerkarspitze und der etwas unkenntlich davor gelegenen Wolekleskarspitze.

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    Der Blick nach Westen zeigt die Noppenspitze von ihrer absoluten Schokoladenseite - himmlisch!

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    Wenden wir uns nun den letzten Metern hinauf zum Gipfel zu. Wem ein direkter Aufstieg zu schwer oder heikel erscheint, der kann einige Meter über ein leicht ausgesetztes Band in die Nordflanke hinab (I) steigen und zum Westgrat wechseln und gelangt schließlich von Südwesten über eine Steilrinne (II) auf den Gipfel. Der direkte Übergang ist allerdings kaum schwerer und deutlich kürzer.

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    Man ersteigt den letzten Aufschwung am Besten etwas links haltend, rechts davon ist das Gestein teilweise unzuverlässig. Auf der helleren Gesteinsrippe geht es mit einigen kräftigen Armzügen (II+) etwas ausgesetzt hinauf, ein paar Meter weiter oben queren wir kurz nach rechts und steigen direkt am Gipfel mit Steinmannl aus.

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    Die Schlüsselpassage nochmals von oben, nur die ersten Meter sind kleingriffiger, danach geht es an komfortablen Henkeln steil hinauf zum Gipfel.

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    Auf dem Gipfel der Sattelkarspitze. Das mitgebrachte Gipfelbuch kommt nicht zu Einsatz: Rudi aus Isny kam uns ein halbes Jahr zuvor :wink: Allerdings konnten wir einen Kugelschreiber spenden. Im Hintergrund die gewaltige Noppenspitze und dahinter die von uns leider immer noch nicht bestiegene Kreuzkarspitze.

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    Was für eine bombastische Aussicht. Der Blick Richtung Osten zeigt Gliegerkarspitze, Bretterspitze und die fast völlig verdeckte Urbeleskarspitze - den fünf höchsten Gipfel der Allgäuer Alpen.

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    Beim Abstieg entscheiden wir uns für die Alternativroute. Dabei steigen wir Richtung Süden von der Gipfelkrone über eine sehr steile und recht ausgesetzte Felsrinne (II) hinab. Weiter geht es dann über einige Steilschrofen hinab (I-II), bis wir anschließend mit einigem Höhenverlust hinüber zum oberen Geröllfeld (mit markantem Block) hinaus queren können (I-II). Dort treffen wir auf unsere Aufstiegsroute.

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    Noch im Bereich der Gipfelkrone mit dem Blick hinüber zur beeindruckenden Bretterspitze.

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    Bekannte und wunderbare Plattenkletterei - gerade im Abstieg fordert die Sattelkarspitze volle Konzentration, befindet man sich doch seit dem Einstieg in den Felskörper in ständigem Absturzgelände. Links oben wieder der markanten Doppelzacken, der auch im Abstieg als Orientierungspunkt dient.

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    Der Abstieg über die schräg verlaufende, kaminartige Rinne erfordert nochmals festes Zupacken, danach queren wir auf dem Einstiegsband nach links hinaus ins obere Wolekleskar.

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    Bei guten Schneeverhältnissen braucht es keine Skier für eine kleine Abfahrt.

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    Ein letzter Blick zurück ins einsame Wolekleskar ...

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    ... bevor wir uns wieder an den Abstieg zum Auto machen. Im Hintergrund die unzähligen Gipfel der Lechtaler Alpen, davor der Häselgehrberg.

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    Dieses Foto zeigt, warum wir uns beim Abstieg wieder für die Route durch das komplette Haglertal entschieden haben - es lohnt sich einfach immer aufs Neue!
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Januar 2015
  2. Max

    Max Registrierter Benutzer

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    AW: Von Häselgehr auf die Sattelkarspitze (2.552m)

    Wie immer ein toller Bericht! Klasse! Etwas irritiert war auch ich über die Tatsache, dass dort jetzt markiert wurde. Unglaublich. Sind das durchgehende Markierungen oder nur an einzelnen Stellen? Wir konnten uns damals an den wenigen problematischen Stellen auch gut mit Steinmännern helfen. Leider greifen da manche stattdessen lieber zur Spraydose...

    Viele Grüße, Max
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. August 2013
    Johannes gefällt das.
  3. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    AW: Von Häselgehr auf die Sattelkarspitze (2.552m)

    Servus Max,

    Markierungen laufen im Prinzip vom Einstiegsband bis zur Gipfelkrone - wirklich unschön! Die Abstände der Markierungen sind zwar deutlich größer wie bei offiziell markierten Wegen, dennoch sind Sie in ausreichender Zahl vorhanden. Wir sind auch Fans von Steinmännern - mehr braucht man auch nicht.

    Anderes Thema: wie läuft dein Projekt an der Noppenspitze ??? :smile:

    Viele Grüße

    Thom
     
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